Deutschland

"Pandemie in den Rohdaten": Correctiv vs. "Erbsenzähler" Marcel Barz

Im erst gelöschten und nun wieder abrufbaren Film "Die Pandemie in den Rohdaten" untersuchte der Datenanalyst Marcel Barz, ob sich die COVID-19-Pandemie statistisch belegen lässt. Kein Wunder, dass die Faktenprüfer von Correctiv auf ihn aufmerksam wurden.
"Pandemie in den Rohdaten": Correctiv vs. "Erbsenzähler" Marcel BarzQuelle: www.globallookpress.com © Roland Weihrauch

Das Recherchezentrum Correctiv legt besonderen Wert auf eine transparente Arbeitsweise – zumindest der eigenen Aussage nach. Wenn die Fragen einer seiner Recherchen im Internet veröffentlicht werden, scheint aber die Grenze der Transparenz erreicht. Das legt zumindest der aktuelle Fall rund um den Film des "Erbsenzählers" Marcel Barz nahe.

Der Wirtschaftsinformatiker und Datenanalyst veröffentlichte am 27. August 2021 auf der Plattform YouTube einen 82-minütigen Film mit dem Titel "Die Pandemie in den Rohdaten". Barz nahm sich statistisches Rohmaterial der COVID-19-Pandemie in Deutschland vor, bereitete es nach seinem Ermessen auf und lud das Ergebnis auf YouTube hoch.

Nur wenige Tage später, am 31. August, löschte YouTube das Video. Als Begründung nannte das Unternehmen "medizinische Fehlinformationen". Zu diesem Zeitpunkt war der Film bereits 145.000-mal aufgerufen worden. Die Beschwerde von Barz wurde erst abgewiesen. Das Video ist nun doch wieder online und wurde nun schon fast 300.000-mal aufgerufen.

Ist die Pandemie in Rohdaten nachweisbar?

In seinem Film zeigt Barz, wie er als Datenanalyst die COVID-19-Pandemie in Zahlen untersucht. Er nutzt die öffentlich zugänglichen Daten für das Jahr 2020 in Bezug auf die Sterblichkeit der Bevölkerung, die Angaben zur Belegung der Intensivbetten und die Zahl der Infizierten in Deutschland.

Sein Ergebnis: Aus den Daten des Statistischen Bundesamts, der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und des RKI lasse sich nicht ablesen, dass es ab Ende 2019 in Deutschland eine endemische Lage gibt – entgegen der vorherrschenden Meinung.

Die Möglichkeit, aus den Zahlen das Gegenteil zu behaupten, führt Barz auf einen fehlerhaften Umgang mit dem verfügbaren Datenmaterial sowie auf unvollständiges Datenmaterial zurück.

Er kritisiert zudem explizit, dass sich vor die Rohdaten Behörden oder Vereine mit eigenen Interessen schalteten und die Zahlen auf ihre Weise interpretierten und präsentierten. Insbesondere Journalisten dürften sich nicht auf solche Darstellungen verlassen und sie unkritisch verbreiten.

Fragen des Recherchezentrums Correctiv

Am Dienstag wandte sich nun anscheinend eine Redakteurin des Recherchezentrums Correctiv an Barz, offenbar zum Zweck der Faktenprüfung. Barz zufolge gab die Redakteurin an, dass sein Film, der zu diesem Zeitpunkt nur auf der Videoplattform Vimeo aufrufbar war, bei Correctiv zahlreich zur Prüfung eingereicht worden sei, und bat ihn, ihre Fragen zum Film und zu seiner Person zu beantworten.

Die Fragen der Correctiv-Redakteurin veröffentlichte Barz am Donnerstag auf seinem Telegram-Kanal zusammen mit seinen Antworten. Dass Barz seine Antworten im Voraus veröffentlicht hatte, wurde von der Redakteurin offenbar mit Unmut aufgenommen. In einer weiteren E-Mail wies man darauf hin, dass die Fragen nicht zur Veröffentlichung im Wortlaut freigegeben worden seien.

Offenbar als Reaktion auf diese Mitteilung formulierte Barz das Dokument in seinem Telegram-Kanal um und gab die Fragen nur sinngemäß wieder. Auf dem Blog des Rechtsanwalts Joachim Steinhöfel sind die Fragen noch im Wortlaut abrufbar.

Sterberaten statt absoluter Zahlen

Unter anderem wollte Correctiv von Barz wissen, warum er die Sterbefälle auf das ganze Jahr und nicht auf Wochenbasis verglichen habe. Die Antwort von Barz lautete, dass Menschen entlang der Jahreszeiten sterben und es üblich sei, Bevölkerungsdaten jahresweise zu betrachten.

Hinzu komme, dass der Vergleich von Sterbefällen in absoluten Zahlen keine ausreichende Aussagekraft zur möglichen Übersterblichkeit besitzt. Vielmehr halte er es für geboten, die Sterbestatistik erstens jährlich und zweitens über einen längeren Zeitraum hinweg zu betrachten.

Um zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu gelangen, müsse man zudem die Sterbefälle prozentual betrachten und nach Altersgruppe aufschlüsseln, wie es übrigens auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen hat. Eine Stichelei gegen die Correctiv-Redakteurin konnte sich Barz offenbar nicht verkneifen:

"Sicher erweckt das Ihren journalistischen Ehrgeiz herauszufinden, warum das Statistische Bundesamt die Altersstandardisierung dennoch nicht vornimmt und sich somit nicht an die WHO-Vorgabe hält."

Teilweise stellte Correctiv Nachfragen zu Barz' Handhabung der Datensätze. Teilweise erschließt sich der Sinn der Fragen aber nicht. So wollte Correctiv auch wissen, warum Barz die Daten aus Deutschland mit denen aus Schweden verglich und nicht etwa mit den Daten aus Spanien. Barz argumentierte, dass Schweden weitgehend darauf verzichtet hatte, politischen Maßnahmen wie Lockdowns oder Maskenpflicht einzuführen – im Gegensatz zu Deutschland und Spanien.

Gemäß dem Pandemie-Narrativ sollte sich anhand des Rohmaterials ablesen lassen, dass die Übersterblichkeit in Schweden allgemein höher war als in Deutschland. Doch auch dies war in der Analyse von Barz nicht der Fall. Dass Barz Schweden als "Kontrollgruppe" genutzt hatte, dürfte jedem plausibel erscheinen, der das Pandemiegeschehen ansatzweise beobachtete. Das Recherchezentrum Correctiv tat das womöglich nicht.

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