Nordamerika

Hillary Clinton: Biden darf beim Wahlausgang "unter keinen Umständen nachgeben"

Zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl befeuert die 2016 gegen Donald Trump unterlegene Hillary Clinton die Spaltung in den nur noch dem Namen nach Vereinigten Staaten von Amerika weiter an. Dabei haben die vergangenen Monate bereits tiefe Spuren in der nationalen Psyche hinterlassen.
Hillary Clinton: Biden darf beim Wahlausgang "unter keinen Umständen nachgeben"Quelle: AFP © Scott Eisen / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP

Im Präsidentschaftswahlkampf vor vier Jahren galt die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, als haushohe Favoritin. Als sie am Ende dann doch unerwartet gegen Donald Trump verlor, erwies sie sich als schlechte Verliererin. In ihrer ersten Rede nach der Wahl merkte sie an, wie gespalten das Land ist; gleichzeitig forderte sie die Unterstützer und Wähler der Demokraten auf, nicht etwa zum Wohle der Nation, sondern für die Ziele der Partei weiterzukämpfen. 

Präsident Donald Trump hingegen hat in den vergangenen vier Jahren ebenso wenig dazu beigetragen, die Nation zu einen. Die Corona-Krise und die landesweiten Proteste nach dem Tod von George Floyd in Folge von Polizeigewalt haben den Graben möglicherweise unüberbrückbar vertieft und erweitert. Auch hier hat Trump nichts versucht, um an der Situation etwas zu ändern. Stattdessen hat er klare Position bezogen, die bei einem Teil der Bevölkerung zwar ankommt, dafür aber den anderen Teil vor den Kopf stößt. Und was aus Trumps Sicht noch wichtiger ist: Er will die Sicherheitsorgane hinter sich wissen.

Erst vergangene Woche hat Generalstabschef Mark Milley auf eine Senatsanfrage geantwortet, dass sich die US-Armee nach der Wahl nicht einmischen wird. Er sagte aus, dass es "gemäß US-Recht zu jedem Zeitpunkt nur einen rechtmäßigen Präsidenten der Vereinigten Staaten gibt. Ich und das gesamte US-Militär werden den rechtmäßigen Befehlen des laut Gesetz legitimen Präsidenten folgen". Und rechtmäßiger Präsident ist der, den die Wahlmänner am 3. November zum Sieger erklären.  

In einem kürzlichen Interview für die Sendung "The Circus" auf MSNBC forderte nun Hillary Clinton den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden, auf, beim Wahlausgang "unter keinen Umständen nachzugeben". Für Trumps Unterstützer ist so eine Aussage wenig überraschend ein klares Indiz dafür, dass es bei den Wahlen nicht mit rechten Dingen zu- und hergehen wird. Der Republikaner Ronny Jackson twitterte dazu:

Ich bin alt genug, um mich zu erinnern, als Hillary Clinton Donald Trump einen "sauren Verlierer" nannte, wenn er das Wahlergebnis von 2016 ablehnt. Hillary Clinton kann immer noch nicht akzeptieren, dass die Amerikaner der Arbeiterklasse ihren Fehlschlag einer Kandidatur ABGELEHNT haben. 

Nancy Pelosi, Sprecherin der Demokraten im Repräsentantenhaus, sprach sich sogar gegen eine Debatte zwischen dem Amtsinhaber und dessen Herausforderer im Vorfeld aus:

Ich würde keine Konversation mit ihm legitimieren. 

Man sieht also auch bei den Demokraten keinerlei Anzeichen dafür, dass sie wenigstens den Versuch einer Versöhnung mit dem Teil der Bevölkerung unternehmen, den Clinton vor vier Jahren als "Sack von Kläglichen" bezeichnete. Joe Biden hingegen, der in den vergangenen Wochen immer wieder mit wirren Aussagen wie am 31. August aufgefallen ist, hat angesichts der Gewaltspirale im eigenen Land davor gewarnt, dass die USA ein Land werden könnten, "das im Krieg mit sich selbst ist". 

Tatsächlich haben die kurz aufeinanderfolgenden Ereignisse in diesem Jahr ihre Spuren bei Millionen von Menschen hinterlassen. Das Hin und Her in der Corona-Krise, die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns und Massenarbeitslosigkeit, Proteste gegen die Corona-Bestimmungen, Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus, der Einsatz der Nationalgarde und von Paramilitärs, das Auftauchen von schwer bewaffneten Milizen und gewaltbereite Protestler. Das alles hat Narben hinterlassen. In einer im August veröffentlichten Umfrage von der dem Gesundheitsministerium unterstellten Behörde CDC wurde unter anderem die Frage gestellt, ob die befragten Personen "ernsthaft einen Suizid in den vergangenen 30 Tagen in Betracht gezogen haben". Das Ergebnis ist alarmierend.

Von den 18- bis 24-Jährigen bejahten 25,5 Prozent diese Frage, also jeder vierte junge Mensch in den USA. Bei den 25- bis 44-Jährigen waren es immer noch 16 Prozent. Insgesamt bestätigten 10,7 Prozent der befragten Personen, dass sie in den vergangenen 30 Tagen ernsthaft daran dachten, sich das Leben zu nehmen. Dass die nationale Psyche der US-Amerikaner leidet, zeigt sich auch an diesem Ergebnis: Fast 31 Prozent gaben an, an Angstzuständen oder Depressionen zu leiden. 

Diese Entwicklung wurde nicht erst durch die Corona-Krise ausgelöst. Bereits vor zwei Jahren zeigten Studien der Krankenversicherungen, dass Depressionen zwischen 2013 und 2016 – also während der Präsidentschaft von Barack Obama – massiv angestiegen waren. In der Altersgruppe von 12 bis 17 Jahren um 63 Prozent, von 18 bis 34 Jahren um 47 Prozent, von 35 bis 49 Jahren um 26 Prozent und von 50 bis 64 Jahren um 23 Prozent. 

Dieselbe Entwicklung konnte man auch bei den Suiziden feststellen. In einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie der American Psychological Association ist die Suizidrate zwischen 2000 und 2016 um 30 Prozent gestiegen, wobei die Rate unter Obama doppelt so schnell gestiegen ist wie noch unter George W. Bush. 

Psychische, soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme, die durch die Politik verschlimmert werden, bereiten den Nährboden für das vor, was sich auf den Straßen der (Un-)Vereinigten Staaten von Amerika abspielt und was möglicherweise noch bevorsteht. 

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