Russland

Ex-Berater von Putin: Russland und China werden gegen den "schwächelnden" Westen gewinnen

Sergei Karaganow, Professor und ehemaliger Berater Wladimir Putins, sprach über die geopolitische Situation Russlands im "neuen Kalten Krieg", in dem sich die Welt befindet. China konnte als Partner gewonnen werden, die Rolle Deutschlands müsse sich noch erweisen.
Ex-Berater von Putin: Russland und China werden gegen den "schwächelnden" Westen gewinnenQuelle: Sputnik © Vladimir Trefilov

Die Sowjetunion mag den ersten Kalten Krieg verloren haben, aber im Rückspiel mit den USA liege Russland vorne und habe dieses Mal alle Chancen sich durchzusetzen, sagte der bekannte Moskauer Experte Sergei Karaganow.

In einem Gespräch mit der russischen Zeitung Argumenty i Fakty (Argumente und Fakten) erklärte der Wissenschaftler, dass Moskau heute viel stärker sei als in der späten Sowjetzeit und der Westen in dieser Zeit schwächer geworden sei.

Karaganow ist seit Jahrzehnten einer der führenden Theoretiker für Außenpolitik in Russland und hat in der Vergangenheit auch Präsident Wladimir Putin beraten. Derzeit ist er Leiter der Fakultät für Weltwirtschaft und internationale Angelegenheiten an der Higher School of Economics (HSE), einer renommierten Universität in Moskau. Er ist auch für die gleichnamige "Karaganow-Doktrin" bekannt, die besagt, dass Moskau als Verteidiger der Menschenrechte ethnischer Russen im nahen Ausland auftreten sollte.

Weniger Lasten als in der Sowjetunion

"Es gibt zahlreiche Faktoren, die es uns erlauben, von guten Chancen auf Erfolg zu sprechen", erklärte der Professor.

Erstens habe es die Sowjetunion während des Kalten Krieges mit Feinden an mehr als einer Front zu tun gehabt. Jetzt, da Peking an der Seite Moskaus stehe, könne Russland China als strategische Ressource nutzen, sagte er weiter. Zweitens ist das Land viel wohlhabender als in den letzten Jahren der UdSSR. Und vor allem ist der Westen deutlich schwächer als in der Vergangenheit.

"Aber auch, um gegen einen schwächer werdenden, aber immer noch mächtigen Westen zu gewinnen, müssen wir die richtige Politik verfolgen, sowohl im Inland als auch im Ausland."

Er wies auch auf die "Lasten" der Sowjetunion hin, die für Russland nicht gelten, wie z. B. Moskaus Notwendigkeit, die halbe Welt zu ernähren, obwohl die Lebensmittel vor Ort knapp waren. Das Fehlen abhängiger Klientelstaaten sieht er als Vorteil in der gegenwärtigen Situation Russlands.

"Georgien erhielt in der UdSSR das meiste Geld pro Kopf der Bevölkerung, und die Ukraine erhielt in absoluten Zahlen das meiste Geld."

Es sei kein Zufall, dass mit dem Wegfall dieser Zuwendungen all diese Länder dramatisch ärmer geworden sind, erklärte Karaganow.

"Halbbündnis" mit China

In Bezug auf China bezeichnet Karaganow die Beziehung als "Halbbündnis", das durch die geostrategischen Versäumnisse des Westens zustande gekommen sei. Der Politikwissenschaftler warnte jedoch davor, "die Souveränität des Landes" an Peking zu verkaufen und damit die Fehler zu wiederholen, die Europa in der Vergangenheit mit seiner engen Freundschaft zu Washington gemacht hat.

Karaganow ist für seine positive Einstellung zu den Beziehungen zwischen Russland und China bekannt und hat sich für eine engere Beziehung zwischen Peking und Moskau eingesetzt.

"Da ich die russische Geschichte und die Psychologie unseres Volkes und unserer politischen Klasse kenne, denke ich, dass wir unsere Souveränität nicht an irgendjemanden verkaufen werden", fügte er hinzu.

"Ich hoffe auch auf die Weisheit der chinesischen politischen Klasse. Wenn ich Chinese wäre, würde ich nie etwas gegen Russland unternehmen."

Außerdem sei China nicht der einzige enge Partner Russlands, erklärte Karaganow. Moskau unterhalte heute freundschaftliche Beziehungen zu den meisten arabischen Ländern, zu Iran, Indien und sogar zu einigen Staaten der Europäischen Union wie Ungarn und Österreich.

Wendepunkt: Welche Rolle wird Deutschland spielen?

"Wir stehen an einem Wendepunkt. Wir werden herausfinden, wer Teil von 'Groß-Amerika' sein wird – wie die USA und Nordwesteuropa – und wer auf der Seite von 'Groß-Eurasien' stehen wird."

"Die große Frage ist, wo Deutschland landen wird", schloss er und bezog sich dabei auf die dominierende NATO-Macht, die das umstrittene Projekt Nord Stream 2 mit Russland in Angriff genommen hat, obwohl die NATO-Verbündeten und Washington entschieden Einwände erhoben haben.

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