Nordamerika

Hackerangriff legt Rohrleitungsnetz großer Benzin-Pipeline in USA lahm

Nach einem groß angelegten Hackerangriff wurde das gesamte Rohrleitungsnetz der Betreiberfirma Colonial Pipeline in USA vorübergehend stillgelegt. Das Unternehmen betreibt eine der größten Benzin-Pipelines der USA. Die US-Regierung rief am Sonntag den regionalen Notstand aus.
Hackerangriff legt Rohrleitungsnetz großer Benzin-Pipeline in USA lahmQuelle: Reuters

Eine der wichtigsten Pipelines der USA ist seit Freitag nach einem Hackerangriff lahmgelegt. Der Betreiber Colonial Pipeline schaltete zur Eindämmung des Schadens bestimmte Systeme ab, darunter das Transportnetzwerk zwischen Houston und New York. Damit fällt eine der wichtigsten Leitung für den Transport von Benzin und Diesel vorerst aus.

"Im Moment liegt unser Hauptaugenmerk auf der sicheren und effizienten Wiederherstellung unseres Dienstes", erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung. Ein IT-Sicherheitsdienstleister sei nun mit der Untersuchung des Falls beauftragt worden, außerdem habe man die zuständigen Strafverfolgungsbehörden kontaktiert.

Die Täter wollen Colonial Pipeline offenbar erpressen, berichtet das Handelsblatt. Das Unternehmen erklärte, dass Ransomware zum Einsatz gekommen wäre. Dabei handelt es sich um Software, die wichtige Dateien verschlüsselt. Für die Freigabe sollen Hacker ein Lösegeld verlangt haben. Nach Berichten von US-Medien stecken Cyberkriminelle einer seit August 2020 bekannten professionellen Gruppe namens "DarkSide" hinter dem Angriff.

Nach dem Hackerangriff auf diese Pipeline der USA rief unter anderem die Regierung in Washington, D.C. am Sonntag den regionalen Notstand aus. Dieser Schritt folge der dringenden Notwendigkeit, "den sofortigen Transport von Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Erdölprodukten" sicherzustellen, erklärte das US-Transportministerium.

Durch die regionale Notstandserklärung kann nun Treibstoff auf dem Straßenweg in die betroffenen Bundesstaaten transportiert werden, darunter Florida, Texas, New York, Washington, D.C. und Pennsylvania, meldet die FAZ. Denn auch drei Tage nach dem Cyberangriff konnte Colonial Pipeline bisher nur einige kleinere Versorgungsleitungen wieder öffnen, das Hauptsystem blieb weiter außer Betrieb.

Das Weiße Haus erklärte, Präsident Joe Biden wäre bereits am Samstagmorgen über den Vorfall informiert worden und die US-Regierung arbeite mit dem Unternehmen zusammen, um die Auswirkungen des Angriffs zu bewerten, den Betrieb wiederherzustellen und Unterbrechungen der Versorgung zu vermeiden. Die Regierung plant verschiedene Szenarien und arbeitet mit staatlichen und lokalen Behörden an Maßnahmen zur Minderung möglicher Versorgungsprobleme. 

Ölexperte Andy Lipow sagte diesbezüglich, die Auswirkungen des Angriffs auf die Treibstoffversorgung und die Preise hingen davon ab, wie lange die Pipeline ausfällt. Ein Ausfall von ein oder zwei Tagen wäre minimal, aber ein Ausfall von fünf oder sechs Tagen könnte zu Engpässen und Preiserhöhungen führen, so meldet AP.

Mike Chapple, Professor für Informatik am Mendoza College of Business der Universität Notre Dame und ehemals bei der National Security Agency angestellt, kommentierte, dass solche Systeme für die Steuerung etwa von Pipelines nicht mit dem Internet verbunden sollten, da sie sonst für Cyber-Angriffe anfällig  seien.

"Die Angriffe waren extrem hochentwickelt, und sie waren in der Lage, einige ziemlich ausgeklügelte Sicherheitskontrollen zu infiltrieren – oder es gab nicht das richtige Maß an Sicherheitskontrollen."

Vor etwa vier Monaten gab es einen groß angelegten Cyberangriff auf mehrere Bundesbehörden in den USA. Die Hacker hatten sich seinerzeit über eine Software der Firma SolarWinds Zugang zu den Systemen von Regierungseinrichtungen und Unternehmen verschafft. 

Colonial Pipeline mit Sitz im Bundesstaat Georgia ist der größte Pipeline-Betreiber in den USA. Die Pipeline von Colonial ist – gemessen am transportierten Volumen – die wichtigste US-Pipeline. Jeden Tag fließen mehr als 2,5 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) an Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Erdölprodukten durch diese Rohrleitungen. Die Pipeline führt über mehr als 8.800 Kilometer von Houston im Bundesstaat Texas bis nach New York an der Ostküste der USA und versorgt so etwa 50 Millionen Verbraucher.

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