International

Wiens Chefdiplomatin a.D. Kneissl spricht von machtloser russophober "Kriegseuphorie" des Westens

Von "Kriegseuphorie" gegen Russland, bei der sich im Westen Politiker und Mainstreammedien förmlich überbieten, sprach die ehemalige Außenministerin Österreichs Karin Kneissl im Interview mit RT – ebenso wie von deren Realitätsferne aufgrund schierer Unfähigkeit der NATO-Militärs.

Die angeblichen Pläne Russlands zu einem (unprovozierten, wie denn auch sonst) Einmarsch in die Ukraine malt im Westen ein Politiker und ein Mainstream-Medienhaus nach dem nächsten in immer neuen Details an die Wand – überbieten sich gegenseitig förmlich, als gehe es um eine Art Versteigerung der Panik. (Löbliche Ausnahmen finden sich zum Beispiel hier.) Und das Bild, das da entsteht, "entspricht ja nicht ganz der Realität, das ist eine Realität, die die Medien hergestellt haben" – denn mittlerweile, erinnert die Diplomatieveteranin, ist die russische Invasion nach einigen dieser Prognosen (nicht zuletzt nach den aus dem Hause Springer) sogar überfällig.

Nicht einmal die Regierung der (man würde ja meinen, am besten Bescheid wissenden, zumal angeblich unmittelbar "bedrohten") Ukraine sieht eine derart unmittelbar ins Haus stehende Invasion, macht Kneissl aufmerksam – und zitiert deren Präsidenten Selenskij sinngemäß mit "Bitte beruhigen Sie alle sich wieder mal ein Bisschen". Karin Kneissl sieht dieses rhetorische Trara im kollektiven Westen als Anzeichen einer "Kriegseuphorie":

"Vor allem die Briten springen sozusagen in die Bresche und wollen päpstlicher als der Papst sein", bemerkte Österreichs ehemalige Außenministerin. Dass damit die Entsendung immer weiterer Waffen und sogar Truppen aus den NATO-Staaten in die Ukraine der Öffentlichkeit schmackhaft gemacht wird und dadurch das Risiko eines tatsächlichen Konfliktausbruchs wächst, er also im wahrsten Sinne des Wortes herbeigeredet wird, nimmt man dabei entweder in Kauf oder ignoriert es – obwohl gerade den europäischen NATO-Staaten am meisten daran gelegen sein muss, dies zu vermeiden: Bei einer solchen Entwicklung hätten sie nämlich die schlechtesten Karten.

Dies weiß Kneissl, die seinerzeit als Konfliktberichterstatterin den Kosovo-Einsatz der NATO-Truppen beobachtete sowie immer wieder an Militärakademien mit Vertretern der NATO unterrichtete, aus erster Hand – und führt das jüngste Beispiel dafür an: "Das Debakel in Afghanistan im August letzten Jahres sollte eigentlich zu einer Manöverkritik führen." Da sollte man, so Österreichs Ex-Chefdiplomatin, sich fragen: "Was wurde falsch gemacht, was haben wir nicht erreicht, und warum?"

"Und dieses Debakel, dass einige, wenn Sie so wollen, Stammeskriegern, 75 Tausend an der Zahl, die NATO in die Knie zwangen, sodass sie eines Tages die Flucht ergriffen und nicht einmal in der Lage waren, Mitarbeiter korrekt zu evakuieren – das sollte doch zu denken geben, inwieweit man dann in dieser neuen Herausforderung, die man teilweise selber auch mitprovoziert, wirklich einsatzbereit ist."

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