Meinung

Die Jägerin des falschen Impfpasses – Apothekerin "entlarvt" Kundin

Eine Apothekerin entdeckt einen gefälschten Impfpass und erzählt das gleich der Bild. "So habe ich eine Impfbetrügerin erwischt." Aber nicht alle finden die Dame so heldenhaft, wie sie das gerne hätte. Und die Voraussetzungen für das Geschäft der Fälscher hat die Regierung geschaffen.
Die Jägerin des falschen Impfpasses – Apothekerin "entlarvt" KundinQuelle: www.globallookpress.com © Frank Hoermann / SVEN SIMON via imago-images

von Dagmar Henn

Schon viele haben von Corona profitiert. Die Besitzer von BioNTech-Aktien, Maskenverkäufer, Testzentren, Mediziner in Impfzentren; und natürlich, je stärker die Maßnahmen auf Impfung drängen, auch Fälscher von Impfausweisen.

Hundert Euro, so berichtet die Bild, kostet ein gefälschter Ausweis, wie er über Telegram angeboten wird. Damit erreicht man die Zugehörigkeit zur bevorzugten 2G-Gruppe ohne jedes gesundheitliche Risiko. Aber manchmal geht das eben schief.

In Baden-Württemberg fühlte sich jetzt eine Apothekerin berufen, die Polizei zu benachrichtigen, als ihr ein gefälschter Impfausweis zur Digitalisierung vorgelegt wurde. Der Kundin erklärte sie, es gebe Probleme bei der Digitalisierung, und kopierte das Dokument. Die Polizei wurde auch gleich tätig und durchsuchte die Wohnung besagter Kundin. Damit hat jetzt die Staatsanwaltschaft einen Fall mehr.

Im Internet stieß das Verhalten der Apothekerin auf wenig Gegenliebe. "Menschlich gehören Sie leider zur untersten Schublade", so einer der Kommentare in der Bewertung der Apotheke. Auf einem anderen Bewertungsportal steht: "Dass die Apothekerin ihre Schweigepflicht verletzt hat und die Kundin bei der Polizei anzeigte, mag man ja gerade noch tolerieren. Aber sich bei der Bild stolz wie Oskar zu präsentieren und das Denunzieren zu rechtfertigen zeugt für meinen Begriff für (sic!) einen wenig guten Charakter."

Einen Impfpass zu fälschen, ist nicht allzu aufwendig. "Die Kontrolle der Impfbücher ist dem BKA zufolge nicht leicht, da die Pässe wie teilweise die Druckvorlagen für die Etiketten im Handel frei verfügbar seien und keine Sicherheitsmerkmale aufwiesen", schreibt dazuApotheke-adhoc. Erst der digitale Impfausweis sei fälschungssicher.

Die gelben Impfausweise waren auch nie dazu gedacht, fälschungssicher zu sein. In der bisherigen Normalität vor COVID-19 hatten sie nur selten Bedeutung; am ehesten bei Reisen in tropische Länder, in denen z. B. Gelbfieberimpfungen verlangt werden; aber dabei gab es, da Gelbfieber tatsächlich eine Sterblichkeit von über zehn Prozent der Erkrankten hat, keinen Anreiz, eine Impfung vorzutäuschen.

Bei einer Erkrankung mit einer wesentlich geringeren Sterblichkeit und gleichzeitigen administrativen Eingriffen, die nicht Geimpfte massiv benachteiligen, sieht das natürlich ganz anders aus. Man könnte fast von Idealbedingungen zur Schaffung eines Fälschungsmarktes reden. Den dann wieder zu bekämpfen, zusätzliche Kräfte bindet, die man ohnehin schon mit Masken- und Abstandskontrollen mit vielerlei Unsinn beschäftigt hält.

Und natürlich gibt es auch hierbei Menschen, die es für eine nützliche Tat halten, diese Regeln durchzusetzen. Die besagte Apothekerin hat sich da nur als brave Frau Mustermann verhalten, wie sie sich die Regierung wünscht. Und mit Sicherheit werden in den kommenden Wochen noch mehr gar erschreckende Fälle von vorgetäuschter Impfung die Gazetten füllen, und womöglich wird der eine oder andere Politiker noch einige empörte Worte dazu zum Besten geben.

Aber im Grunde wäre es sinnvoller, kostengünstiger und vernünftiger, den ganzen Unfug einfach zu lassen. Dann wäre Schluss mit der Geschäftemacherei, von den Pharmakonzernen über die Politikerverwandten bis zu den Impfpassfälschern. Die Deutschen könnten sich wieder echten Problemen widmen, wie Armut, Wohnungslosigkeit und Niedrigrenten, und müssten sich nicht mehr über Scheinprobleme verzanken.

Stattdessen werden wir vermutlich weitere Heldengeschichten von den Jägern des unechten Impfpasses erzählt bekommen und zusehen, wie immer tiefer in das Alltagsleben eingegriffen wird. Die großen und die kleinen Profiteure wird das freuen. Schließlich, wo kämen wir hin, wenn man die Menschen über den Profit stellt.

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