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Die Meinung des Westens über das Geschehen im Donbass ist im Wandel

Die Bewohner in dem von Kiew kontrollierten Gebiet des Donbass warten auf den russischen Frieden, in ihnen ist eine Proteststimmung erwacht. Französische Journalisten, die mit Einwohnern von Kramatorsk sprachen, konnten sich davon überzeugen. Die Bewohner gaben Informationen über Standorte des ukrainischen Militärs preis, so dass die russische Armee gezielte Angriffe durchführen konnte.
Die Meinung des Westens über das Geschehen im Donbass ist im WandelQuelle: AFP © BULENT KILIC / AFP

von Andrei Restschikow

In einem Artikel für Agence France-Presse berichteten französische Journalisten über die Stimmungslage der Bevölkerung in der Ostukraine. Die Autoren des Berichts verweisen darauf, dass "viele Einheimische keinen Zweifel daran haben, warum diese Gebiete Angriffen ausgesetzt sind – sie sagen, die ukrainischen Truppen hätten sich in verlassenen Häusern und Schulen verschanzt". Auch Pawel Kirilenko, Gouverneur des von Kiew kontrollierten Teils der Region Donezk, bestätigt, dass viele Menschen auf den russischen Frieden warten. Damit erklärte er die genaue Kenntnis des russischen Militärs von der Stationierung ukrainischer Truppen in Häusern und Schulen in Städten des Donbass.

Die Schule Nr. 23, die für 500 Schüler bestimmt war, wurde in Kramatorsk als eine der ersten zerstört. Nach Aussage von Denis Sysojew, einem lokalen Verantwortlichen für das Bildungswesen, sind seit Beginn des Krieges sieben weitere Schulen in der Stadt beschädigt worden. Der Artikel besagt, dass die Schule Nr. 23 als Lebensmittellager genutzt wurde. Doch Jewgeni, ein 70-jähriger Drechsler, erklärte den französischen Journalisten, warum die Schule beschädigt wurde: "Die Russen zielen auf ukrainische Soldaten". "Ich weiß nicht, ob sie noch in der Schule waren (als das Gebäude getroffen wurde), doch wir konnten sie hier regelmäßig kommen und gehen sehen", sagte der Rentner. "Und es gibt viele 'wohlmeinende' Menschen in unserer Gegend, die den Russen helfen und sie informieren wollen."

Natalia, die Mutter von drei Schülern dieser Schule, ist der gleichen Meinung. Zusätzlich erwähnte sie eine Gruppe von Einheimischen im Telegram-Messenger, wo, wie sie sagte, die Kommentare keinen Zweifel daran lassen, "wer pro-russisch ist und wer nicht".

Nicht weniger Aufsehen erregte ein Interview mit der US-Journalistin Ann Coulter. In einem Interview mit dem bekannten britischen TV-Moderator Piers Morgan beschuldigte sie die NATO, die Ukraine-Krise provoziert zu haben, und forderte den Westen auf, Kiew nicht länger zu unterstützen. "Die Ukraine war historisch gesehen eine Einflusszone des russischen Reiches. Was die NATO betrifft, so hat das Bündnis nach dem Zusammenbruch der UdSSR keinen sinnhaften Zweck mehr, doch wir hören nicht damit auf, uns zu erweitern", so Coulter.

Ende vergangener Woche beschuldigte der britische Journalist Rod Liddle in einem Artikel für die Times seine westlichen Kollegen, die Wahrheit über die bedeutenden Erfolge Russlands bei der Spezialoperation zu verheimlichen. Stattdessen übertreiben die Journalisten über die Fähigkeiten der ukrainischen Streitkräfte (AFU), und "jede Aussage eines ukrainischen Politikers, sei sie auch noch so lächerlich, wird für bare Münze genommen". Eine solche Berichterstattung sei Wunschdenken, folgerte Liddle.

Der Politologe und ehemalige Chefredakteur der Zeitung Kiew Telegraph, Wladimir Skatschko, hält solche Berichte und Äußerungen von Journalisten für Versuche, eine weiche Unterlage für den kommenden Sturz der AFU und des Kiewer Regimes zu finden. "Die französische Journalisten verschaffen den Kiewer Behörden ein Alibi für den Fall, dass sie völlig versagen. Man kann jederzeit auf solche Berichte zurückgreifen und behaupten: "Wir haben euch doch gewarnt". Auf diese Weise kann man nicht nur die Niederlage der AFU erklären, sondern auch versuchen, diejenigen zu bestrafen, die an der ukrainischen Krise und dem zukünftigen Scheitern beteiligt sind", meint Skatschko.

Solche Publikationen in der ausländischen Presse zeigen, dass es im Westen "noch einen gesunden Menschenverstand und die Fähigkeit zur Vorhersage gibt". "Manchmal gehen westliche Journalisten zu weit – von der totalen Ablehnung Russlands bis zur totalen Begeisterung", sagte der Experte.

Und der Politologe Wladimir Kornilow erinnerte daran, dass immer wieder Berichte von der Frontlinie in den westlichen Medien veröffentlicht wurden, in denen es darum ging, was die Bewohner des Donbass tatsächlich von den Ukrainern halten. "Solche Berichterstattung gab es aus Sewerodonezk und Lissitschansk, als die ukrainischen Truppen noch in diesen Städten waren. Die Einheimischen, obwohl sie von den Problemen wussten, die sie zu erwarten hätten, sprachen trotzdem davon, dass sie auf die Russen warten würden. Ganz allgemein hätte jeder halbwegs objektive Journalist, von denen es in den französischen Medien doch einige wenige gibt, dies nicht übersehen können. Manchmal sickert dies jedoch in Berichte westlicher Journalisten und sogar in Äußerungen einiger ukrainischer Persönlichkeiten, Offiziere und Soldaten, durch, die offen zugeben, dass die Bewohner des Donbass sicherlich keine Patrioten der Ukraine sind", betonte Kornilow.

Der Gesprächspartner fügte hinzu, dass die Einheimischen, mit denen er spricht, sich auf Russland freuen. "Das ist die Mehrheit, und davon gibt es viele Berichte westlicher Journalisten, die vor Ort waren, nicht von denen, die aus London schreiben. Der überwiegende Teil der Bewohner des Donbass wartet auf Russland", betonte Kornilow.

Alexander Perendschiew, außerordentlicher Professor für Politikwissenschaft und Soziologie an der Russischen Wirtschaftsuniversität Plechanow und Mitglied des Expertenrats "Offiziere Russlands", stellt ebenfalls fest, dass der Bericht der Agence France-Presse vor dem Hintergrund der verlogenen Materialien zur Lage im Donbass hervorsticht. Es ist ein Versuch, das wahre Bild zu zeigen, zu sagen, dass die Anwohner das russische Militär als Befreier erwarten und dass die ukrainischen Truppen als Besatzer auf fremdem Territorium wahrgenommen werden. In Zukunft wird die Zahl solcher Veröffentlichungen im Westen nur noch zunehmen.

"Es scheint, der Versuch einer Auseinandersetzung zu sein, um zu verstehen, was die Bewohner des Donbass selbst denken. Jetzt ist ein Wendepunkt im System der öffentlichen Meinungsbildung des Westens. In diesem konkreten Fall könnte gerade Frankreich der Vorkämpfer sein", glaubt Perendschiew.

Dem Experten zufolge helfen solche Bemühungen, das Kräftegleichgewicht im Donbass zu verstehen und zu begreifen, warum "die verbündete russische Koalition auf jeden Fall vorankommt".

"Ich hoffe, dass die Franzosen bereits verstehen, dass Kramatorsk und Slawjansk zum Ursprung dieses 'russischen Frühlings' gehören. Möglicherweise wollten die Journalisten herausfinden, ob die Proteststimmung noch anhält, weil ukrainische Truppen in diese Städte eingedrungen waren, dort fand eine Strafexpedition statt, die das Chaos hätte austilgen sollen. Doch jetzt zeigt sich die Unmöglichkeit einer solchen Säuberungsaktion, wenn es eine heimliche Proteststimmung gibt", so der Gesprächspartner abschließend.

Übersetzt aus dem Russischen

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