Russland

Aufregung in Russland: Maskenverweigerin mit Gewalt aus Behörde gezerrt

In Russland kursiert ein Video, in dem eine Maskenverweigerin aus einem Bürgerservicezentrum von Polizisten sehr grob abgeführt wird. Nach Polizeiangaben soll sie sich den Beamten gewaltsam widersetzt haben. Die Frau ist für ihr Verhalten bereits bekannt.

In Russland sorgt eine Nachricht schon seit dem 25. Juni für Aufregung. Eine Frau wurde von der Polizei aus einem Moskauer Multifunktionszentrum (MFZ), dem russischen Pendant zu den aus Deutschland bekannten Bürgerservicezentren, äußerst brachial abgeführt. Die Mitarbeiter des MFZ auf der Kuusinenstraße im Norden der Stadt sollen die auf ihren Aufruf wartende Frau mehrfach zum Tragen der Atemschutzmaske aufgefordert haben. Wie auch in anderen Ländern der Welt gilt in Russland in öffentlich zugänglichen Einrichtungen eine pandemiebedingte Maskenpflicht.

Diese Forderungen lehnte die Frau mit Verweis auf möglichen Brechreiz, der sie gelegentlich wegen Herzbeschwerden plage (sie sprach von Tachykardie), und Unwohlsein zunächst ab und legte sich den Atemschutz erst am Schalter an, als sie mit ihrem Anliegen an der Reihe war. Diesen Sachverhalt bestätigten sowohl die abgeführte Valentina Muschenskaja selbst bei einem Telefonat von der Polizeiwache aus als auch einer ihrer Söhne im Nachgang des Vorfalls.

Doch zu jenem Zeitpunkt hatten die Mitarbeiter der Behörde bereits die Polizei verständigt, da Muschenskaja auf ihre Aufforderung zum Aufsetzen der Maske ausfallend reagiert habe. Die Polizei wirft der Frau Widerstand gegen Einsatzkräfte vor.

Ein Video von diesem Vorfall kursiert im russischsprachigen Internet, das allerdings erst mitten in der gewaltsamen Festnahme Muschenskajas einsetzt. Hierin ist deutlich zu sehen, dass die Frau den Beamten Widerstand leistet; diese wenden ihrerseits Zwangsgriffe an. Zu hören sind die Schreie der 52-Jährigen und ihr Hinweis, ihre Tochter warte im Auto auf sie. In Moskau herrschte am 25. Juni eine Lufttemperatur über der Marke von 30 Grad Celsius. Die filmende Zeugin fordert einen Polizisten auf, Muschenskaja unverzüglich loszulassen, weist auf deren augenscheinlichen Bewusstseinsverlust hin und beschimpft den Beamten als Faschist.

Einer der Beamten greift Muschenskaja unter die Arme und schleift sie aus dem Gebäude. Dort prüft er die Pupillenreaktion der Frau und erklärt, keinen Bewusstseinsverlust feststellen zu können, dann schleift er die 52-Jährige weiter zum Polizeiwagen. Sein Kollege trägt Muschenskajas Sachen hinterher.

Das russische Ministerium für Inneres veröffentlichte einen Bericht über den Vorfall. Hieraus geht hervor, noch vor dem Eintreffen der beiden Polizisten habe Muschenskaja nicht nur die Aufforderungen der Mitarbeiter des Servicezentrums zum Aufsetzen der Maske missachtet, sondern sich "allgemein inadäquat verhalten". Auf die Forderung der Beamten, das rechtswidrige Verhalten einzustellen, soll die 52-Jährige ausfallend reagiert haben. Sie habe geschrien, einem der Polizisten mehrfach ans Bein getreten und einen anderen gebissen.

Gegenüber Journalisten der Komsomolskaja Prawda bestritt die Frau die Vorwürfe jedoch. Sie habe das Bewusstsein erst wiedererlangt, als sie über den Asphalt gezogen worden sei. Medizinische Hilfe sei ihr nicht angeboten worden. Ihre Tritte gegen einen der Beamten erklärte sie mit Affekt aus Überraschung. Gebissen habe sie niemanden.

Mehrere Ausschnitte aus einer Videoaufnahme von der Brustkamera eines der Beamten gelangten ebenfalls online. Einen der Clips veröffentlichte die russische Zeitung Iswestija. In diesem ist der Beginn der Diskussion zwischen Muschenskaja und einem der angerückten Polizisten über den Sinn und Unsinn der Maskenpflicht gegen COVID-19 festgehalten. Danach bricht das Video ab.

In einer Erklärung der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Innenministeriums wurde der Bewusstseinsverlust der Frau offiziell bestritten. Weder unterwegs zur Polizeiwache, noch im Laufe der Interaktion mit dem Beamten, habe sich Muschenskaja über Unwohlsein beschwert. Auch Angebote, einen Krankenwagen zu rufen, habe sie abgelehnt. Muschenskajas 15-jährige Tochter, die zur Zeit des Vorfalls auf dem Parkplatz des MFZ in einem Pkw wartete, habe man abgeholt, sodass sie ihre Mutter auf die Polizeiwache begleiten konnte.

Ferner liegt ein Kommentar des MFZ über den Vorfall vor. Hierin heißt es, Muschenskaja habe bereits in Vergangenheit wiederholt gegen die Aufenthaltsregeln im Servicezentrum und gegen die öffentliche Ordnung verstoßen. Die dortigen Mitarbeiter seien mehrfach gezwungen gewesen, die Polizei zu verständigen.

Der Vorfall rief in den russischsprachigen sozialen Netzwerken und in den Kommentarbereichen zahlreicher Onlinemedien heftige Reaktionen hervor. Unterstützer Muschenskajas werfen den beiden Polizisten blanken Faschismus vor. Andere Nutzer befürworten die Handlungen der Behördenvertreter und sehen in Muschenskajas Maskenverweigerung die Inkaufnahme einer möglichen Körperverletzung durch eine COVID-19-Infektion. Beide Parteien liefern sich feurige Wortgefechte.

Besonders skurril an dem Vorfall ist die Tatsache, dass die vierfache Mutter allem Anschein nach Mitglied der sogenannten "Gewerkschaft Union der SSR" ist. Hierbei handelt es sich um eine Bewegung, die das rechtliche Fortbestehen der Sowjetunion proklamiert. Auf dieser Grundlage leitet man zum Beispiel das Recht ab, Wohnkosten nicht zu bezahlen, da diese von privat betriebenen Verwaltungsgesellschaften letztendlich im Namen von Subjekten einer vermeintlich nicht existenten Russischen Föderation eingefordert würden. Im Ergebnis häufen die Mitglieder dieser sogenannten Gewerkschaft Schuldenberge in Höhe von Tausenden Euro an. Diese Haltung stellt eine gewisse Gemeinsamkeit zu den sogenannten Reichsbürgern in Deutschland dar.

Eine derartige Exzentrizität würde das aufgeregte Verhalten Muschenskajas bei ihrer Festnahme teilweise erklären und den Versionen über den Hergang des Vorfalls mehr Glaubwürdigkeit verleihen, die die Mitarbeiter des Servicezentrums, die Polizei und das Innenministerium vorgelegt haben.

In einem Videobeitrag zu dem Vorfall behauptet ein angeblicher Sprecher der selbsternannten Gewerkschaft, Muschenskaja sei ein Mitglied dieser Organisation. Das oben angeführte Telefongespräch, welches die vierfache Mutter von der Polizeiwache aus führte, ist Bestandteil des Beitrags. Muschenskajas Gesprächspartnerin in dem Telefonat ist eine Frau, die sich in einer weiteren in den Beitrag eingebetteten Gesprächsaufnahme implizit als Funktionärin der 'Gewerkschaft Union der SSR' vorstellt und erklärt, gegen die beiden Polizeibeamten Anzeige wegen deren Vorgehen bei der Festnahme Muschenskajas erstatten zu wollen. Sie stellt sich als Albina Tortbekowna Dordschijewa vor; der Name wird ferner in der Beschreibung des Beitrags auf YouTube erwähnt. Auch Dordschijewa behauptet, Valentina Muschenskaja sei ein Mitglied der nicht registrierten sogenannten Gewerkschaft.

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