Russland

WTB Bank-Chef: Russland wird nicht aus SWIFT austreten, kann aber auch ohne überleben

Moskaus Ausschluss aus dem westlichen Zahlungssystem SWIFT wird immer wieder auch in hohen politischen Kreisen im Westen diskutiert. Der Kopf der zweitgrößten russischen Bank WTB meint, dass ein Austritt nur auf westlichen Druck erfolgen könnte.
WTB Bank-Chef: Russland wird nicht aus SWIFT austreten, kann aber auch ohne überlebenQuelle: www.globallookpress.com © Kremlin Pool

Der Rückzug Russlands aus dem SWIFT-Zahlungssystem wird nur dann erfolgen, wenn die EU ihre Sanktionen gegen Moskau verschärft, was nach Ansicht des Chefs der russischen WTB Bank unwahrscheinlich ist. In einem Interview mit dem Handelsblatt erklärte WTB-Chef Andrei Kostin:

"Ich glaube nicht, dass es jemals [zum Austritt Russlands] kommt – außer, die europäischen Regierungen wollen derart schwerwiegende Maßnahmen gegen Russland ergreifen. Bisher verfolgen jedoch nicht mal die USA solche Pläne. Sie würden uns eher vom Dollar-System abschneiden und Sekundärsanktionen gegen europäische Banken verhängen, damit diese keine Geschäfte mehr mit uns machen können."

Kostin betonte, dass Russland Teil der internationalen Gemeinschaft bleibe und sich nicht vom Rest der Welt abtrennen wolle; wenn Europa und die Vereinigten Staaten jedoch beschließen, ihre Beziehungen abzubrechen, habe Russland andere geschätzte Partner und werde zurechtkommen. Er betonte:

"Wir wollen eine gute Beziehung zu anderen Ländern. Wenn der Westen nicht mit uns zusammenarbeiten will, werden wir verstärkt mit China, Indien und Ländern in Afrika zusammenarbeiten. Die USA und Europa sind nicht die ganze Welt."

Das Thema einer möglichen Abkopplung Russlands von SWIFT – dem in Belgien ansässigen globalen Netzwerk zur Erleichterung internationaler Banktransaktionen – kam erstmals 2014 auf, nachdem die EU nach der Wiedervereinigung Russlands mit der Krim ihre erste Runde antirussischer Sanktionen einführte. Anfang dieses Jahres forderte die Europäische Volkspartei (EVP), die größte Fraktion im Europäischen Parlament, erneut den Ausschluss Russlands aus dem Zahlungssystem im Falle einer "Invasion der Ukraine".

Letzte Woche hatte der ehemalige Berater des britischen Verteidigungsministeriums, Maximilian Terhalle, die Europäische Union zu diesem Schritt aufgefordert, um "zukünftige Angriffe" aus Russland zu verhindern. Er äußerte sich in einem Artikel des Magazins Politico, in dem er die Europäer vor der Bedrohung warnte, die von Russland ausgehe. Moskau bereite sich darauf vor, den Kontinent über die Nord Stream 2-Pipeline mit Erdgas zu versorgen.

Der Chef der WTB Bank hält die Einführung zusätzlicher Sanktionen gegen Russland für sinnlos. Kostin hob hervor:

"[Sanktionen] sind kontraproduktiv und lösen keine Probleme. Wenn es politische Konflikte gibt, kann man sie nicht mit Wirtschaftssanktionen lösen, sondern man muss miteinander reden."

Im Mai dieses Jahres erklärte SWIFT, dass es in Russland wie gewohnt weiterarbeiten werde und keine Gefahr bestehe, dass das Land vom Zahlungsverkehrssystem abgekoppelt werde.

Mehr zum Thema - Moskau: Russland bereit zur Abkopplung vom SWIFT-Zahlungssystem

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