Russland

Russischer Verteidigungsminister Schoigu: "Russland darf im Informationskrieg nicht verlieren"

In einem Interview für den Fernsehsender "Swesda" meinte der Verteidigungsminister der Russischen Föderation Sergei Schoigu, der gegen Russland geführte Informationskrieg sei auf seinem Höhepunkt. Man habe nicht das Recht, diesen Krieg zu verlieren, ergänzte Schoigu.
Russischer Verteidigungsminister Schoigu: "Russland darf im Informationskrieg nicht verlieren"Quelle: Sputnik © Mikhail Metzel / TASS

Russland stehe in einem Informationskrieg, der derzeit an allen Fronten gegen das Land geführt wird. Diese Meinung vertrat der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu in einem Interview mit dem Fernsehsender Swesda ("Stern"). Er erklärte, Russland habe nicht das Recht, diesen Krieg zu verlieren.

"Die Besonderheit unserer Zeit ist, dass es heute nicht mehr nur darum geht, Informationen in der einen oder anderen Form zu verbreiten, sondern es ist ein großer Krieg, so muss man es nennen", sagte der Verteidigungsminister.

Laut Schoigu habe sein Ministerium Zeit gebraucht, um sich der Menge an Informationswaffen bewusst zu werden, die heute eingesetzt werden. Man war nicht sofort darauf vorbereitet, dass Medien und Informationen gezielt als psychologische Waffen eingesetzt werden: 

"Ich spreche nicht von banalen Dingen wie Schmutz, Verleumdung und so weiter. Ich spreche ganz klar von Informationswaffen."

Schoigus Meinung nach umfasst das Arsenal derjenigen, die diesen Krieg führen, Fakes, selektierte Informationen und Diffamierungen. Die Abteilung für Information und Massenkommunikation des Verteidigungsministeriums arbeitet an Strategien zur Bekämpfung informationeller Angriffe. Es geht dort nicht mehr nur um die informationelle Begleitung der Arbeit des Verteidigungsministeriums und des militärischen Dienstes: Es entstehe praktisch eine neue Waffengattung, die zwar 2021 bereits ihr 50jähriges Jubiläum feierte, aber erst seit wenigen Jahren wirklich effektiv arbeitet.

Das Interview war Teil einer Dokumentation über die Arbeit der relativ neuen Abteilung. Besonders stolz sei man darauf, unter ausländischen Korrespondenten als der transparenteste und zugänglichste militärische Pressedienst weltweit zu gelten. Diese Transparenz habe – neben den objektiven Verbesserungen des Zustandes der russischen Armee selbst – dazu beigetragen, dass sich das Image der Truppen in der russischen Bevölkerung radikal verbessert habe.

Die für Journalisten organisierten Exkursionen und Besichtigungen – auch solche in Krisengebiete wie Südossetien oder Syrien – kommen bei in- wie ausländischen Journalisten gut an, berichtet die Dokumentation. Ab und zu hilft es, sagt der Leiter der Abteilung für Information und Massenkommunikation Generalmajor Konaschenkow, an das Gewissen der westlichen Journalisten zu appellieren, wenn sie wieder einmal die Unwahrheit berichtet haben: 

"Wenn man mit den westlichen Journalisten vor Ort spricht, machen sie einen menschlichen, gebildeten Eindruck. Sie verstehen alles, nicken zu unseren Ausführungen. Wenn ich dann aber eine Woche später gelesen habe (– was dieselben Journalisten schrieben –), dann drehte sich in mir mein Glaube an die Menschen. Sie haben nicht einfach gelogen, sie haben die Tatsachen von den Füßen auf den Kopf gestellt. Wenn man diese Journalisten ein paar Tage später sieht, dann schämen sie sich und versuchen, dir nicht in die Augen zu blicken. 'Das war nicht ich, das war die Redaktion, die alles verdreht hat', kommt dann als Antwort." 

Trotz solcher Erfahrungen verweigert das Verteidigungsministerium keinem westlichen Journalisten die Teilnahme an den Pressfahrten und Exkursionen, die die Abteilung von Konaschenkow organisiert. Man ist überzeugt: Auf lange Sicht lohne sich diese Transparenz. Die Verschlossenheit und Geheimnistuerei der Sowjetzeiten habe sich nicht bewährt, wie das negative Image etwa des Afghanistan-Einsatzes zeige. Daraus habe man gelernt und setze auf Wahrheit, klare Kommunikation und größtmögliche Offenheit. Natürlich werden dabei keine Staatsgeheimnisse verraten, doch wird der Begriff eines Geheimnisses viel enger als früher ausgelegt. 

Igor Konaschenkow gibt die Hoffnung nicht auf, dass Wahrheit und Transparenz einen großen Krieg noch verhindern können. Und mit solchen Soldaten an der Informationsfront wie dem "Kater zur See Sergei Iwanowitsch" haben Frieden und Völkerverständigung vielleicht doch noch eine Chance.

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