Nordamerika

Vertrauen der US-Bürger in Mainstream-Medien niedriger denn je – Medien suchen Schuld beim Publikum

Weniger als die Hälfte der befragten US-Amerikaner vertrauen den Mainstream-Medien, so das jährliche "Vertrauensbarometer" der PR-Firma Edelman. Doch anstatt zu versuchen, das Vertrauen zu retten, beschuldigen Medien ihr Publikum schlechter "Informationshygiene".
Vertrauen der US-Bürger in Mainstream-Medien niedriger denn je – Medien suchen Schuld beim PublikumQuelle: www.globallookpress.com © Richard B. Levine / www.imago-images.de

Das Vertrauen der US-Amerikaner in die Mainstream-Medien, das schon seit Langem rasant auf den völligen Zusammenbruch zusteuert, erreichte zum Jahresbeginn 2021 einen historischen Tiefstand – es ist um drei Prozentpunkte auf nur noch 46 Prozent gefallen, so die jüngste jährliche Umfrage der PR-Agentur Edelman. Damit ist das Vertrauen der US-Bürger in den Journalismus erstmals unter die 50-Prozent-Marke gesunken.

Gleiches gilt auch für das Vertrauen in "soziale" Medien: Das liegt laut dem jährlichen "Vertrauensbarometer" von Edelman sogar bei miserablen 27 Prozent. Auch weltweit war das Vertrauen in die sozialen Medien nicht viel besser: Nur 35 Prozent der befragten Nutzer sahen solche Plattformen als eine vertrauenswürdige Quelle für "allgemeine Nachrichten und Informationen" an.

56 Prozent der US-Amerikaner stimmten der Frage zu, ob Medien "absichtlich versuchen, die Menschen in die Irre zu führen – indem sie Sachen behaupten, von denen sie wissen, dass sie falsch oder grob übertrieben sind", während sogar 58 Prozent der Befragten zustimmten, dass die meisten Medien "mehr damit beschäftigt sind, eine Ideologie oder politische Position zu unterstützen, als die Öffentlichkeit zu informieren".

Es überrascht vielleicht nicht, dass die Aufschlüsselung der US-Zahlen nach politischen Parteien einen scharfen Kontrast zwischen den beiden Lagern der Biden- und der Trump-Wähler erkennen lässt. Dabei halten unter Letzteren nur 18 Prozent die Medien nach der US-Präsidentschaftswahl im November für vertrauenswürdig. Selbst unter den Anhängern der Demokratischen Partei hielten nur 57 Prozent die Medien für vertrauenswürdig.

Man spürte förmlich, wie Konservative in den sozialen Medien "mit den Augen rollten" über dieses ihrer Ansicht nach offene Geheimnis. Stellvertretend sei hier Donald Trump Jr. zitiert:

"Hä... Ach was, sagt bloß?!?"

Die meisten Medien des Establishments schrien sich nämlich in geradezu unerträglicher Weise ihre Euphorie über die Amtseinführung von Präsident Joe Biden aus dem Leibe, verglichen gar seine Antrittsrede mit jener historischen von JFK und formulierten poetische Ergüsse über die Frisur neuen Vizepräsidentin Kamala Harris.

"Medien haben fertig. Niemand wird sie vermissen."

Andere brachten dubiose Verbindungen zu "unabhängigen" Medien ins Gespräch – einschließlich derer von Edelman selbst. Daher kann wohl vermutet werden, die Vertrauenskrise dürfte weniger damit zu tun haben, dass die Medien an Sensibilität verloren haben, als vielmehr damit, dass die Masse der US-Amerikaner selbst ein feineres Gespür entwickelt hat – vor allem in Bezug auf Versuche, sie zu manipulieren.

"Seid ihr's?"

Die einzige Gruppe, der eine Mehrheit der US-Amerikaner im Jahr 2021 vertrauen wird, war von den zur Auswahl angebotenen Gruppen "Regierung", "Medien", "NGOs" und "Unternehmen" ironischerweise die Gruppe der Großkonzerne – obwohl es gerade die Konzerne sind, die überwiegend vom Hintergrund aus die Fäden ziehen, ob bei den Medien, in der Politik oder den anderen gesellschaftlichen Institutionen, die so viele US-Bürger als nicht vertrauenswürdig erachten.

Axios und andere opportunistische Journalisten, die den Edelman-Bericht 2021 gelesen haben, riefen dazu auf, dass die Chefmanager der Großkonzerne  "sich mit den Nachrichtenmedien publikumswirksam solidarisieren" sollten, um so das öffentliche Image der Medien wieder aufzupolieren. "Jetzt ist es an der Zeit, dass [die Konzernchefs] das Vertrauen, das sie aufgebaut haben, nutzen, um beim Wiederaufbau unserer bürgerlichen Infrastruktur zu helfen", schlussfolgerte man bei Axios. Hierbei wolle man spezifisch die Trump-Wähler ansprechen, deren Vertrauen in die Konzernchefs mit 61 Prozent ganze 40 Punkte höher liegt als ihr Vertrauen in die Medien. Angesichts des unverhohlenen Abscheus der Konservativen gegenüber den Mainstream-Medien könnte der Versuch jedoch sehr schnell nach hinten losgehen – und stattdessen könnten auch die Unternehmen selbst noch ein paar Stufen auf der Treppe des Vertrauens bei den MAGA-Mannen (benannt nach ihrem Trump-Slogan "Make America Great Again!") abstürzen.

Obwohl Axios zugab, dass das Misstrauen gegenüber den Medien ein globales Problem sei und nicht etwa nur "eine Folge von Donald Trumps Krieg gegen 'Fake News'", schien es, als würde die Redaktion trotzdem ihrem Publikum die Schuld dafür geben, dass es der sogenannten "vierten Gewalt" nunmehr sein Vertrauen verweigert. Dies drückte sich in einer ganzen Reihe von Artikeln aus, anhand derer für besorgte Journalisten – einschließlich derer aus der Axios-Redaktion selbst – leicht zu erkennen wäre, warum ihre Propaganda das Ziel verfehlen könnte. Egal, ob  zu Themen um die COVID-19-Pandemie und über "Impfmuffel" bis hin zu den US-Wahlskandalen sollte eigentlich die übergreifende Erkenntnis klar sein: Verwirre dein Publikum nicht mit anderen Meinungen als der einen Einzigen, die es akzeptieren soll.

Das Misstrauen der US-Amerikaner gegenüber den meisten Institutionen ihres Landes verheißt jedoch nichts Gutes für die "Marke" USA, wie die Edelman-Umfrage ergab. In anderen Ländern hat man offenbar sehr viel besser aufgepasst, denn laut derselben Umfrage fiel dort das Vertrauen in Unternehmen mit Hauptsitz in den USA um vier Punkte auf ein angebliches Allzeittief von 51 Prozent.

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