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Britische Fiktion: Der russische Spion, der die AstraZeneca-Formel für den Sputnik-Impfstoff stahl

Die britische Presse malt sich einen neuen Agenten-Thriller aus, der jedoch viele Fragen offen lässt. Ein russischer Spion soll sich im Auftrag Wladimir Putins die Formel für den Oxford-Impfstoff AstraZeneca illegal angeeignet haben. Dank des Agenten habe Moskau sein Sputnik-Vakzin entwickeln können...
Britische Fiktion:  Der russische Spion, der die AstraZeneca-Formel für den Sputnik-Impfstoff stahlQuelle: AFP © Tolga Akmen / AFP

Während der britische Held James Bond im Auftrag des Geheimdienstes Ihrer Majestät die Kinokassen endlich wieder füllt, verbreitet die britische Presse neue Fiktionen. Es klingt wie der Auftakt zu einem Kassenschlager: Ein Spion des russischen Präsidenten Wladimir Putin stahl die Formel des britisch/schwedischen Coronavirus-Vakzins AstraZeneca, um diese für die Entwicklung des Sputnik-Impfstoffs zu nutzen. 

Die britische Zeitung Sun schreibt: 

"Der britische Geheimdienst behauptet Beweise dafür zu haben, dass wichtige Daten von der Arzneimittelfirma gestohlen wurden – einschließlich des Entwurfs für die COVID-Impfung." 

Britischen Minister seien vom Geheimdienst darüber informiert worden. Als weiteres Argument folgt der Hinweis, dass der russische Impfstoff Sputnik V eine ähnliche Technologie, wie AstraZeneca nutze:

"Sicherheitsteams sind sich nun gewiss. Es ist klar, dass Daten von einem ausländischen Agenten persönlich gestohlen wurden." 

Weitere Details blieben im Dunkeln. 

Der Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte hierzu: 

"Die Sun ist eine sehr bekannte, zutiefst unwissenschaftliche Zeitung. Nun, wir behandeln ihre Veröffentlichungen wahrscheinlich als ähnlich unwissenschaftlich." 

Nachdem Moskau vermeldete, es habe einen sicheren Impfstoff gegen das Coronavirus mit dem Namen Sputnik V entwickelt, folgten prompt Vorbehalte aus dem Westen. Erst im Herbst 2021 wurden seitens der WHO alle Bedenken für eine Zulassung ausgeräumt. 

Selbst eine Publikation im Wissenschaftsmagazin The Lancet, welche die Sicherheit des Vakzins bestätigte und eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent – also mehr als bei AstraZeneca – attestierte, half nicht die negative Voreingenommenheit in der EU und anderen westlichen Ländern zu beseitigen. Die Impfstoffe AstraZeneca und Sputnik haben gemein, dass es sich dabei um sogenannte Vektorimpfstoffe handelt.

Sputnik V nutzt zwei rekombinante Adenovirus-Typen, mit dem Ziel bei den Geimpften eine Immunantwort gegen den COVID-19-Erreger auszulösen. AstraZeneca setzt bei beiden Impfungen auf den gleichen Vektor und kann dadurch nicht den gleichen Schutz aufweisen wie das russische Pendant.

Seit seiner Registrierung am 11. August 2020 in Russland ist das Präparat bereits in 70 Ländern der Welt mit einer Gesamtbevölkerung von über vier Milliarden Menschen offiziell zugelassen. Im Gegensatz zu Sputnik war der Impfstoff von AstraZeneca wegen gefährlicher Nebenwirkungen in Verruf geraten. Erst sollten keine älteren Menschen mehr mit dem Vakzin geimpft werden, dann junge Leute.

Wie die Sun berichtet, sei man sich bereits 2020 zu 95 Prozent sicher gewesen, dass russische Hacker im Auftrag des Kremls Angriffe auf britische, US-amerikanische und kanadische Firmen verübt hätten, die Vakzine entwickelten. 

Für einen klassischen Spionage-Action-Thriller à la "Liebesgrüße aus Moskau" fehlt es allerdings dann doch an Substanz. Zu dünn der Plot und die Beschreibung der Akteure, um ein breites Publikum in Atem zu halten.

Mehr zum Thema - Diether Dehm über Sputnik V: Keine freie Wahl des Impfstoffes führt auch zur Impfverweigerung

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