Russland

Staus und Warteschlangen in Moskau nach Einführung von Ausgangsscheinen

Seit dem 15. April gilt in Moskau eine Ausweisordnung, die die Ausbreitung des Coronavirus bremsen soll. Wer öffentliche und private Verkehrsmittel nutzt, soll einen Code beantragen und ihn auf Bitte der Behörden vorweisen. Die Regelung ist nicht problemlos angelaufen.
Staus und Warteschlangen in Moskau nach Einführung von AusgangsscheinenQuelle: Sputnik © Michail Woskressenski

Seit diesem Mittwoch und voraussichtlich bis zum 30. April müssen alle Bewohner und Besucher der russischen Hauptstadt Moskau einen digitalen Ausweis bei sich haben, wenn sie private oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Die speziellen Codes können bereits seit dem 13. April auf der Webseite der Stadtverwaltung, per SMS oder per Telefon beantragt werden. Im entsprechenden Formular muss man seine Passangaben und seine Reiseroute angeben.

Für regelmäßige Fahrten zur Arbeit und zurück wird ein dauerhafter Ausgangsschein ausgestellt. Beamte, Militärangehörige, Richter, Anwälte, Notare und Journalisten sind von dieser Regel ausgenommen: Im Fall einer Kontrolle können sie weiterhin ihre herkömmlichen Identitätsnachweise vorzeigen.

Für Arztbesuche muss man jedes Mal einen neuen Code beantragen. Pro Woche darf man außerdem zwei digitale Genehmigungen für jeweils eine private Reise anfordern – zum Beispiel um in sein Wochenendhaus bei Moskau zu fahren.

Um ein Geschäft, eine Apotheke oder eine Poliklinik in seinem Bezirk zu besuchen, Müll wegzubringen und mit seinem Hund im Umkreis von 100 Metern Gassi zu gehen, braucht man weiterhin keine digitale Genehmigung. Auch Kinder unter 14 Jahren brauchen keinen Code.

Da aller Anfang schwer ist, ist auch die neue Regelung nicht ganz ohne Probleme angelaufen. Als das Ausstellen der Codes am Montag begann, war die Website der Stadtverwaltung von Moskau zeitweise überfordert. Alleine am ersten Tag wurden 3,2 Millionen digitale Ausweise ausgestellt. Aber es waren nicht nur viele Antragsteller, die die Website teilweise lahmlegten: Die Behörden vermeldeten außerdem zahlreiche Cyberattacken auf die Ressource.

Ein anderes Problem waren falsche Angaben in den ausgestellten Codes. Eine vorläufige Überprüfung ergab, dass rund 900.000 Ausgangsscheine nicht glaubwürdige Informationen enthielten. Solche digitalen Genehmigungen wurden anschließend für nichtig erklärt.

Nachdem am Mittwoch die Ausweiskontrollen durch die Polizei begonnen hatten, bildeten sich auf den Zufahrtsstraßen in der russischen Hauptstadt Verkehrsstaus. Nach Angaben von TASS-Korrespondenten erstreckten sich manche Fahrzeugschlangen auf bis zu fünf Kilometer. Vonseiten der Verkehrspolizei hieß es, dass jede Kontrolle mindestens 30 Sekunden Zeit in Anspruch nehme.

Aus demselben Grund gab es auch vor U-Bahn-Stationen große Menschentrauben. Fahrgäste mussten den Polizeibeamten am Eingang ihren Pass und ihren Code vorweisen. Dabei wurde die obligatorische soziale Distanz von anderthalb Metern missachtet. Einige Passagiere mussten nach eigenen Angaben mehr als eine halbe Stunde Schlange stehen, bis sie endlich zu ihren Zügen gelangten.

Der Bürgermeister von Moskau Sergei Sobjanin erkannte das Problem an. Er sagte, dass lange Schlangen vor Metro-Stationen angesichts der Ausbreitung des Coronavirus kritisch seien, und forderte den Chef der Moskauer Polizei auf, die Kontrollen anders zu organisieren, damit diese zu keinen Menschenansammlungen führten.

Das Stadtoberhaupt schlug vor, die Kontrollen in der U-Bahn vollautomatisch durchzuführen. Ihrerseits bat die Moskauer Polizei die Passagiere um Verständnis und empfahl ihnen, ihre Fahrten im Voraus zu planen und längere Wartezeiten zu berücksichtigen.

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