Meinung

#Lassunsimpfen – mit Gaga-Schlager ins Impfkoma

Musik bewegt die Menschen, heißt es. Die Österreichische Gesundheitskasse hatte deshalb die brillante Idee, einen Song komponieren zu lassen, um "auch impfskeptische Personen" zu erreichen. Das Ergebnis ist so notwendig wie die Impfung selbst.
#Lassunsimpfen – mit Gaga-Schlager ins ImpfkomaQuelle: RT

von Arthur Buchholz

Österreich hat seine Sänger, daran gibt es nichts zu rütteln. Man denke nur an Udo Jürgens, Rainhard Fendrich oder Falco, der den "Schnee" seiner Heimat oft zum Thema seiner Kunst gemacht hat. Doch leider haben wir dem Land eben auch so umstrittene Charaktere wie Conchita Wurst und DJ Ötzi zu verdanken. 

Als Piefke muss man also wissen: Das Alpenland ist immer für eine Überraschung gut. Und mit dieser Kampagne hat jetzt keiner gerechnet, die Österreicher wahrscheinlich am wenigsten: ein Song zur Impfung. 

Die Österreichische Gesundheitskasse hat ein unbekanntes Budget für einen Werbesong verbraten, der mit gut gelaunter Melodie die breiten Massen zum Termin führen soll. Aus der Pressemitteilung heißt es:

"Dazu wurde von DJ Möwe [Anmerkung: Der Name des DJ-Duos lautet nur 'Möwe'] mit 'Baby lass uns impfen' ein eigener Song remixt, der Lebensfreude transportieren und damit auch impfskeptische Personen erreichen soll. Schließlich geht es in einem nächsten Schritt darum, Menschen, die sich noch nicht für eine Impfung entschieden haben, zu diesem Schritt zu motivieren. Der Song und das Video sollen die Lebensfreude spürbar machen und ein Stück weit Normalität zeigen, die wir durch eine hohe Impfrate wiedererlangen können."

Deshalb hat das Lied die Qualität von kontemporärem, seichtem Pop – zu einem ironischen Antihit reicht es wohl trotz reichlich Fremdschämpotenzials leider nicht ganz.  

Im Video springen die Menschen derart gut gelaunt durch die Gegend, dass man umgekehrt schon wieder Angst vor solchen Nebenwirkungen bekommt.

Die Gesundheitskasse wirbt zudem noch mit dem Moderationsdinosaurier Arabella Kiesbauer als Unterstützerin. Weitere "Promis" haben sich bis jetzt noch nicht zu der Kampagne bekannt, auch wenn die Kasse immer im Plural redet.

Textlich werden dann schließlich alle Ansprüche an gute Musik fallen gelassen. Der nackte Wahnsinn springt einem aus jeder Zeile entgegen:

Weißt du noch, wie's früher war,

Wir lagen uns im Arm.

Wir tanzten in unserer Lieblingsbar,

Ganz spontan in Urlaub fahren.

Plötzlich haben wir Masken auf, 

Gehn nur mehr raus zum Hamsterkauf

Und wünschen uns die Leichtigkeit zurück.

Doch der Grund zur Hoffnung, er ist da

Drum sitz ich hier an der Guitar

Und sing mir meinen Weg zurück ins Glück.

Wir stellen also fest: Es geht nicht um Viren, sondern um Masken und den Urlaub. Bemerkenswerterweise werden "Corona" oder "COVID" in dem Machwerk nicht erwähnt. Wahrscheinlich reimt es sich nicht so gut.

Der Refrain gibt einem schließlich den Rest:

Baby lass uns impfen, ich und du, wir zwei,

Lass uns hier verschwinden,

Endlich sind wir frei.

Komm wir gehen jetzt Impfen,

Du kannst mir vertrauen

Wir tanzen und wir singen,

ein Leben wie im Traum.

Natürlich kann man "impfen" und "frei" in eine textliche Nähe bringen. Deutsche Ohren hören da andere Assoziationen heraus, aber das kann man Möwe beim besten Willen nicht unterstellen.

Vielleicht ahnte man bei der Gesundheitskasse dennoch, dass das Video zu Kontroversen führen könnte. Auf YouTube hat der "Impfhit" zum Zeitpunkt der Abrufung 47 Likes und schon 6.217 Dislikes gesammelt. Die Kommentare wurden wohlweislich schon einmal deaktiviert.

Leider wird es nicht bei diesem einen Event bleiben. So droht die die Krankenkasse schon:
"Die Initiative ist ein multimediales Event. Mit zahlreichen Challenges auf Social Media, die Schritt für Schritt in den nächsten Wochen gestartet werden, soll speziell eine jüngere Zielgruppe angesprochen werden, die bisher wenig Beachtung in der Aufklärung gefunden hat."

Gut, dass Falco das nicht mehr erleben muss.

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