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Ocean Cleanup: Fast 30 Tonnen Plastikmüll aus dem Pazifik gefischt

Nach mehreren Rückschlägen gelang es dem Projekt Ocean Cleanup, tonnenweise Plastikmüll aus dem Ozean zu holen. Angesichts des Ausmaßes der weltweiten Vermüllung der Meere zeigten sich selbst Forscher überwältigt. Das Projekt soll erst der Anfang sein.
Ocean Cleanup: Fast 30 Tonnen Plastikmüll aus dem Pazifik gefischtQuelle: Reuters © REUTERS/Gloria Dickie

Immer mehr Plastikmüll verschmutzt die Meere, tötet oder quält die im oder am Meer lebenden Tiere und landet unter anderem in der menschlichen Nahrungskette. Im Pazifischen Ozean zwischen Hawaii und Kalifornien schwimmt ein Müllteppich, in dem nach Schätzungen von Wissenschaftlern 1,8 Billionen Plastikteile treiben. Forscher sehen kaum Möglichkeiten, diese zu entfernen.

Nun konnte ein Plastikmüll-Fänger der Organisation The Ocean Cleanup in einer Testphase bei neun Einsätzen in zwölf Tagen knapp 29 Tonnen Plastikmüll auf der Meeresoberfläche einsammeln, teilte die Organisation in dieser Woche im kanadischen Victoria mit.

"Ich denke, dies ist wirklich ein Erfolg für die Menschheit", erklärte der 27-jährige Initiator und Leiter der Organisation, der Niederländer Boyan Slat, vor Pressevertretern. Während die riesige Menge eingesammelten Mülls nur die Spitze des Eisbergs sei, sind diese Tonnen laut Slat von großer Bedeutung. Für ihn sei dieser erfolgreiche Test der Beweis, dass die Technologie funktioniert und damit die Ozeane gereinigt werden können.

Ende Juli war das überarbeitete System 002 mit dem Spitznamen "Jenny" von Kanadas Westküste aus zum sogenannten Great Pacific Garbage Patch ausgelaufen, dem Großen Pazifischen Müllteppich. Der Müllfänger von "The Ocean Cleanup" ist eine 800 Meter lange Netzkonstruktion, die von zwei Schleppern in U-Form langsam durchs Wasser gezogen wird. Der Kunststoffabfall, der sich darin sammelt, wird auf die Schiffe geladen und an Land recycelt.

Im vergangenen Jahr hatte das Ocean Voyages Institute bereits einige Tonnen der menschlichen Hinterlassenschaften aus diesem Teil des Pazifiks gefischt. Dabei wurden auch zahlreiche Tierleichen wie Schildkrötenskelette geborgen, die sich in Fischernetzen verheddert hatten. In dem von Ocean Cleanup eingesammelten Müll befanden sich unter anderem Zahnbürsten, ganze Toilettensitze, Wäschekörbe, Schuhe, Schlitten und Fischereizubehör.

Viele Nutzer in den sozialen Medien gratulierten der Organisation zu ihrem Erfolg. Nicht wenige fragten sich allerdings, was nun mit dem Plastikmüll passieren werde, er sei ja damit nicht aus der Welt. Andere verwiesen darauf, dass eher die Ursachen der oft unnötigen Vermüllung bekämpft werden müssten.

Einer 2020 veröffentlichen Studie zufolge können solche schwimmenden Barrieren, die den schwimmenden Plastikmüll einsammeln, tatsächlich nur einen kleinen Beitrag zur Reinigung der Meere leisten. "Wir müssen dringend überdenken, wie wir Plastik produzieren, konsumieren und entsorgen und wie wir nachhaltige Alternativen vorantreiben können", sagte der Mitautor der Studie, Agostino Merico vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen.

Einem am Donnerstag erschienenen Bericht zufolge macht die Kunststoffindustrie die Bemühungen zum Schutz des Klimas beinahe zunichte. Zugleich werde ihr Beitrag zum Klimawandel weitgehend übersehen. Laut der Studie von Beyond Plastics und des Bennington Colleges setzt die Produktion von Kunststoff über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg jährlich mindestens 232 Millionen Tonnen Treibhausgase frei – von der Bohrung nach Öl und Gas für den Betrieb ihrer Anlagen bis zur Verbrennung von Kunststoffabfällen. Das entspricht den Emissionen von 116 Kohlekraftwerken.

Die Organisation Ocean Cleanup erklärte per Twitter, dass Plastik ewig in der Umwelt erhalten bleibt und somit erstmal aus dem Meer entfernt werden müsse. Die Antwort auf die Frage nach Prävention oder Säuberung laute, dass beides notwendig sei, um das Problem zu lösen.

Neben der Reinigung seien auch vorbeugende Maßnahmen wichtig, so Slat am Mittwoch. Er verwies auf Abfangvorrichtungen in Flüssen, um den Zustrom von Plastikmüll in die Meere zu begrenzen. "Ocean Cleanup" betreibe bereits vier derartige "Interceptor"-Müllfänger, unter anderem in Indonesien und Malaysia.

Kritiker verweisen zudem auf die Umweltbelastung durch die Abgase der Schiffe, die den Müll einsammeln und dafür lange Strecken zurücklegen. Nach Angaben der Organisation sollen Emissionen durch Kompensations-Zertifikate ausgeglichen werden.

Nach Ende der Testphase soll System 002 schon am Donnerstag wieder in See stechen, teilte das Unternehmen mit. The Ocean Cleanup hat große Pläne: Demnach soll langfristig eine Flotte von zehn Reinigungssystemen mit einer Länge von je 2.500 Metern im Einsatz sein. Alle fünf Jahre soll damit die Menge von Müll im Great Pacific Garbage Patch um die Hälfte abgebaut werden.

Bei der Entwicklung des Projekts, das von Unternehmen und Universitäten unterstützt wird, gab es zuvor mehrere Fehlschläge. Der erste Müllfänger war im September 2018 von San Francisco aus gestartet. Die Anlage wurde jedoch bei ihrem Testeinsatz beschädigt und konnte den Müll nicht wie geplant festhalten.

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