Meinung

Twitter-Richtlinien: Zensur von Wissenschaft und Meinung statt Schutz der Nutzer

Es ist eine Sache, Richtlinien gegen Gewalt, Missbrauch und Belästigung zu haben. Aber wenn es darum geht, Nutzer zu "schützen", ist Twitter bestrebt, Stimmen zu zensieren, die das Boot zum Schaukeln bringen, selbst wenn sie nur über wissenschaftliches Papier getwittert haben.
Twitter-Richtlinien: Zensur von Wissenschaft und Meinung statt Schutz der NutzerQuelle: www.globallookpress.com © Li Muzi

von Eva Bartlett

Dr. Simon Goddek, der in Biotechnologie promoviert und Systemdynamik erforscht, hat einen Link zu einer wissenschaftlichen Studie getwittert, mit dem Titel: "Ist eine Schutzmaske, die Mund und Nase bedeckt, im täglichen Gebrauch frei von unerwünschten Nebenwirkungen und potenziellen Gefahren?". Kurze Zeit später wurde er von seinem Twitter-Konto ausgesperrt und er erhielt eine Benachrichtigung von Twitter, dass er so lange von seinem Konto ausgesperrt bleiben würde, bis er den beanstandeten Tweet löscht – und ab der Löschung für weitere 12 Stunden.

In seiner Telegram-Gruppe schrieb er:

"Ich wurde ins Twitter-Gefängnis gesteckt, weil ich ein von Experten begutachtetes wissenschaftliches Papier zitiert hatte. Wissenschaft abwürgen ist Realität geworden. Besonders besorgniserregend ist, dass ich den Inhalt des Papiers nicht persönlich kommentiert habe. Ich habe nur gesagt, dass Schutzmasken gemäß diesem Papier zu massiven Gesundheitsschäden führen können. Es ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Arbeit, die von mindestens zwei Experten auf diesem Gebiet begutachtet wurde."

Laut Twitter hat Goddek gegen die Richtlinien verstoßen, die verbieten "irreführende und potenziell schädliche Informationen in Bezug auf COVID-19 zu verbreiten". Der fragliche Artikel war nicht einmal so gewagt wie andere, die sich mit demselben Thema befassen und beschränkte sich lediglich mit unerwünschten Nebenwirkungen des Tragens von Masken. Wie kann so etwas eine "Fehlinformation" sein? Ich habe mit Goddek gesprochen, um mehr über den Vorgang zu erfahren. Und es stellte sich heraus, dass es nicht das erste Mal war.

"Das erste Mal wurde ich zensiert, weil ich ein wissenschaftliches, von Experten begutachtetes Papier über Schutzmasken zitiert habe. Ich habe nur deren Arbeit zitiert und wurde ins Twitter-Gefängnis gesteckt. In diesem Tweet schrieb ich: Seht mal, es scheint, dass Schutzmasken nicht funktionieren. Somit sagte ich auch meine Meinung. Dieses Mal habe ich eine weitere Studie zu Schutzmasken gefunden, in der festgestellt wird, dass das Tragen von Masken nachteilige Auswirkungen hat. Also habe ich das Papier zitiert, ohne meine eigene Meinung zu äußern, und sie haben mich erneut zensiert, mich dazu gebracht, den Tweet zu löschen und mich erneut ins Twitter-Gefängnis geworfen."

Am 17. April twitterte Naomi Wolf, sie sei zum vierten Mal von Twitter ausgeschlossen worden, weil sie eine Stanford-Studie geteilt habe, "um die mangelnde Wirksamkeit von Schutzmasken zu beweisen". Diese Studie wurde ebenfalls von Experten begutachtet.

Dies sind keine isolierten Fälle, bei denen Twitter entscheidet, dass Goddek und Wolf nicht in der Lage sind, über die Wirksamkeit oder die Gefahren von Schutzmasken zu diskutieren. Twitter zensiert so ziemlich alles über COVID, was nicht mit der von der WHO und anderen derartigen Gesundheitsorganisationen vertretenen Meinung übereinstimmt.

Selbst ein bekannter Epidemiologe wurde von Twitters Bannstrahl getroffen. In einem Artikel im American Institute for Economic Research heißt es:

"Harvard-Professor und Mitunterzeichner der Great-Barrington-Deklaration, einer der weltweit am häufigsten zitierten Epidemiologen und Experten für Infektionskrankheiten, wurde von Twitter zensiert. Sein Tweet darüber, dass nicht jeder einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 braucht, wurde zwar nicht gelöscht. Er wurde aber mit einer Warnung versehen und die Nutzer wurden daran gehindert, den Beitrag zu liken oder zu retweeten."

Der Artikel betont auch:

"Dr. Kulldorff gehört zu einer Fachgruppe für COVID-19 Impfstoffsicherheit, auf deren Fachwissen zu diesem Thema sich die kanadischen und amerikanischen Gesundheitsbehörden verlassen."

Am 10. April twitterte eine Gruppe namens Drs4CovidEthics (Ärzte für COVID Ethik):

"Noch keinen Monat auf Twitter und wir wurden von unserem Konto ausgeschlossen und mussten unseren angehefteten Tweet löschen. Wir müssen uns entweder selbst zensieren oder wir werden von Twitter gesperrt, sagt Twitter sinngemäß. Wir dürfen offiziellen Quellen nicht widersprechen. Aber unsere Veröffentlichung widerspricht offiziellen Quellen. Mit gutem Grund. Den wir aber nicht twittern dürfen."

Was wissen denn diese Ärzte schon besser als die Twitter-Zensoren? Sie sind lediglich "Ärzte und Wissenschaftler aus mehr als 25 Ländern, darunter Leiter von Intensivstationen, weltweit führende Immunologen, Experten für öffentliche Gesundheit, Arzneimittelsicherheit, Atemwegserkrankungen, Allgemeinmediziner, Forscher in den Bereichen Impfstoffe, Pharmakologie, Virologie, Biochemie …"

Ich habe nach weiteren Beispielen für extreme Twitter-Zensur gesucht und fand eine weitere Zensur von Informationen in Bezug auf Impfstoffe sowie die Schlussfolgerung einer Person, warum Diskussionen über Impfstoffe besonders tabu sind: "157 Milliarden US-Dollar kaufen viele Facebook- und Twitter-Verbote."

Die beliebte unabhängige Website Off Guardian wurde kürzlich von Twitter ausgeschlossen, weil sie einen ihrer eigenen Artikel über COVID-Impfstoffe veröffentlicht hatte. Tatsächlich zensiert Twitter Off Guardian seit mindestens einem Jahr. Wenn Twitter-Nutzer versuchen, einen Link zu einem Off Guardian Artikel zu öffnen, wird eine Warnung angezeigt, dass der Link möglicherweise unsicher sein. Die Warnung wird mit einem großen blauen Knopf versehen, mit dem man zur vorherigen Seite zurückzukehren kann und einem winzigen "Weiter" mit dem man zum Artikel gelangt. Gleiches gilt für die unabhängige kanadische Website Global Research.

Letztes Jahr habe ich versucht, einen Artikel des angesehenen Journalisten F. William Engdahl für New Eastern Outlook (NEO) zu twittern. Twitter erlaubte mir nicht einmal, ihm zu twittern, sondern gab mir eine Warnmeldung an, dass der Link "potenziell schädlich" sei. Und es geht nicht nur um COVID. Gerade habe ich versucht, einen anderen NEO-Artikel zu twittern, der nichts mit COVID zu tun hat. Und der wurde erneut mit derselben Warnmeldung versehen. Ein Twitter-Account, der sich auf die Propaganda um die chinesische Provinz Xinjiang fokussierte, bekam seinen Account gesperrt. Und als die New York Post Artikel über die E-Mails von Hunter Biden veröffentlichte, sperrte Twitter das Konto der Zeitung. Umso deutlicher wird dadurch, dass es nicht um "Fakten" oder "Sicherheit" geht, sondern um offensichtliche Zensur.

Unabhängig davon, ob man einem Standpunkt oder Kommentar einer der von Twitter zensierten Personen zustimmt oder nicht, sollte es uns gestattet sein, auf deren Perspektive zuzugreifen, für uns selbst zu recherchieren und zu unseren eigenen Schlussfolgerungen zu gelangen. Wir brauchen Twitter nicht, um uns bei der Hand zu nehmen, während uns die vorherrschende Meinung mit dem Löffel zu füttern.

Die Twitter "Richtlinien" besagen: "Der Zweck von Twitter ist es, das öffentliche Gespräch zu dienen. Unsere Regeln sollen sicherstellen, dass alle Menschen frei und sicher am öffentlichen Gespräch teilnehmen können." Wer das glaubt, dem habe ich eine Brücke zu verkaufen.

Mehr zum Thema - Redfish-Zensur: Ist Facebook so sehr bemüht, "Russland eins auszuwischen"?

Eva Bartlett ist eine unabhängige kanadische Journalistin und Aktivistin. Sie war jahrelang vor Ort über Konfliktzonen im Nahen Osten berichtet, insbesondere in Syrien und Palästina (wo sie fast vier Jahre lang lebte).

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Sehr geehrte RT DE-Leser,

wir sind auf einen neuen Dienst für die Kommentarfunktion umgestiegen.

Da wir die Privatsphäre unserer Leser respektieren und Ihre Daten nicht an eine Drittplattform übermitteln werden, müssen Sie sich erneut registrieren. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeit und hoffen, dass sie sich weiterhin mittels der Kommentarfunktion über aktuelle Themen austauschen und informieren können.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre RT DE-Redaktion