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Moskau und Peking werfen den Hut in den Ring: Das 15-jährige Rennen zum Mond hat begonnen

Mit der Unterzeichnung des russisch-chinesischen Plans für den Bau einer Mondbasis beginnt endgültig das Weltraumrennen des 21. Jahrhunderts – es wird den Globus in zwei Lager teilen, aber irdische Feindseligkeiten müssen nicht darüber hinaus ausgetragen werden.
Moskau und Peking werfen den Hut in den Ring: Das 15-jährige Rennen zum Mond hat begonnenQuelle: www.globallookpress.com © Cover Images/Keystone Press Agency

von Tom Fowdy

Am Mittwoch vergangener Woche haben chinesische und russische Beamte gemeinsam ihren umfassenden Fahrplan für den Bau einer Internationalen Forschungsstation auf dem Mond (ILRS) präsentiert. Nachdem die beiden Großmächte bereits Anfang dieses Jahres eine Absichtserklärung unterzeichnet hatten, haben sie nun einen 15-Jahres-Plan zum Bau einer Basis auf dem Mond ausgearbeitet – eine Leistung, die, käme sie zustande, in der Geschichte der Menschheit beispiellos wäre. Die Mondbasis soll wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Natur sein und umfasst Felder wie der Aufbau von Kommunikationsnetzen, Energiegewinnung und die Nutzung von lunaren Ressourcen.

Der Plan sieht zunächst eine Reihe von Aufklärungsmissionen vor, darunter die chinesischen Sonden Chang-e 6, 7 und 8 sowie die russischen Programme Luna 25, 26 und 27. Im Anschluss daran wird eine Bauphase beginnen, mit dem Ziel, bis 2036 eine Basis für die menschliche Nutzung betriebsbereit zu machen. Bereits am Morgen nach der Präsentation des Planes startete China seine Shenzhou-12-Mission, mit der drei Taikonauten zu einer neuen Raumstation namens Tiangong geflogen wurden.

Dies alles ist eine phänomenale Vision, aber sie hat Konkurrenz – von den üblichen Verdächtigen. Das chinesisch-russische Vorhaben trifft auf das Artemis-Programm der NASA, das wenig überraschend die gleichen Ambitionen verkündet. Obwohl noch kein Zeithorizont festgelegt wurde, plant Artemis den Bau eines "Basislagers" auf dem Mond, mit sehr ähnlichen Zielen, wie sie der sino-russische Plan formuliert. Entscheidend für die Ziele der NASA auf dem Mond ist jedoch, das diese als Vorbereitungsstufe für eine bemannte Mission zum Mars genutzt werden soll, womit auch die strategische Bedeutung einer Präsenz der NASA auf dem Mond offenbar wird.

Die Präsentation des russisch-chinesischen Plans erfolgte just zu dem Zeitpunkt, als Präsident Joe Biden seinen Gipfel mit Putin in Genf abhielt, was zeigt, wie viel auf dem Spiel steht. Es ist ein starkes Zeichen der Solidarität zwischen den beiden eurasischen Mächten, eine Absichtserklärung an die Adresse Washingtons und ein Beweis dafür, dass die strategische Zusammenarbeit zwischen China und Russland nicht nur wachsen, sondern sich auf den Weltraum erstrecken wird. Vor diesem Hintergrund beginnt ein neues Wettrennen im Weltraum, das einem "Gerangel um den Mond" gleichkommt, nicht nur, um ihn als Ersten zu erreichen, sondern auch, um auf ihm eine Präsenz zu etablieren und die Errungenschaften des Zweitplatzierten in den Schatten zu stellen. Die Pläne beider Lager zeigen die immensen strategischen, militärischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Vorteile für diejenige Seite auf, die zuerst auf dem Mond ankommt (obwohl es eigentlich genügend Platz für mehr als einen Mitbewerber gibt).

Während Russland und China sich zusammenschließen, sind auch die USA nicht allein, auch wenn sie keinen Partner auf Augenhöhe unter ihren Verbündeten haben. In der vergangenen Woche hat der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, die Raumfahrtbehörde seines Landes dem Artemis-Abkommen angeschlossen. Wie der Artikel von Space News über die ILRS ausführt, signalisiert die Bildung zweier rivalisierender Lager mit stellaren Ambitionen auf dem Mond, "die fortschreitende Aufteilung der internationalen Weltraumgemeinschaft auf zwei konkurrierende – und möglicherweise widersprüchliche – Wege für zukünftige Monderkundungen". Während sich einige Länder möglicherweise mit der NASA zusammentun – und wer würde diese Gelegenheit nicht nutzen wollen? –, bedeutet dies jedoch nicht unbedingt, dass man sich gegen die russisch-chinesischen Pläne richtet. Frankreich beispielsweise scheint unter Umständen an der ILRS interessiert zu sein, da Peking anderen Ländern die Tür zur Teilnahme geöffnet hat. Die USA mögen dies als Nullsummenspiel sehen, aber in Wirklichkeit wären viele gerne in beiden Lagern, um am "Besten aus beiden Lagern" teilzuhaben.

Angenommen, diese Programme sind alle erfolgreich, kann dann jemand den Mond "besitzen"? Nicht ganz. Der Weltraumvertrag von 1967, der von den USA und der UdSSR auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges geschlossen wurde, legt fest, dass kein Land eine ausschließliche "Souveränität" über den Mond beanspruchen kann, da er "das gemeinsame Erbe der Menschheit" ist. Wir sehen die politische Macht der Symbolik von Flaggen auf dem Mond seit Langem, wie etwa die berühmte der USA bei der ersten Mondlandung und kürzlich die chinesische, aber letztendlich kann der Mond, sofern das Völkerrecht eingehalten wird, niemals eine "Kolonie" im Besitz eines einzigen Landes sein.

Es gibt jedoch eine kleine Hintertür. Der Vertrag, der seiner Zeit weit voraus war, legt auch fest, dass letztendlich alle auf dem Mond gebauten Strukturen für die bauende Nation "souverän" sein werden. Daher hat aus praktischen Gründen gerade ein Wettlauf um den Mond begonnen. Welche werden die ersten Nationen sein, die eine strategische und damit auch eine militärische Überlegenheit über den Mond erlangen? Die Auswirkungen auf die Erde selbst werden enorm sein. Das Ding, das wir am Nachthimmel betrachten, ist nicht mehr etwas Mystisches und Fernes, sondern etwas, das jetzt die erste Plattform für die dauerhafte Ausdehnung einer menschlichen Präsenz auf andere Himmelskörper sein wird.

Wenn die Denkweise der NASA richtig ist, gewinnt derjenige, der den Mond gewinnt, auch den Mars. Das Spiel läuft, und Moskau und Peking haben den Hut – oder besser, den Raumfahrer-Helm – in den Ring geworfen.

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Übersetzt aus dem Englischen.

Tom Fowdy ist ein britischer Autor und Analytiker für Politik und internationale Beziehungen mit Schwerpunkt Ostasien.

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