International

TV-Programm der Deutschen Welle in Afghanistan nicht mehr erlaubt

Afghanische Medien dürfen laut einem Beschluss der regierenden Taliban Programminhalte der Deutschen Welle nicht mehr für ihr TV-Programm nutzen. Betroffen sind auch die britische BBC und der US-Auslandssender Voice of America.
TV-Programm der Deutschen Welle in Afghanistan nicht mehr erlaubt© picture alliance / Kontributor

DW (bis Februar 2012 auch Deutsche Welle TV) ist der öffentlich-rechtliche deutsche Auslandsfernsehsender der Deutschen Welle. Neben dem Hauptsitz der Deutschen Welle in Bonn wird das mehrheitlich nachrichten- und informationsorientierte Radio- und TV-Programm in Berlin produziert. DW-Intendant Peter Limbourg teilte der Nachrichtenagentur dpa am Montag mit, die regierenden Taliban hätten in einer offiziellen Mitteilung erklärt, dass der Sender über afghanische TV- bzw. Satellitenprogramme nicht mehr ausgestrahlt werden kann. Limbourg sagte in einer ersten Reaktion:

"Die zunehmende Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit in Afghanistan ist sehr beunruhigend. Dass die Taliban jetzt die Verbreitung der Programme der DW durch unsere Medienpartner unter Strafe stellen, behindert eine positive Entwicklung in Afghanistan. Dafür sind freie Medien unerlässlich, und wir werden alles unternehmen, um die Menschen in Afghanistan über das Internet und soziale Medien auch weiterhin mit unabhängigen Informationen zu versorgen."

Der afghanische Dienst der DW erklärte, dass "einige DW-Programme nicht mehr von afghanischen Partnern ausgestrahlt werden". Die BBC teilte bereits am Sonntag mit, dass Teilbereiche der Nachrichtensendungen nicht mehr ausgestrahlt werden könnten. Auf der englischsprachigen Seite der DW heißt es zu den jüngsten Ereignissen:

"Die Taliban treffen DW und BBC mit Sendeverboten in Afghanistan. Die Taliban gehen hart gegen ausländische Medien in Afghanistan vor. DW-Programme, die von Partnern in Paschtu und Dari ausgestrahlt werden, werden verboten. Die BBC teilte mit, dass die Sendungen in Paschtu, Persisch und Usbekisch entfernt wurden." 

Das Vorgehen der Taliban gegen den Rundfunk zielt auf die politische Talkshow "Aashti" der DW in den Sprachen Dari und in Paschtu beim lokalen Partner ToloNews. Auch seien die Wissenschaftssendungen auf Ariana TV und Shamshad betroffen. Tarik Kafala, Leiter des Bereichs Sprachen beim BBC World Service, teilte laut dem DW-Artikel mit, dass mehr als 6 Millionen Afghanen den "unabhängigen und unparteiischen Journalismus" der BBC konsumierten und dass es wichtig sei, dass ihnen der Zugang nicht verwehrt werde. Ob die Entscheidung seitens der Taliban auch mit regierungskritischen Beiträgen beider Sender zusammenhängt, wurde nicht thematisiert.

Die Taliban begründeten den Schritt laut dpa-Anfrage wie folgt: Weil ausländische Medien aus dem Ausland senden, habe man keinen Zugriff darauf, ihre Inhalte zu kontrollieren – etwa die Kleidung der Reporter. Außerdem hätten sie gelegentlich Inhalte ausgestrahlt, die zum Beispiel den eigenen religiösen Werten und der afghanischen Kultur widersprächen. Daher habe man beschlossen, die Programme dieser ausländischen Fernsehsender durch afghanische TV-Medien zu verbieten.

Der deutsche Ableger der DW titelte im November 2021: "Frauen im TV unter Taliban unerwünscht. Afghanistans Fernsehen soll weniger weiblich werden: Mit einem Erlass gegen Frauenrollen in TV-Sendungen zeigen die Taliban erneut, wie frauenfeindlich ihre radikalislamische Ideologie ist." Im März berichtete die DW darüber, dass Außenminister und Außenministerinnen aus 16 Staaten "nachdrücklich den Zugang zu Bildung für Mädchen in Afghanistan" seitens der Taliban-Regierung einfordern. Diese verbietet Schülerinnen ab der siebten Klasse am Unterricht teilzunehmen. Die BBC-Korrespondentin Yalda Hakim twitterte jüngst zu den aktuellen Geschehnissen in Afghanistan:

"Unglaublicher Mut – afghanische Mädchen, die für ihr Recht auf Bildung protestieren. Sie zeigen weiterhin so viel Mut und Unverwüstlichkeit. Wir hören euch."

Die Taliban blockieren laut der DW auch die Sendungen des internationalen US-Senders Voice of America (VOA) in Afghanistan. Taliban-Sprecher Abdul Haq Hammad bestätigte gegenüber der dpa, dass die VOA-Fernsehsendungen ebenfalls auf afghanischen Kanälen eingestellt worden sind. Die UN-Mission in Afghanistan verurteilte die Maßnahme der Taliban gegen internationale Medien als "eine weitere unerfreuliche Entwicklung". Es handele sich um einen erneuten "repressiven Schritt gegen das afghanische Volk". Laut der dpa kann die DW derzeit ihre Inhalte über die eigenen Kanäle, über Kurzwelle im Radio, die eigene Webseite und über soziale Medien in Afghanistan weiterhin verbreiten.

Mehr zum Thema - Erstmals nach Machtübernahme der Taliban: UN-Sicherheitsrat verlängert Afghanistan-Mission

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Liebe Leser und Kommentatoren,

wir schätzen die Möglichkeit sehr, Ihnen mit der Kommentarfunktion eine Plattform zum gegenseitigen Austausch bieten zu können. Leider müssen wir diese Möglichkeit vorübergehend einschränken, bis effektive Mittel und Wege gefunden sind sicherzustellen, dass dieses Kommunikationsmittel nicht missbraucht wird.

Das Kommentieren auf unserer Website soll für alle so sicher und so wenig einschränkend wie möglich sein, bei alledem jedoch Hass, Hetze und Beleidigungen konsequent ausschließen.

Ihr RT DE-Team