Nordamerika

COVID-19: US-Abgeordneter fordert "Rückkehr der Freiheit" – und soll "den Mund halten"

Am Donnerstag kam es im US-Kongress zu einem heftigen Wortwechsel zwischen dem republikanischen US-Abgeordneten Jim Jordan und Dr. Anthony Fauci wegen der COVID-19-Einschränkungen. Als sich die Abgeordnete Maxine Waters einmischte, wurde es noch unangenehmer.
COVID-19: US-Abgeordneter fordert "Rückkehr der Freiheit" – und soll "den Mund halten"Quelle: www.globallookpress.com © Susan Walsh - Pool via CNP/Consolidated News Photos

Bei einer Anhörung im US-Kongress am Donnerstag brach ein Schreiduell zwischen dem republikanischen Abgeordneten Jim Jordan (Ohio) und Dr. Anthony Fauci über die COVID-19-Beschränkungen aus. Jordan bohrte bei Fauci nach, wann die US-Amerikaner mit einer Rückkehr zur Normalität rechnen können, und sprach dabei die bürgerlichen Freiheiten an.

"Wann bekommen die Amerikaner ihre Freiheit zurück? Wir hatten 15 Tage, um die Ausbreitung zu verlangsamen, daraus wurde ein Jahr verlorener Freiheiten", forderte Jordan.

"Wenn wir das Niveau der Infektion in diesem Land niedrig genug bekommen, dass es keine wirklich hohe Bedrohung darstellt", antwortete Fauci.

Die Diskussion spitzte sich zu, als Jordan Fauci immer stärker drängte, konkrete Zahlen zu nennen, die als Indikatoren dafür dienen könnten, dass eine Rückkehr zur Normalität möglich ist. Je länger Fauci es vermied, konkrete Zahlen für die Wiederherstellung aller bürgerlichen Freiheiten zu liefern, desto frustrierter wurde Jordan. 

"Was ist niedrig genug? Geben Sie mir eine Zahl [...], welche Metriken, welche Maßnahmen, was muss passieren, bevor die Amerikaner ihre Freiheiten zurückbekommen?", fragte Jordan.

Fauci antwortete, seine Aufgabe bestehe darin sicherzustellen, dass so viele US-Amerikaner wie möglich so schnell wie möglich geimpft werden, "um das Niveau der Infektion in diesem Land niedrig genug zu bekommen, dass es nicht mehr eine Bedrohung ist".

Unzufrieden mit dieser Antwort, drängte Jordan ihn weiterhin, bis Fauci ein Problem damit zum Ausdruck brachte, dass der Kongressabgeordnete die Frage der bürgerlichen Freiheiten in den Vordergrund rückte.

"Sie weisen immer wieder auf Freiheit hin. Ich sehe es als eine Maßnahme der öffentlichen Gesundheit, um zu verhindern, dass Menschen sterben und ins Krankenhaus müssen", sagte Fauci und fügte hinzu, dass das Leben zur Normalität zurückkehren wird, wenn die Menschen geimpft werden.

"Sie glauben nicht, dass die Freiheitsrechte der Amerikaner im letzten Jahr bedroht wurden, Dr. Fauci?", fragte Jordan.

Später brachte der Kongressabgeordnete die verschiedenen Arten von COVID-19-Restriktionen zur Sprache, die während der Pandemie verhängt wurden – wie z. B. die Beschränkungen für Gotteshäuser, Gäste in der eigenen Wohnung und Ausgangssperren –, und argumentierte, dass diese die verfassungsmäßigen Rechte der Menschen verletzten. Der Kongressabgeordnete bat Fauci um eine empirische Antwort:

"Werden wir auch in zwei Jahren hier sein und Masken tragen?"

Fauci murmelte eine schockierend despektierliche Antwort:

"Sie schimpfen schon wieder."

Und in diesem Moment verlor Jordan das bisschen Fassung, das ihm noch geblieben war:

"Es läuft folgendermaßen, Dr. Fauci: Ich darf Ihnen die Fragen stellen."

Jordan behauptete dann, dass Leute zensiert wurden, weil sie es wagten, Fauci zu widersprechen, und zitierte ein Video, in dem Ärzte Faucis Positionen widersprachen. Dies führte dazu, dass Fauci behauptete, der Kongressabgeordnete mache die Dinge persönlich.

"Es ist keine persönliche Sache", behauptete Jordan, woraufhin Fauci zurückschrie: "Das machen Sie! Das ist genau das, was Sie tun."

Nachdem Jordans Redezeit abgelaufen war, sagte der demokratische Ausschussvorsitzende Jim Clyburn (South Carolina), dass er zufrieden wäre, wenn 90 Prozent des Kongresses geimpft sind. Dies veranlasste Jordan, Fauci erneut nach einem konkreten Standard zu fragen.

"Wann? Was sind die Zahlen?", fragte Jordan.

"Im Moment sind wir auf einem inakzeptabel hohen Niveau. Was Sie sehen werden, wenn mehr und mehr Menschen geimpft werden und wir über drei Millionen Menschen pro Tag erreichen, werden Sie sehen, wie das Niveau der Infektion immer weiter sinkt, und allmählich wird es mehr Spielraum für die Dinge geben, über die Sie sprechen", sagte Fauci.

Jordan drängte ihn weiter, eine konkrete Zahl zu nennen. Doch als Fauci zu einer Antwort ansetzte, ergriff das nächste Ausschussmitglied das Wort und bedankte sich bei Clyburn.

"Ich hätte gerne eine Antwort auf meine Frage!", rief Jordan, woraufhin die demokratische Abgeordnete Maxine Waters (Kalifornien) schrie:

"Sie müssen den Vorsitz respektieren und den Mund halten!"

"Machen Sie sich keine Sorgen, wir werden das schon regeln", antwortete Clyburn. "Ich denke, Herr Jordan kennt mich sehr gut, und er weiß ganz genau, dass wir das in den Griff bekommen werden."

Der Abgeordnete Jordan bedankte sich bei Clyburn, und die Anhörung wurde fortgesetzt, wobei sich Jordan und Fauci in weiteren Befragungsrunden noch einige Male stritten.

Mehr zum ThemaWas ist da los? US-Bundesstaat Texas trotzt dramatischen Corona-Prophezeiungen