Meinung

Redfish-Zensur: Ist Facebook so sehr bemüht, "Russland eins auszuwischen"?

Wenn Social-Media-Posts, die den Sturz von Benito Mussolini und Adolf Hitler oder die Befreiung von Auschwitz feiern, wegen Verstoßes gegen die "Gemeinschaftsstandards" von Facebook zensiert werden, stimmt möglicherweise etwas nicht mit dieser "Gemeinschaft".
Redfish-Zensur: Ist Facebook so sehr bemüht, "Russland eins auszuwischen"?Quelle: Sputnik © Dado Ruvic

von Nebojsa Malic

Am Freitag hat Facebook die Seite von Redfish, einem preisgekrönten Berliner Projekt für digitale Inhalte, das mit RT verbunden ist, mit mehr als 830.000 Followern gelöscht. In einer an Redfish gesendeten automatisierten Nachricht schrieb Facebook, ein Porträt des faschistischen italienischen Diktators, das kopfüber in einem Facebook-Beitrag erschien, rechtfertige eine dritte "Strafmaßnahme". Zuvor hatte Redfish "Strafmaßnahmen" für Fotos von Auschwitz-Überlebenden erhalten, was gegen Tabus in den "Gemeinschaftsstandards" in Bezug auf "Nacktheit und sexuelle Aktivität" verstieß.

Entschuldigung, wie bitte?

Ich stimme hier mit Anthony Bellanger von der Internationalen Journalisten-Föderation (IFJ) überein, der zu RT sagte: "Wenn Bilder von Gefangenen, die während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis festgenommen wurden, entfernt werden, weil sie angeblich gegen 'Richtlinien bezüglich Nacktheit' verstoßen, sind die Algorithmen von Facebook nicht zweckmäßig." Ohne Frage.

Es ist jedoch nicht nur ein Problem mit den Facebook-Algorithmen – oder vielleicht sogar mit menschlichen Mitarbeitern –, die an der Zensur beteiligt sind. Sehen wir uns mal an, was zensiert wurde: ein Porträt von Mussolini, das kopfüber dargestellt ist (und wohlgemerkt nicht das tatsächliche grausame Foto der Hinrichtung des faschistischen Diktators, dessen Leiche öffentlich kopfüber aufgehängt wurde), und Fotos von überlebenden Insassen von Auschwitz, dem berüchtigten Todeslager der Nazis, das im Januar 1945 befreit worden war.

Letztes Jahr um den 9. Mai herum, als Menschen versuchten, das berühmte ikonische Foto der Soldaten der Roten Armee zu teilen, die eine sowjetische Flagge auf dem Reichstag in Berlin gehisst hatten, wurde auch dies von Facebook als "Verstoß gegen unsere Gemeinschaftsstandards für gefährliche Personen und Organisationen" zensiert.

Könnte es sein, dass Facebook versucht, genaue historische Informationen über den Zweiten Weltkrieg zu unterdrücken? Angesichts der Reihe von "Versehen" und "Fehlern", die die US-Regierung und westliche Mainstream-Medien in den letzten Jahren zu diesem Thema begangen haben, ist man sicherlich versucht, zu dieser Schlussfolgerung zu gelangen – von der Erklärung, dass "Soldaten" Auschwitz befreit haben, ohne jedoch die UdSSR und die Rote Armee zu erwähnen, über die Behauptung, es seien die USA gewesen, bis hin zur Unverschämtheit, nur den USA und Großbritannien zum Sieg im Zweiten Weltkrieg zu gratulieren und den sowjetischen Beitrag auszublenden.

Die alternative Erklärung – da der Social-Media-Gigant keine eigene angeboten hat, die über das vorgefertigte "Community-Geschwätz" hinausgeht – ist, dass es nicht um das Was, sondern um das Wer geht. Bevor man sich fragt, warum Mark Zuckerbergs Panoptikum – dessen politische Sympathien bekannt sind – sich gegen ein sich links positionierendes Projekt wendet, erinnern wir uns daran, dass Redfish als Teil einer moralischen Panik des Westens gegen Russland wegen angeblicher Einmischung in unsere Demokratie als "russisches staatsnahes Medium" etikettiert wurde.

Facebook ist eine Partnerschaft mit dem Atlantic Council eingegangen, einer NATO-Denkfabrik, die von großen westlichen Waffenherstellern finanziert wird und die Aufgabe hat, die russische Bedrohung aufzubauschen. Diese hat kürzlich den professionellen Hexenjäger Ben Nimmo eingestellt, einen angeblichen Mitarbeiter der Integrity Initiative, die wiederum eine geheime britische Informationskriegsoperation ist.

Dann spielt es keine Rolle, dass Redfish "woke" ist und die Ungerechtigkeiten im Zusammenhang mit dem Brand im Grenfell Tower 2017 anprangerte, bei dem 72 Menschen ihr Leben verloren hatten und Hunderte von Lebensgrundlagen zerstört worden waren – die schlimmste Katastrophe ihrer Art in Großbritannien seit dem Zweiten Weltkrieg. Es ist "Russland", und somit muss es zensiert werden.

Die Komplizen von Facebook bei YouTube haben kürzlich auch RT zensiert, sowohl den englisch- als auch den deutschsprachigen Kanal, wegen angeblicher "COVID-19-Fehlinformationen", die nichts dergleichen waren. Die Botschaft, die diese in den USA ansässigen Big-Tech-Unternehmen an die Welt senden, ist unverkennbar: Nur die offizielle Wahrheit, die von den Machthabern festgelegt wurde, wird zugelassen. Fügt euch, andernfalls …

Anscheinend sind sie so zuversichtlich seit dem Erfolg, die US-Wahlen 2020 "befestigt" zu haben, dass diese Unternehmen glauben, sie könnten Schiedsrichter der Wahrheit für die ganze Welt sein – und es scheint ihnen nichts auszumachen, wenn sich dies in der Verteidigung tatsächlicher Faschisten und Nazis niederschlägt. Freiheit und Demokratie bei der Arbeit!

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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Nebojsa Malic ist ein serbisch-amerikanischer Journalist, Blogger und Übersetzer, der von 2000 bis 2015 eine regelmäßige Kolumne für Antiwar.com schrieb und jetzt leitender Autor bei RT ist. Folgen Sie ihm auf Telegram @TheNebulator und auf Twitter @NebojsaMalic

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