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Schwierige Zeiten für Roman Abramowitsch: Selbst Yad Vashem nimmt Abstand von Multimilliardär

Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem setzt die Kooperation mit Roman Abramowitsch aus. Der Verkauf seines Fußball-Vereins FC Chelsea kann nicht wie geplant durchgeführt werden, da das Vermögen des russischen Milliardärs eingefroren wird.
Schwierige Zeiten für Roman Abramowitsch: Selbst Yad Vashem nimmt Abstand von MultimilliardärQuelle: Gettyimages.ru © Alexander Hassenstein - UEFA / Kontributor

Der russisch-israelische Milliardär Roman Abramowitsch ist seit dem 30. April 2021 im Besitz der portugiesischen Staatsbürgerschaft. Diese erhielt er im Zuge des sogenannten portugiesischen "Rückkehrgesetzes", welches den Nachkommen sephardischer Juden seit dem Jahr 2015 durch ein entsprechendes Gesetz Wiedergutmachung für die Verfolgung Familienangehöriger aus Spanien und Portugal ermöglicht. Laut dem Informationsportal Mazal der Jüdischen Gemeinde Porto hat Abramowitsch Geld für Projekte gespendet, die das Erbe der portugiesischen sephardischen Juden in der deutschen Stadt Hamburg ehren.

Am 22. Februar heißt es in einer längeren Mitteilung auf der Seite der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel:

"Yad Vashem, das World Holocaust Remembrance Center und Roman Abramovich gaben heute eine neue langfristige strategische Partnerschaft bekannt, die darauf abzielt, die Bemühungen von Yad Vashem in den Bereichen Holocaustforschung und -gedenken zu stärken. Die Partnerschaft ist Teil der weltweiten Wohltätigkeitsarbeit von Roman Abramovich zur Förderung der Holocaustforschung und -erziehung sowie zur Bekämpfung des Antisemitismus."

Die Jüdische Allgemeine konkretisierte die Ankündigung mit der Information, dass der Milliardär damit "zweitgrößter Privatsponsor der Holocaust-Gedenkstätte" wurde. Demnach spendete Abramowitsch laut dem Artikel "der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem mehrere Millionen Schekel." Yad-Vashem-Chef Dani Dayan wird mit den Worten zitiert, dass die Gedenkstätte "zutiefst dankbar für diesen großzügigen Beitrag (sei), der die Mission von Yad Vashem erheblich stärken wird". Nach Museumssprecher Simmy Allen handele es sich um eine "achtstellige Spende". 

Gerade einmal knapp drei Wochen später teilte die Presseabteilung der Gedenkstätte nun mit, dass die jüngst beschlossene Kooperation schon wieder ein Ende findet. So heißt es in der "Ankündigung der Aussetzung der strategischen Partnerschaft mit Herrn Roman Abramowitsch" vom 10. März recht kurz und knapp:

"Angesichts der jüngsten Entwicklungen hat Yad Vashem beschlossen, die strategische Partnerschaft mit Herrn Roman Abramovich auszusetzen."

Die Nachrichtenagentur dpa titelte: "Gedenkstätte Yad Vashem beendet Kooperation mit Abramowitsch". Abramowitsch ist international vor allem als Besitzer des Londoner Fußballklubs FC Chelsea bekannt, den er 2003 für 210 Millionen Euro erwarb. Am 2. März kündigte der Milliardär an, den Verein nach fast 20 Jahren verkaufen zu wollen. Er wird mit den Worten zitiert:

"Für mich ging es nie um Geschäft oder Geld, sondern um die reine Leidenschaft für das Spiel und den Verein."

Das Manager-Magazin berichtet hierzu, dass Abramowitsch selbst angeordnet habe, dass "das Geld einer gemeinnützigen Stiftung zukommen solle. Diese werde 'allen Opfern des Krieges in der Ukraine zugutekommen', als Soforthilfe und zur Unterstützung des langfristigen Wiederaufbaus." Abramowitsch steht seit Wochen in Großbritannien wegen seiner angeblichen Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin im Fokus der britischen und internationalen Medien. Abgeordnete des britischen Unterhauses forderten vehement, ihn auf eine Sanktionsliste setzen zu lassen.  

Nun verkündete die britische Regierung diese Woche, dass das Vermögen des russischen Milliardärs eingefroren wird. Das Finanzministerium teilte als Begründung mit:

"Abramovich steht mit einer Person in Verbindung, die daran beteiligt ist oder war, die Ukraine zu destabilisieren und die territoriale Integrität, Souveränität und Unabhängigkeit des Landes zu bedrohen, nämlich mit Wladimir Putin."

Nadine Dorries, Ministerin für Digitales, Kultur, Medien und Sport der britischen Regierung, twitterte zu der Thematik:

"Putins Angriff auf die Ukraine geht weiter & wir werden stündlich Zeuge einer neuen Stufe des Bösen. Heute hat die Regierung weitere Sanktionen gegen Personen angekündigt, die mit der russischen Regierung in Verbindung stehen. Auf dieser Liste steht auch Roman Abramowitsch, der Eigentümer des Chelsea Football Club."

Laut CNBC würde Abramowitsch damit zu den sieben russischen Geschäftsleuten gehören, die auf die jüngst beschlossene Sanktionsliste gesetzt wurden, "um den Druck auf den Pariastaat wegen seines Einmarsches in die Ukraine zu verstärken". Laut Angaben und Ergänzungen der britischen Regierung setzt sich die Londoner Liste wiefolgt zusammen:

  • Roman Abramowitsch ist Eigentümer des FC Chelsea und hält Anteile am Stahlriesen Evraz und Norilsk Nickel;
  • Oleg Deripaska hat Anteile an der En+ Group;
  • Igor Setschin ist der Vorstandsvorsitzende von Rosneft;
  • Andrei Kostin ist Vorsitzender der VTB Bank;
  • Alexei Miller ist Vorstandsvorsitzender des Energieunternehmens Gazprom;
  • Nikolai Tokarew ist Präsident des staatlichen russischen Pipelineunternehmens Transneft;
  • Dmitri Lebedew ist Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bank Rossija.

Die Vermögenswerte aller sieben Männer werden eingefroren, zudem werden Reisebeschränkungen verhängt. Premierminister Boris Johnson erklärte dazu:

"Es kann keine sicheren Häfen für diejenigen geben, die Putins bösartigen Angriff auf die Ukraine unterstützt haben."

Englands Außenministerin Liz Truss wird auf der Website der Regierung mit den Worten zitiert:

"Das Blut des ukrainischen Volkes klebt an ihren Händen. Sie sollten ihre Köpfe in Schande hängen lassen. Unsere Unterstützung für die Ukraine wird nicht erlahmen. Wir werden nicht nachlassen, den Druck auf das Putin-Regime zu erhöhen und seiner brutalen Kriegsmaschinerie den Geldhahn zuzudrehen."

Für den FC Chelsea bedeutet diese politische Entscheidung, dass bis auf Weiteres keine Spieler-Transfers, kein Ticketverkauf und nicht einmal ein geöffneter Fanshop möglich sind. Zudem sei durch die Listung der anvisierte Verkauf des Vereins erstmal in weite Ferne gerückt. Damit stehe "der Verein des deutschen Teammanagers Thomas Tuchel vor einer ungewissen Zukunft", so eine Einschätzung des Magazins Sky Sport.

In dem Artikel heißt es weiter, dass sogar ein Stopp des Spielbetriebs für den Verein in Erwägung gezogen wurde. Diesen verhinderte jedoch die Regierung von Boris Johnson "mit einer Sonderlizenz". Sie ermöglicht, "weiterhin Fußballspiele auszutragen und anderen Aktivitäten in Zusammenhang mit Fußball nachzugehen, um die Premier League, die Fußball-Pyramide, loyale Fans und andere Klubs zu schützen", so die Darlegung im Artikel.

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