Meinung

Der Great Reset – eine falsche Utopie, die uns von Scharlatanen verkauft wird

Nehmen wir den Great Reset genauer unter die Lupe. Mit dem Ende der Pandemie werden wir einiges über diesen "Rückbau hin zum Besseren" hören. Statt eines kohlenstoffarmen Traumlebens für alle verspricht diese karikaturhafte Utopie der globalen Elite noch mehr Macht.
Der Great Reset – eine falsche Utopie, die uns von Scharlatanen verkauft wirdQuelle: AFP © Fabrice Coffrini

Ein Kommentar von Brendan Heard

Was ist dieser Great Reset genau? Der Begriff wurde auf der 50. Jahrestagung des World Economic Forum (WEF) im Juni 2020 bekannt gemacht. Er wurde ursprünglich von Prinz Charles ins Leben gerufen, bevor er in die Philosophie von Klaus Schwab überging, der stilistisch einem Bösewicht aus einer dystopischen Science-Fiction gleicht und seines Zeichens Gründer und Vorsitzender des WEF ist.

Der Great Reset bezieht sich auf den Plan, die Infrastrukturen der Welt nach den wirtschaftlichen Kahlschlägen der COVID-19-Pandemie "nachhaltig" wieder aufzubauen und einen globalen Vertrag zur Verhinderung zukünftiger Pandemien zu schließen. Oder, wie es formal beschrieben wird, "eine robustere internationale Gesundheitsarchitektur aufzubauen, in der die zukünftigen Generationen geschützt sind". Wann immer man jemanden über "den Rückbau hin zum Besseren" sprechen hört, dann bezieht sich diese Person auf den Great Reset.

Der wahrscheinlich beunruhigendste Teil beim Great Reset ist, wie sehr er den bisher gewohnten Geschäftspraktiken ähnelt, lediglich mit einer zusätzlichen Extraportion Globalismus. Die meisten Umrisse dieses Plans beinhalten eine weitere Aufweichung der Staatsgrenzen und die Schwächung individueller nationaler Autonomie zugunsten einer "universaleren Regierungsführung". Wie üblich ist es die rapid schwindende westliche Mittelschicht, der die Last für diesen "Rückbau" aufgebürdet wird und mit dem ihre Freiheiten weiter beschnitten werden, damit die vorgegebenen Quoten dieses von den Konzernmedien getriebenen Aktivismus erfüllt werden können.

Ungeachtet dessen stimmten viele Staats- und Regierungschefs, die zweifellos von Schwabs finsterer gebieterischer Garderobe im Blofeld-Look beeindruckt waren, diesem Great Reset zu. Darunter Boris Johnson, Emmanuel Macron, Angela Merkel, der Grieche Kyriakos Mitsotakis, der Holländer Mark Rutte, der Spanier Pedro Sánchez, die Norwegerin Erna Solberg und der Ukrainer Wladimir Selenskij. Und laut dem ehemaligen US-Außenminister John Kerry ist auch die Regierung von Joe Biden mit an Bord.

Aber solch eine allgemeine Zustimmung westlicher Staatslenker ist absolut typisch für jede Agenda, die von der NATO, der UNO oder dem WEF vorangetrieben wird. Wenn ein emotional aufgeladenes, politisch vages und letztlich wirkungsloses Edikt oder Gesetz von einem dieser Organisationen vorgeschlagen wird, von denen jede einem schäbigen, weltumspannenden Team von Versicherungsvertretern ähnelt, werfen sich unsere verweichlichten Politiker umgehend ins Wettrennen darum, wer die Agenda am eifrigsten umsetzen kann.

Als generelle Regel gilt, dass alle Lösungsansätze für spezifische Umwelt- oder wissenschaftliche Probleme jeweils auf mysteriöse Weise mit LGBTQ+-Rechten, Arbeitsplatzgerechtigkeit, Initiativen für offene Grenzen und weiteren, nicht kausal zusammenhängenden Gründen, die man aus dem Fundus der sozialen Gerechtigkeit entnimmt, verknüpft zu haben sein. Es ist, als ob alle Ziele, die man definiert, irgendwie aus ein und derselben Quelle stammen oder dieselbe Lösung beinhalten, unabhängig von Kausalität oder Konsequenz. Auf diese Weise folgt einer vereinten Reaktion auf eine globale Pandemie immer auch eine Reaktion zugunsten der Rechte von Transsexuellen.

In ihren eigenen Worten: "Keine einzelne Regierung oder multilaterale Agentur kann diese Pandemiebedrohung allein bewältigen. Wir müssen uns gemeinsam besser darauf vorbereiten, Pandemien auf koordinierte Weise vorherzusagen, zu verhindern, zu erkennen, zu bewerten und effektiv darauf zu reagieren."

Es gibt viele andere weitreichende Gefühle, die Schwab und seine Gefolgsleute zum Ausdruck bringen, die entweder banal oder bedrohlich erscheinen können. Man beachte die Aussagen, dass  "die Kluft zwischen dem, was die Märkte schätzen, und dem, was die Menschen schätzen, sich schließen wird" und "wir möchten, dass wissenschaftlichen Experten mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Niemand kann sich vom Klimawandel isolieren, daher müssen wir alle im Voraus und solidarisch handeln".

Es wird viel vom Streben nach "gerechteren und ausgeglicheneren Ergebnissen" gesprochen.

Bei internationalen Verträgen geht es immer um Machtkonzentration. Es ist eine dieser Lebensregeln für Realisten, da es in menschlichen Angelegenheiten kein Entkommen von der Machtdynamik gibt. Für echte Probleme gibt es oft keine "Wohlfühllösungen". Sie verlangen häufig nach Lösungen, die gemein und in einem Mitteilungsblatt über Unternehmensziele nicht gut klingen. Initiativen wie der Great Reset bringen allen Nationen denselben allmählichen Verlust an Autonomie, da ihre Entscheidungsbefugnis an eine internationale, gesichtslose Körperschaft übertragen werden soll. Zweifellos ist dies bereits seit langem eine globalistische Fantasie. Die Schlüsselfrage lautet aber: Wissen die überhaupt, was sie tun?

Was diese erstaunliche koordinierte Reaktion auf die Pandemie angeht, so scheint diese in nichts anderes als eine weltweite Zwangsimpfungen für alle zu münden. Klaus Schwab sagte selbst: "Solange nicht jeder geimpft ist, ist niemand sicher." Worauf die anwesenden neoliberalen Weltführer zustimmend nickten, um dann einstimmig das Mantra eines "globalen öffentlichen Guts" zu beten.

Klaus Schwab, der wie ein unsterblicher Bordellbesitzer in Kublai Khans Xanadu aussieht, ist in Wirklichkeit aus demselben Stoff gewoben wie ein typischer Technokrat der EU. Seine Ideen sind nicht kreativ, sondern ziemlich bieder und träge, und die Recherchen zu seiner Karriere zeigen, dass diese Ideen seit den 1970er-Jahren unverändert geblieben sind. Er hat also seit jeher immer dasselbe gepredigt. Wie eine gesprungene Schallplatte.

Schwab glaubt, dass wir für die Umwelt Lösungen finden können, ohne den Kapitalismus im Geringsten verändern zu müssen und indem wir Verträge über "gegenseitige Rechenschaftspflicht und geteilte Verantwortung, Transparenz und Zusammenarbeit innerhalb des internationalen Systems" schaffen.

Seine Idee beinhaltet einen "ethischen Kapitalismus", wo die Exzesse des Kapitalismus irgendwie von "ethischen Interessenvertretern" in Schach gehalten werden sollen, denen die Konzerne Rechenschaft ablegen müssen. Während die bereits bestehenden Eliten und Systeme praktischerweise so bleiben, wie sie sind. Dies ist der große Plan des Weltwirtschaftsforums, der seit 40 Jahren weitgehend unverändert blieb.

Und das Ergebnis? Eine grüne Technokratie, so muss man annehmen. Mit einem vom WEF mandatierten Apparat von "ethischen Interessenvertretern". Eine global vernetzte Organisation, die mit Ängsten vor einer drohenden Pandemie und dem CO2-Untergang regiert. Kein Teil der Gesellschaft wäre von den Edikten dieses "neuen Vertrags" ausgenommen.

Die Webseite zum Great Reset scheint kaum mehr als eine Werbung für ein modernes Leben im Hühnerstall zu sein. Das Konzept wird als kohlenstoffarmes Traumleben stilisiert, bevölkert von verweiblichten Hipstern, ohne jeglichen Verzicht auf moderne Bequemlichkeit. Man sieht schlampig aussehende neoliberale Jugendliche, findet häufige Verweise auf LGBTQ+-Werte und liest über die allgemeine Dringlichkeit bezüglich des CO2-Fußabdrucks. Die Webseite hat eine starke Anlehnung an Adbusters, den Schöpfern der Occupy Wall Street-Bewegung.

Trotz der Tatsache, dass das WEF und Davos und alle damit verbundenen Einrichtungen ausschließlich Eliteinstitutionen sind, setzt die Website auf urbanen Basisaktivismus. In seinen "Denkstudien" findet sich viel oberpeinliche Symbolik, wie zum Beispiel eine Kombination aus einer grünen und regenbogenfarbenen Flagge und tuntige Slogans wie "Wir grüßen dich, Zoom-Queen!".

Schwab bezeichnet das Ziel des Great Reset als "die vierte industrielle Revolution". Wobei die erste Revolution von Wasser und Dampf angetrieben wurde, in der zweiten die Massenproduktion einführt wurde und in der dritten die elektronische Automatisierung Einzug hielt. Die vierte Revolution soll die Grenzen zwischen den "physischen, digitalen und biologischen Sphären" verwischen. In diese Wundertüte magischer Fortschritte packt Schwab Themen wie Künstliche Intelligenz, Robotik, das Internet der Dinge, autonome Fahrzeuge, 3D-Druck, Nanotechnologie, Biotechnologie, Materialwissenschaft, Energiespeicherung und Quantencomputer.

Das klingt nach karikiertem Optimismus, da viele dieser Technologien alles andere als sauber sind und sich de facto nicht auf einen Ausstieg aus dem Industrialismus beziehen. Darüber hinaus nutzen weniger als neun Prozent der Unternehmen maschinelles Lernen, Robotik, Touchscreens und andere fortschrittliche Technologien, die irgendwie als "alles verändernd" aufgeführt werden. Das Konzept eines Kapitalismus durch Interessenvertreter kann nicht für narrensicher erklärt werden und wird von Leuten im Silicon Valley oder jenen aus den Konglomeraten der Lieferketten zweifellos frei interpretiert.

Das Juwel in der Krone des Optimismus des Great Reset muss wohl der Glaube sein, dass das Aufkommen der Künstlichen Intelligenz irgendwie alles positiv verändern und eine kohlenstoffarme neue Welt erschaffen wird.

Im besten Fall ist dies alles nur Schall und Rauch, eine kindische Phantasie, die von einsamen Erbsenzählern ausgedacht wurde. Im schlimmsten Fall ist es der vorsätzliche Versuch einer Machtergreifung durch nicht rechenschaftspflichtige internationale Organisationen und im Hintergrund agierende Oligarchen. So oder so, der Great Reset ist eine falsche Utopie auf Kosten der individuellen Privatsphäre und Autonomie, die uns von Gebrauchtwagenverkäufern verkauft wird, die sich für Götter halten.

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Übersetzt aus dem Englischen.

Brendan Heard ist Autor, Kommentator, Maler, Blogger und Designer, der für internationale Medien gearbeitet hat. Man findet ihn Twitter unter @Trad_West_Art.

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