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Israel: Ex-General missbilligt Angriff auf Gaza-Hochhaus als PR-Desaster

Nach Ansicht eines ehemaligen israelischen Generals war der Luftangriff der israelischen Streitkräfte im Mai auf ein Gebäude in Gaza ein Fehler. In dem Gebäude befanden sich unter anderem Büros von Associated Press. Auch US-Präsident Joe Biden sorgte sich um Journalisten in Gaza.
Israel: Ex-General missbilligt Angriff auf Gaza-Hochhaus als PR-DesasterQuelle: Reuters © Ashraf Abu Amrah

Der 12-stöckige Al-Jalaa-Turm in Gaza-Stadt wurde am 15. Mai 2021 durch einen Luftangriff der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) zum Einsturz gebracht. Zwangsräumungen von Wohnungen, verschobene Palästinenserwahlen sowie Demonstrationen hatten den ungelösten Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern wieder neu entfacht. Militante Palästinenser der Hamas feuerten Raketen auf israelisches Gebiet. Die IDF reagierten mit Angriffen auf Gaza. Beide Seiten hatten Todesopfer zu beklagen. Nach Angaben der UNO kamen mehr als 254 im Gazastreifen lebende Palästinenser, darunter 66 Kinder ums Leben. Auf Seiten Israels wurden durch Raketen der Hamas 12 Israelis, darunter zwei Kinder getötet.

Die stellvertretende Generaldirektorin von Al Jazeera Mostefa Souag, bezeichnete die israelische Bombardierung als "Kriegsverbrechen", das darauf abzielte, "die Medien zum Schweigen zu bringen und das unsägliche Gemetzel und Leiden der Menschen in Gaza zu verbergen".

Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte IDF erklärten, das Gebäude, in dem sich auch die Büros der US-Nachrichtenagentur AP, von Al Jazeera und anderen internationalen Medien befanden, sei von militanten Palästinensern benutzt worden, um das Funktionieren des israelischen Raketenabwehrsystems Iron Dome zu stören. Todesopfer hätte es keine gegeben. Die IDF hätten die Bewohner gewarnt und ihnen Zeit gegeben, sich zu evakuieren. 

Nitzan Alon, ehemaliger Leiter der IDF-Operationen, der eine militärische Untersuchung darüber leitete, wie die IDF ihre Öffentlichkeitsarbeit während des Gaza-Konflikts handhabten, kritisierte den Angriff während einer Konferenz des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv am Sonntag: 

"Nicht jeder in den IDF glaubt das, aber ich bin überzeugt dass dies(er Angriff) ein Fehler war. Der operative Nutzen war den Schaden, der dadurch diplomatisch und in der Wahrnehmung entstanden ist, nicht wert."

Die israelischen Angriffe im dicht besiedelten Gazastreifen während des Konflikts wurden bereits auf breiter internationaler Ebene verurteilt, doch nach dem Angriff auf das Hochhaus mit den AP-Büros schlossen sich sogar US-Politiker der Kritik an. 

US-Senator Robert "Bob" Menendez erklärte damals, er sei "zutiefst beunruhigt angesichts der Berichte über israelische Militäraktionen, die zum Tod unschuldiger Zivilisten in Gaza geführt haben, sowie über israelische Angriffe auf Gebäude, in denen internationale Medien untergebracht sind". Er forderte, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. 

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Menendez als "einer der israelfreundlichsten Gesetzgeber auf dem Capitol-Hill" gegolten. Auch US-Präsident Joe Biden äußerte in einem Telefonat mit dem damaligen israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu seine Besorgnis über die Sicherheit von Journalisten in Gaza. 

General Alon räumte ein, dass "der Erfolg der IDF in Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit während des gesamten Gaza-Konflikts sehr, sehr begrenzt war".

Dafür machte er die schlechte Kommunikation innerhalb des Militärs sowie zwischen den IDF und den israelischen Regierungsministerien verantwortlich. Nach der Zerstörung des Al-Jalaa-Turms sagte Gary Pruitt, der Präsident und CEO von AP, seine Organisation habe "keinen Hinweis darauf, dass die Hamas in dem Gebäude war oder dort aktiv war". Er betonte, die IDF hätten gewusst, dass sich das AP-Büro in dem Gebäude befand, und er fügte hinzu, dass alle in der Agentur "schockiert und entsetzt" über den Angriff waren: "Die Welt wird weniger darüber wissen, was in Gaza passiert, weil das heute passiert ist."

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