International

Taliban über Gespräche in Moskau erfreut: "Sehr gutes Treffen in sehr positiver Atmosphäre"

Auch mehr als einen Monat nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hält sich die internationale Gemeinschaft mit deren Ankerkennung zurück. Auf einer internationalen Konferenz in Moskau zeichnete sich jedoch eine langsame Trendwende ab.

Nach einer internationalen Afghanistan-Konferenz in Moskau unter Beteiligung Taliban hat sich die radikal-islamistische Organisation zufrieden mit den Ergebnissen gezeigt. Ein Sprecher erklärte auf einer anschließenden Pressekonferenz:

"Es war ein sehr gutes Treffen in einer sehr positiven Atmosphäre."

Das international nicht anerkannte Islamische Emirat Afghanistan begrüße den Vorstoß der Russischen Föderation zur Einberufung der Konferenz. Alle an der Konferenz beteiligten Staaten hätten sich für die Freigabe des nach der Machtübernahme der Taliban eingefrorenen Vermögens der afghanischen Zentralbank ausgesprochen. Der Taliban-Sprecher wies darauf hin, dass dieses Vermögen eigentlich dem afghanischen Volk gehöre. Man sollte daher die Kontrolle über das Vermögen nicht mit politischen Themen verbinden. Zudem hätten sich alle beteiligten Staaten für einen Austausch mit der neuen afghanischen Regierung ausgesprochen. Die Taliban seien dankbar für die konstruktiven Äußerungen der befreundeten Staaten auf der Konferenz.

Das Thema der guten Regierungsführung in Afghanistan sei ebenfalls thematisiert worden. Der Taliban-Außenminister Amir Khan Motaqhi erklärte, dass es vor einer Woche in Doha intensive Verhandlungen mit Deutschland zur Ausreise afghanischer Staatsbürger gegeben habe. Auch habe es ähnliche Gespräche mit der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten gegeben. Die Taliban vertreten den Standpunkt, dass alle Afghanen mit gültigen Dokumenten ungehindert sowohl aus- als auch einreisen könnten. Auch hätten die Taliban nichts gegen die Ein- und Ausreise ausländischer Staatsangehöriger auszusetzen.

Bei den Gesprächen in Moskau handelte es sich um die dritte Auflage eines inklusiven Formates zur Auslotung der Zukunft des Landes. Neben den Taliban-Vertretern nahmen auch Gesandte aus Russland, Kasachstan, Tadschikistan, Iran, Pakistan, China, Turkmenistan, Indien, Kirgisien und Usbekistan teil. Diese Staaten erklärten in einem gemeinsamen Kommuniqué, dass sie die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität Afghanistans respektieren würden. Auch drückten sie ihre De-facto-Anerkennung der Taliban als neue Regierungsverantwortliche in Afghanistan aus, auch wenn eine offizielle diplomatische Anerkennung noch ausbleibt.

Die Staatengruppe rief die Taliban dazu auf, ihre Regierungsfähigkeit zu verbessern und eine "wirklich inklusive Regierung" zu schaffen, die die Interessen aller bedeutenden ethnopolitischen Kräfte im Land widerspiegelt. Das sei eine "grundlegende Voraussetzung" für den Abschluss des nationalen Versöhnungsprozesses.

Auch forderten sie eine moderate Politik seitens der Taliban sowie eine "weise Innen- und Außenpolitik", die sowohl einen nachhaltigen Frieden und Stabilität erreichen kann. Zudem betonten sie den Respekt der Rechte von ethnischen Gruppen, Frauen und Kindern.

Im Interview mit RT DE bezeichnete der afghanischstämmige Bauingenieur und Übersetzer Dr. Naim Wardak die Gespräche in Moskau als "sehr positiv". Die Konferenz sei die erste Auslandsreise der Taliban nach ihrer Machtübernahme in eine Großmacht wie Russland. Wardak wies darauf hin, dass die Taliban kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein etablierter Teil der afghanischen Gesellschaft seien. Ihm zufolge unterstützten 60 Prozent oder mehr der Afghanen die Taliban. Ohne die Unterstützung der Bevölkerung hätten die Taliban keine Erfolge erreichen können, so der Experte.

Die Afghanen erwarteten von den Taliban das, was ihnen 40 Jahre verwehrt blieb: Sicherheit, Lebensmittel, Arbeit und Ausbildungsmöglichkeiten. Die Taliban könnten diese Ziele aber ohne internationale Unterstützung nicht erreichen. Sie hätten keine andere Wahl, als sich jetzt an die Nachbarländer zu wenden, insbesondere Russland.

In Bezug auf das Drogenproblem zeigte sich der Bauingenieur überzeugt, dass es den Taliban gelingen könnte, die Anpflanzung von Opium erfolgreich zu bekämpfen, dafür sei aber ebenfalls internationale Hilfe zur Überwindung der Armut nötig.

Auch zeigte er sich überzeugt, dass die Taliban von Afghanistan ausgehende Angriffe salafistischer Terrorgruppen wie dem IS verhindern können, wenn sich die "internationale Mafia" nicht einmische.

Afghanistan sei gemessen an seinen Bodenschätzen eigentlich eines der reichsten Länder der Welt. Es gebe sehr reiche Erz-, Edelmetall-, Erdöl- und Gasvorkommen. Dass das Land aber heute weiterhin eines der ärmsten Länder der Welt sei, gehe aufs Konto der USA und der NATO-Länder. Wenn in Afghanistan durch internationale Hilfen ein wirtschaftlicher Aufschwung erreicht werden könnte, würde das Wardak zufolge helfen, weitere Konflikte zu verhindern, denn dann seien die Afghanen damit beschäftigt, ihren Wohlstand aufzubauen, statt Krieg zu führen.

Die Taliban von heute seien anders als vor 20 Jahren. Sie müssten sich heute überlegen, wie man das Land voranbringen könne. Eine Schreckensherrschaft wie vor 20 Jahren sei sehr unwahrscheinlich. Das hätten die Taliban auch inzwischen eingesehen.

Wardak verwies darauf, dass Russland als erstes Land die afghanische Unabhängigkeit im Jahr 1919 anerkannt hatte und äußerte seinen Wunsch, dass jetzt Moskau ebenfalls die neue Regierung anerkennen werde.

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