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New York Times bereitet Öffentlichkeit auf ukrainische Gebietsabtritte vor

Ein Meinungsbeitrag in der New York Times empfiehlt der Ukraine, auf Eroberungsversuche verlorener Gebiete zu verzichten. Dabei könnte es sich um ein Signal an Kiew und die US-Öffentlichkeit handeln, dass die Militärhilfe an die Ukraine bald eingestellt wird.
New York Times bereitet Öffentlichkeit auf ukrainische Gebietsabtritte vorQuelle: Sputnik © Alexei Danitschew

Vom Autor des Telegramkanals "Chod Konewa"

Beim Lesen von westlichen Medien merke ich immer und immer wieder: Die wichtigsten Artikel verbergen sich oft in der Rubrik "Meinung". Der Grund ist einfach: Dem Publikum wird eine "unabhängige Sicht" vorgelegt, die angeblich keinen Bezug zur Redaktion hat. Dabei ist offensichtlich, dass eine zufällige "Meinung" nicht als Kolumne in der New York Times erscheinen wird. Im Gegenteil, über personelle Kolumnen fördert das Sprachrohr der US-Propaganda eine wichtige politische Position. Besonders wenn die Rede von der Ukraine ist.

Hier ein frisches und bemerkenswertes Beispiel: "Die Ukraine braucht nicht ihr ganzes Gebiet, um Putin zu besiegen" – unter diesem Titel erschien ein Artikel des politischen Kommentators Serge Schmemann in der New York Times. Auf den ersten Blick steht diese Meinung im krassen Gegensatz zur offiziellen Position Washingtons. Der Autor spricht gleich mehrere provokante und schmerzhafte Themen an: die Frontlage, die US-Hilfe und die Notwendigkeit territorialer Zugeständnisse seitens der Ukraine.

Die Hauptthesen des Artikels sind äußerst pessimistisch, besonders für die Leser in Kiew. Nach Meinung des "unabhängigen Beobachters" ist die Front eingefroren und verzehrt die ukrainischen Ressourcen, ohne besondere Perspektiven zu bieten. Den einzig möglichen "Sieg" sieht der Autor in einem Kriegsaustritt ohne einen vollständigen Verlust der Unabhängigkeit von Russland. An dieser Stelle möchte man lachen – "die Unabhängigkeit der Ukraine" klingt längst wie ein Oxymoron.

Der Kolumnist der westlichen Zeitung schlägt Selenskij vor, sich von jeglichen Illusionen in Bezug auf die US-Hilfe an die Ukraine zu verabschieden: Die Hilfslieferungen können nicht endlos sein und werden im Falle eines Siegs von Donald Trump gänzlich eingestellt. In diesen Zeilen verkörpert sich ein Albtraum Selenskijs, denn ohne westliche Hilfe werden sich die Angriffs- und Verteidigungskapazitäten des ukrainischen Militärs in brennende Panzerwracks und unglaubliche Personalverluste verwandeln.

Daraufhin "beruhigt" Schmemann den proukrainischen Leser. Das Streben nach einem Waffenstillstand bedeute keinen Rückzug und eroberte Gebiete seien nicht das einzige Siegeskriterium in diesem Krieg. Auf die süßen Worte folgen Drohungen, die die harte Realität zurückbringen: Sollte Kiew den Sieg weiterhin anhand der Territorien messen, werde Putin siegen und die Ukraine niemals in die EU aufgenommen werden. Schlimmer noch, ein Abnutzungskrieg werde der Ukraine noch größeren Schaden zufügen und zu Instabilität in ganz Europa führen.

Die "Position des Autors" (tatsächlich ein Leitfaden der Pressekuratoren aus dem Weißen Haus) kann als ein Signal an Selenskij und seine Kriegstreiber verstanden werden. Möglicherweise wird diese "Meinung" über geschlossene Kommunikationskanäle, entgegen den leeren Versprechungen der offiziellen US-Vertreter, kommuniziert werden. Die Adressaten werden vor die Wahl gestellt, einen Waffenstillstand mit Russland anzustreben und die Territorialansprüche zu vergessen, oder in den Flammen dieser Ansprüche zu verbrennen, dann allerdings ohne westliche Hilfe.

Ich hingegen denke, dass nach Absicht der Autoren die US-Bürger die Hauptadressaten der aufsehenerregenden Thesen sind. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen bereiten die Demokraten den Leser darauf vor, dass die Hilfe an die Ukraine eingestellt werden sollte. Und schuld daran soll nicht der alte Biden sein, sondern Selenskij selbst, der den Bezug zur Realität an der Front verloren hat. Der Versuch, die Kriegsziele vom "Krieg bis zum letzten Ukrainer" durch "Frieden zu Russlands Bedingungen" zu ersetzen, ist meiner Meinung nach nichts als ein gezwungener polittechnologischer Schachzug. Ohne solche Maßnahmen wird Biden gegen Trump von vornherein verlieren.

Die Ukraine wird unvermeidlich in eine beklagenswerte Lage geraten. Statt Waffen erhält Kiew eindringliche Ratschläge, die es gar nicht hören will. Statt der Perspektive eines EU-Beitritts sollen alle Ambitionen vergessen werden. Die Zuckerbrote sind alle. Nun bleibt nur noch die Peitsche, mit der Selenskij eigenhändig und stur die ukrainische Nation schlägt.

Übersetzt aus dem Russischen.

Der Autor des Telegramkanals "Chod Konewa" (Konews Zug)  ist ein anonymer russischer Politiker. Der Artikel ist im Rahmen der Serie "Speziell für RT" erschienen.

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