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Durchgesickertes Dokument enthüllt, welche Messenger die meisten Daten an das FBI senden

Ein durchgesickerter interner FBI-Bericht enthüllt, wie populäre Messenger-Dienste wie WhatsApp und iMessage Daten ihrer Benutzer regelmäßig an die US-amerikanischen Bundesbehörden und in einigen Fällen sogar alle 15 Minuten die Quelle und das Ziel von Nachrichten übermitteln.
Durchgesickertes Dokument enthüllt, welche Messenger die meisten Daten an das FBI sendenQuelle: www.globallookpress.com © © FBI

Ein Kommentar von Kit Klarenberg

Das sensible Dokument des FBI, das von der Aktionsgruppe für Transparenz ''Property of the People'' (Eigentum des Volkes) beschafft werden konnte, beschreibt in prägnanten, aber schockierenden Details, die Möglichkeit der Bundesbehörde, mittels Vollstreckungsbefehlen und Gerichtsbeschlüssen an Inhalte von Messenger-Diensten und die dazugehörigen Metadaten zu gelangen. Dabei zeigt sich, dass WhatsApp und iMessage von Apple zu jenen Diensten gehören, die am häufigsten Informationen an die Behörden übergeben.

Das Dokument, das auf den 7. Januar 2021 datiert ist, wurde von den Abteilungen für Wissenschaft und Technologie und für Operative Technologie des FBI erstellt. Es listet zum einen populäre Messenger-Dienste und zum anderen die Methoden auf, mit denen Informationen aus ihnen extrahiert werden können und auf welche Daten die Ermittler Zugriff haben.

Im Dokument ist festgehalten, dass das FBI mit einem Vollstreckungsbefehl über den WhatsApp-Besitzer Facebook/Meta an ''einfache Datensätze'' eines Benutzers kommen kann. Ein Gerichtsbeschluss liefert hingegen sogar ''tiefer gehende Informationen wie gesperrte Benutzer''. Ein Durchsuchungsbefehl kann dem FBI sogar ''Adressbuch- und WhatsApp-Kontakte einer Zielperson'' verschaffen. Ein Überwachungsbeschluss, bekannt als "pen register", führt dazu, dass WhatsApp dem FBI alle 15 Minuten die Daten über Absender und Empfänger der Nachrichten eines Benutzers übermittelt.

Der eigentliche Inhalt der Nachrichten wird anscheinend nicht offengelegt – obwohl selbst ohne Zugriff auf die Nachrichteninhalte, zu wissen, wer wann an wen getextet hat, immer noch sehr aufschlussreich ist und beispielsweise entscheidend sein könnte, um die Quelle durchgesickerter Informationen innerhalb einer Organisation zu identifizieren.

In jedem Fall kann das FBI auf WhatsApp-Nachrichten zugreifen, wenn ein Benutzer ein iPhone verwendet und das iCloud-Backup aktiviert hat. Dies wird dadurch erleichtert, dass Apple eine Richtlinie zur Herausgabe von Aufschlüsselungen der iCloud herausgegeben hat, als Reaktion auf Vollstreckungsbefehle des FBI, die der Behörde auch Zugriff auf iMessage gewähren. Anfragen für den Zugriff auf Daten, die gemäß dem Bundesgesetz 18 §2703 eingereicht werden, führen zu "Suchvorgängen bei iMessage zu und von einer Zielnummer für die Dauer von 25 Tagen".

Nichtsdestotrotz ist WhatsApp die einzige genannte Messenger-Plattform, die eine Abfrage von Daten in nahezu Echtzeit bietet. Das durchgesickerte Dokument erwähnt – vermutlich mit einigem Verdruss – wie sich das langsame Tempo, mit dem andere Anwendungen Informationen bereitstellen, "aufgrund von Verzögerungen bei der Lieferung von Daten auf die Ermittlungen auswirken kann".

Im Vergleich dazu ist die Datenmenge, auf die von anderen Messenger-Apps zugegriffen werden kann, gering. Zum Beispiel können Ermittler auf bestimmte Informationen über Benutzer des Messenger-Dienstes Signal zugreifen, einschließlich des Datums und der Uhrzeit, an der sich ein Benutzer registriert hat und wann er das letzte Mal in der App aktiv war – und das bei einer Anwendung, die, obwohl mit Mitteln der US-Regierung  entwickelt von Datenschutzbeauftragten oft gepriesen wird. Es wird auch auf die strikte Politik, der immer beliebter werdenden Anwendung Telegram hingewiesen, nicht mit behördlichen Anordnungen zu kooperieren, abgesehen von "Ermittlungen mit eindeutigem terroristischen Hintergrund'', bei denen die IP-Adressen der Nutzer und die verwendeten Telefonnummern an die zuständigen Behörden weitergegeben werden kann.

Dies ist ein seltener Einblick in die systematische Art und Weise, mit der US-Behörden auf private Informationen zugreifen können, und kann nur an den öffentlich gemachten Bekenntnissen von Apple und Facebook/Meta in Bezug auf die Privatsphäre der Benutzer zweifeln lassen. Erst im vergangenen September beteuerte der CEO von Apple, Tim Cook, kühn, dass sein Unternehmen "glaube, dass Privatsphäre ein grundlegendes Menschenrecht" und "eines der folgenschwersten Probleme unserer Zeit ist". Er prahlte damit, wie sein App-Store kürzlich Datenschutzrichtlinien im Stile einer Nährwerttabelle eingeführt habe, die den Benutzern erklärt, welche Informationen Apps über sie sammeln und warum.

"Es geht uns darum, dem Benutzer Transparenz und Kontrolle zu geben. Es klingt einfach, ist aber eine tiefgreifende Veränderung. Wir arbeiten für den Benutzer. Es geht nicht um einen Marketing-Gag oder einer weiteren Möglichkeit, Dinge zu verkaufen. Es ist ein zentraler Wert von uns", behauptete er. Dass solch Rascheln im Blätterwald absolut nur ein "Marketing-Gag" ist, wurde im Januar 2020 quasi bestätigt, als berichtet wurde, dass Apple aufgrund des direkten Drucks durch das FBI, seine Pläne aufgegeben habe, iPhone-Benutzern zu ermöglichen, Backups ihrer Geräte auf der iCloud, die bis zu zwei Jahren zurückliegen, vollständig zu verschlüsseln.

In ähnlicher Weise etwas schwer zu schlucken, war der lange Kommentar von Facebook/Meta-Chef Mark Zuckerberg vom März 2019 für die New York Times. Hier skizzierte er seine "auf Privatsphäre orientierte Vision der sozialen Netzwerke'', obwohl er neun Jahre zuvor proklamiert hatte, dass Privatsphäre nicht länger eine "soziale Norm sei".

Dennoch sprach der Facebook-Gründer mit offensichtlicher Leidenschaft und Gutheißung von "der Zukunft der Kommunikation, die zunehmend auf private, verschlüsselte Dienste ausweicht, bei denen die Leute darauf vertrauen können, dass das, was sie einander sagen, sicher bleibt und ihre Nachrichten und Inhalte nicht ewig im Netz kleben bleiben", eine Zukunft, von der "ich hoffe, dass wir dazu beitragen werden, sie zu verwirklichen."

Er beschrieb ausdrücklich die Art und Weise, wie Facebook/Meta WhatsApp weiterentwickelt habe – das sein Unternehmen 2014 erworben hat und heute die beliebteste Messenger-Plattform der Welt ist. Die sei aufschlussreich dafür, wie alle Social-Media-Elemente des Unternehmens ''so sicher wie möglich'' gemacht werden sollen.

Selbst wenn diese Vision zu jener Zeit aufrichtig gewesen sein mag, nach den Enthüllungen durch die zweifelhafte Insiderin Frances Haugen und ihren angeblichen Bedenken hinsichtlich der Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA durch Meta in seiner gegenwärtigen Form, und ihrer wiederholten Forderung, dass westlichen Regierungen größere Befugnisse zur Überwachung, Zensur und Kontrolle der sozialen Medien und des Internets eingeräumt werden sollen, ist dies möglicherweise einfach nicht mehr machbar.

Dieses durchgesickerte FBI-Dokument wirft alle möglichen Fragen auf, über die wahren Gründe hinter dem seit Jahren andauernden Kreuzzug der Behörden gegen Verschlüsselungen. Warum sollte schließlich bei einer so großen Anzahl sensibler Informationen, an die man über Standardverfahren so leicht herankommt, ein umfassenderer Zugang erforderlich sein?

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Kit Klarenberg

ist ein investigativer Journalist, der die Rolle von Geheimdiensten bei der Gestaltung von Politik und Wahrnehmung untersucht. Folgen Sie ihm auf Twitter @KitKlarenberg

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