Nordamerika

Tote nach Unwettern und Stromausfällen in den USA – Krise als Anlass für politischen Streit

Nach heftigem Winterwetter in den USA müssen Millionen Menschen weiter bei eisigen Temperaturen ohne Strom ausharren. Am stärksten betroffen ist Texas. Während die Krise zum Politikum wird, sind bereits mehrere Menschen gestorben – einige bei gefährlichen Versuchen, sich aufzuwärmen.
Tote nach Unwettern und Stromausfällen in den USA – Krise als Anlass für politischen StreitQuelle: Reuters © Greg Jaklewicz/Reporter-News/USA Today Network via REUTERS

Nach einem heftigen Wintersturm in Teilen der USA müssen Millionen Menschen weiter bei eisigen Temperaturen ohne Strom ausharren. In der zweiten Nacht in Folge war Texas mit rund drei Millionen Haushalten der am stärksten betroffene Bundesstaat, wie aus Daten der Webseite poweroutage.us am Mittwochmorgen (MEZ) hervorging. Über 4 Millionen Menschen in Texas waren am späten Dienstag ohne Strom, darunter 1,4 Millionen Menschen im Großraum Houston. In Dallas war ein Viertel der Häuser dunkel.

Das ungewöhnlich kalte Winterwetter hatte im Süden und Osten des Landes zu Überlastungen des Stromnetzes geführt. Wie die Washington Post berichtete, seien seit Sonntag mindestens 14 Menschen im Zusammenhang mit dem Unwetter ums Leben gekommen. Laut Reuters wurden durch den historischen Wintersturm bisher 21 Menschen getötet. In sieben Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Aufgrund des Wetters blieben die COVID-19-Impfzentren geschlossen und die Impfstofflieferungen wurden behindert. Es wird erwartet, dass die Kälte bis zum Wochenende nicht nachlässt und die Stromausfälle darüber hinaus andauern.

Der texanische Gouverneur Greg Abbott und andere Spitzenbeamte des zweitgrößten Bundesstaates verlangen Antworten von den Betreibern und der Führung des Electric Reliability Council of Texas (ERCOT). "Wir wussten eine Woche im Voraus, dass dieser Sturm kommen würde", sagte Abbott in einem Interview mit dem Fernsehsender KLBK. "ERCOT hätte einen Backup-Plan haben müssen." Im Gespräch mit Fox News-Moderator Sean Hannity am Dienstag stellte Abbott es als ein Problem im Zusammenhang mit parteipolitischen Präferenzen dar und machte von den Demokraten vorgeschlagene Energiereformen verantwortlich. Er sagte, der "Green New Deal" sei ein tödliches Geschäft für die Vereinigten Staaten. Abbott wurde dafür kritisiert, die Verantwortung für die Krise abzuwälzen.

Die Argumentation von Abbott widerspricht zudem einer früheren Aussage von Dan Woodfin, einem leitenden Direktor des Electric Reliability Council of Texas, der das Stromnetz des Staates betreibt. Laut Woodfin können die Stromausfälle auf Probleme mit "jeder Art von Erzeugungskapazität" zurückgeführt werden, vor allem aber auf Erdgas, das unter einer eingefrorenen Infrastruktur sowie Problemen mit dem Druck gelitten hat. Eine Analyse von Politifact kam zu dem Schluss, dass zwar Windparks durch das extreme Wetter lahmgelegt wurden, aber mehr als 80 Prozent des texanischen Stromausfalls durch fehlerhaft arbeitende Kohle- und Gaskraftwerke verursacht wurden. Auch die Zeitung Texas Tribune machte auf die Politisierung der Krise aufmerksam. Unter Berufung auf den Electric Reliability Council hieß es, dass 16 Gigawatt der ausgefallenen Energie von erneuerbaren Quellen stammten, knapp die doppelte Menge, 30 Gigawatt, hingegen aus anderen Quellen wie Gas, Kohle und Atomstrom. Laut Professor Michael Webber von der University of Texas sind alle Quellen betroffen, vorrangig habe in dieser Situation in den USA die Gasindustrie versagt. Der Sturm hat insgesamt etwa ein Drittel der Stromerzeugungskapazität des Bundesstaates lahmgelegt. Das texanische Stromnetz ist stark auf Erdgas angewiesen, das fast die Hälfte des erzeugten Stroms liefert.

Während die Debatte um die dezentralisierte Energieversorgung vor dem Hintergrund parteipolitischer Schuldzuweisungen weitergeht, greifen Bewohner vielerorts zu ungewöhnlichen Methoden – teils mit gefährlichen Auswirkungen –, um sich trotz der Stromausfälle bei der Eiseskälte warm zu halten. So starben in der texanischen Stadt Houston eine Frau und ein Mädchen an einer Kohlenmonoxidvergiftung: Nach Angaben der Polizei hatten sie den Motor eines Autos in einer am Haus angeschlossenen Garage laufen lassen, um Wärme zu erzeugen.

Allein im bevölkerungsreichsten Bezirk von Texas, Harris County, seien seit Montag mehr als 300 Fälle von Kohlenmonoxidvergiftungen gemeldet worden, berichtete der Houston Chronicle. Die Gesundheitsbehörde des südlichen Bundesstaates warnte davor, elektrische Generatoren, Grillgeräte, Campingkocher und andere für den Außenbetrieb vorgesehene Geräte zu diesem Zweck im Haus zu benutzen.

Kunden sollten sich darauf einstellen, dass die Versorgung möglicherweise über Dienstagabend hinaus unterbrochen sein könnte, teilte das Elektrizitätswerk in der Stadt Austin auf Twitter mit. Kontrollierte Unterbrechungen der Stromversorgung seien derzeit die "Ultima Ratio", um die Zuverlässigkeit des gesamten Stromnetzes zu erhalten, erklärte der Stromnetzbetreiber Southwest Power Pool, der für 14 Bundesstaaten zuständig ist. Nach Räumungsarbeiten öffnete der Flughafen in Houston nach eigenen Angaben am Dienstagabend seine Hauptlandebahn. Allein in Houston und Dallas fielen am selben Tag Hunderte Flüge aus. In Austin sollte der Flugbetrieb ab Mittwoch wieder aufgenommen werden.

Derweil ist der Bürgermeister von Colorado City, Tim Boyd, am Dienstag von seinem Amt zurückgetreten, nachdem er wegen zwei Facebook-Posts stark in die Kritik geraten war. Darin hatte er Menschen, die Hilfe brauchen und ohne Strom dastehen, mitgeteilt, dass sie auf sich allein gestellt und faul seien, falls sie Hilfe erwarteten.

Aus Wettersicht gab es zunächst keine Entwarnung: Ein weiterer Wintersturm soll nach Behördenangaben bis Donnerstag erneut schwere Schneefälle und Eis in die Region bringen. Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Joe Biden habe mit den Gouverneuren der betroffenen Staaten wie Texas, Louisiana und Kentucky über das "extreme Winterwetter" gesprochen. Die Regierung werde alle verfügbaren Ressourcen einsetzen, um den Menschen zu helfen, "diesen historischen Sturm" zu überstehen.

Auch in Mexiko waren in den Bundesstaaten Nuevo León, Chihuahua, Coahuila, Tamaulipas, Durango und Zacatecas in der Nacht zum Dienstag mehrere Hunderttausend Haushalte zeitweise ohne Strom, wie der staatliche Stromanbieter CFE erklärt hatte.

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