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Belästigungs-Skandal: Zwei Ex-Mitarbeiterinnen erheben Vorwürfe gegen New Yorks Gouverneur

Neben einem Eklat wegen hoher Todeszahlen in Pflegeheimen des US-Bundesstaates New York geriet Gouverneur Andrew Cuomo nun zusätzlich auch wegen der Belästigungsvorwürfe zweier Ex-Mitarbeiterinnen unter Druck. Er wies diese zurück und initiierte eine Untersuchung.
Belästigungs-Skandal: Zwei Ex-Mitarbeiterinnen erheben Vorwürfe gegen New Yorks GouverneurQuelle: Reuters © Seth Wenig

Wenige Tage nach dem Bekanntwerden schwerer Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung gegen Cuomo meldete sich auch eine zweite ehemalige Mitarbeiterin seiner Administration zu Wort. Die 25-jährige Charlotte Bennett schilderte gegenüber der New York Times, dass der 63-Jährige sie im vergangenen Frühling und Sommer ausdrücklich über ihr Sexleben sowie darüber befragt haben soll, ob sie jemals Geschlechtsverkehr mit älteren Männern gehabt habe. Cuomo habe eingeräumt, offen für "Liebesbeziehungen mit Zwanzigjährigen" zu sein. Außerdem soll er sich gegenüber Bennett darüber beschwert haben, in der Pandemie-Zeit einsam zu sein und "nicht einmal jemanden zum Umarmen" zu haben. Bennett behauptete zwar, nie von Cuomo berührt worden zu sein, nahm seine Äußerungen jedoch unmissverständlich als Belästigung wahr und sagte:

"Ich verstand, dass der Gouverneur mit mir schlafen wollte, und fühlte mich furchtbar unwohl und hatte Angst."

Die Frau gab ferner an, die Vorfälle dem Personalchef der Administration des Gouverneurs offenbart zu haben, sodass sie in eine andere Abteilung verlegt wurde. Da sie mit ihrem neuen Job zufrieden gewesen sei, habe Bennett sich dazu entschlossen, nicht auf einer Untersuchung gegen Cuomo zu beharren. Im November vergangenen Jahres habe sie ihren Posten in Cuomos Administration aber schließlich doch aufgegeben.

In seiner Erklärung gegenüber dem Blatt teilte Cuomo mit, geglaubt zu haben, gegenüber Bennett die Rolle eines Mentors eingenommen zu haben. Er habe ihr nie "unsittliche Avancen" gemacht und auch nie beabsichtigt, sich ihr gegenüber unangemessen zu verhalten, sagte der US-Demokrat. Cuomo bezeichnete Bennett als eine "fleißige und geschätzte Mitarbeiterin". Ihm zufolge soll sie ihm außerdem einen zuvor erlebten sexuellen Übergriff anvertraut haben, wobei Cuomo versucht habe, "unterstützend und hilfreich zu sein".

Cuomo ordnete eine unabhängige Untersuchung der Angelegenheit an. Er verzichtete auf weitere Kommentare und rief die Öffentlichkeit dazu auf, die Ergebnisse der Untersuchung abzuwarten.

Zu der Enthüllung sei Bennett von einer anderen früheren Mitarbeiterin des Gouverneurs ermutigt worden, die Cuomo kurz zuvor ebenfalls sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte. Die ehemalige Wirtschaftsberaterin Lindsey Boylan schrieb auf der Online-Plattform Medium, dass Cuomo sie in den Jahren zwischen 2016 und 2018 unter anderem zum Strip-Poker eingeladen und sie in seinem Büro in Manhattan ungefragt auf die Lippen geküsst habe. Die Geschichte verbreitete Boylan via Twitter, sodass Bennett diese aufgriff und sie mit der Unterschrift in ihrem Twitter-Account teilte:

"Für diejenigen, die sich fragen, wie es ist, für die Cuomo-Administration zu arbeiten."

Zuletzt war Cuomo bereits wegen hoher Todeszahlen in den New Yorker Pflegeheimen in Erklärungsnot geraten. Hintergrund ist, dass die Zahl der Todesfälle in den Heimen zuletzt stark nach oben korrigiert wurde – von 8.500 auf mehr als 15.000. Mehrere Medien berichteten, dass Abgeordnete des Bundesstaates eine Verschleierung der Ausmaße durch Cuomo vermuten. Als Konsequenz planten sie, seine Machtbefugnisse zum direkten Erlassen von Notfallmaßnahmen einzuschränken. Ebenfalls wurde bekannt, dass die Bundespolizei FBI und Ermittler im Bundesstaat New York das Vorgehen der Regierung bezüglich Pflegeheimen untersuchten.

Mitten in dem Pflegeheim-Skandal sind die Zustimmungswerte für Cuomo einer Umfrage zufolge bereits deutlich gesunken. Das Institut Marist teilte vor wenigen Tagen mit, 49 Prozent der New Yorker bescheinigten dem Gouverneur gute Arbeit – im vergangenen Juli seien es noch 66 Prozent gewesen.

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