International

"Gerechter" Drohnenangriff in Kabul tötete "mindestens einen" ISIS-K-Terroristen

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und US-Generalstabschef Mark Milley stellten sich am Mittwoch in Washington Fragen zum Truppenabzug aus Afghanistan. Auch der US-Drohnenangriff vom Sonntag kam zur Sprache. Dem US-Generalstabschef zufolge war er "rechtmäßig".
"Gerechter" Drohnenangriff in Kabul tötete "mindestens einen" ISIS-K-TerroristenQuelle: Reuters © Evelyn Hockstein

Der US-Drohnenangriff am vergangenen Sonntag in Kabul, bei dem offenbar auch sieben Kinder getötet worden sind, war laut dem obersten Militärkommandanten der USA "gerecht", erfolgte nach ordnungsgemäßen Verfahren und beseitigte "mindestens eine" Person, die ein "Vermittler" für die Terroristen des Islamischen Staates Chorasan (ISIS-K) gewesen sei.

Der Angriff hatte einem Fahrzeug in der afghanischen Hauptstadt gegolten, das nach Angaben des US-Zentralkommandos eine "unmittelbare" Bedrohung für die Evakuierungsbemühungen darstellte, die zu diesem Zeitpunkt am internationalen Flughafen Hamid Karzai in Kabul liefen. Lokale Medien berichteten jedoch, dass beim Anschlag zehn Zivilisten getötet worden seien – darunter auch Kinder. Auch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) erklärte den Medien, dass sieben Kinder unter den Opfern seien.

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch im Pentagon wiederholte US-Generalstabschefs Mark Milley die Erklärung des US-Zentralkommandos CENTCOM, dass "sekundäre Explosionen" ein Beweis dafür seien, dass das Fahrzeug den Flughafen angreifen sollte.

Vom US-Militär hieß es unmittelbar nach der Aktion, dass man in Kabul einen unbemannten "Selbstverteidigungsluftangriff" auf ein Fahrzeug durchgeführt hätte, um eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung des internationalen Flughafens Hamad Karzai durch ISIS-K zu beseitigen.

Das CENTCOM hatte zunächst auch erklärt, es gebe "keine Hinweise" auf zivile Opfer. Nachdem jedoch in Berichten lokaler Medien die Toten namentlich genannt worden waren, sagte ein CENTCOM-Sprecher, dass man "zutiefst traurig über den möglichen Verlust unschuldiger Leben" sei. Er behauptete jedoch, dass die Opfer nicht durch die US-Drohne, sondern durch die Explosion des Fahrzeugs selbst verursacht worden sind. 

Nach der Zerstörung des Autos sei es "zu erheblichen und starken Explosionen gekommen", was auf eine große Menge an Sprengstoff im Inneren des Fahrzeugs hindeute, "die möglicherweise weitere Opfer gefordert hat", hieß es vom US-Zentralkommando.

Der US-Generalstabschef erklärte nun Reportern, dass man "zum jetzigen Zeitpunkt" davon ausgehe, "dass die Vorschriften korrekt befolgt wurden und es sich um einen rechtmäßigen Anschlag handelte". Milley fügte hinzu, dass "mindestens eine" Person, die getötet wurde, ein "Vermittler" für ISIS-K war. Die Terrorgruppe hatte sich zuvor zu dem Selbstmordattentat vom vergangenen Donnerstag vor dem Flughafen bekannt, bei dem schätzungsweise bis zu 200 afghanische Bürger und 13 US-Soldaten getötet worden waren.

"Wurden auch andere getötet? Ja. Wer sind sie? Wir wissen es nicht", sagte US-Generalstabschefs und fügte hinzu, dass es eine Untersuchung geben werde.

Auf die Frage nach den zivilen Opfern hatte auch Pentagon-Sprecher John Kirby am Montag Reportern erklärt, dass man "im Moment nicht in der Lage ist, dies zu bestreiten". Kurz darauf waren die letzten US-Flugzeuge aus Kabul abgehoben und hatten die zweiwöchige Luftbrücke beendet, die Präsident Joe Biden am Dienstag als "außerordentlichen Erfolg" bezeichnete.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin erklärte am Mittwoch vor Reportern, dass man die Abläufe beim Truppenabzug aus Afghanistan evaluieren will. Die vergangenen Tage seien für viele schwierig gewesen. Er hoffe aber, dass das Land "mit Bedacht und Respekt" auf den Einsatz in Afghanistan zurückschauen werde. Austin fügte hinzu: 

"Ich werde immer stolz sein auf die Rolle, die wir in diesem Krieg gespielt haben."

Zugleich räumte er aber ein, dass es auch innerhalb des Militärs und unter Afghanistan-Veteranen andere Ansichten gebe. Er habe in den vergangenen Tagen deutliche Meinungen von verschiedenen Seiten gehört. Es gebe unterschiedliche Auffassungen in beiden politischen Lagern, so Austin. "Und das ist wichtig. Das ist Demokratie. Das ist Amerika."

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