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"Russland lügt, lügt, lügt"– USADA-Chef fällt über olympisches ROC-Team her

Das selbstbewusste Auftreten des Teams des Russischen Olympischen Komitees (ROC) in Tokio scheint zunehmend zu einem Problem für manche Doping-Tugendwächter im Westen zu werden. Sportler, Medien und Funktionäre erheben immer mehr Vorwürfe gegen das russische Team.
"Russland lügt, lügt, lügt"– USADA-Chef fällt über olympisches ROC-Team herQuelle: Reuters © Denis Balibouse

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hatte Russland im Dezember 2019 für vier Jahre von den wichtigsten Sportereignissen der Welt ausgeschlossen. Ende 2020 halbierte der Internationale Sportgerichtshof (CAS) die Sperre. In Tokio dürfen russische Sportler als Athleten des Russischen Olympischen Komitees (ROC) antreten. Außerdem darf Russland in diesem Zeitraum kein Austragungsort für internationale Spiele sein und beim internationalen Sport keine nationalen Symbole zeigen. Grund waren die Dopingvorwürfe gegen den russischen Leistungssport. Dahinter wurde eine staatliche Doping-Förderung vermutet.

Doch nach einer anfänglichen Siegesserie des ROC-Teams in Tokio mehren sich kritische Stimmen, dass die Strafe für Russland womöglich zu mild gewesen sei. Der Chef der Anti-Doping-Agentur der USA (USADA) Travis Tygart hat Russland dabei erneut Korruption und Betrug vorgeworfen. 

"Der russische Staat und die Sportfunktionäre haben die dunkle Wolke über sich selbst gezogen und dabei tragischerweise ihre Athleten in den Sturm getrieben", schrieb er am Samstag in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur Reuters.

Mit dieser Mail wollte Tygart diejenigen Sportler aus Großbritannien und den USA in Schutz nehmen, die beim Gedanken, ihre russischen Rivalen könnten wieder Dopingmittel nehmen, nervös werden. Nach inzwischen mehreren in der Presse ausgetragenen Skandalen hat das ROC einigen Sportlern und Medienvertretern "englischsprachige Propaganda" vorgeworfen. Diejenigen, die sich beschweren, seien schlechte Verlierer.

"Jetzt wollen diese Funktionäre weiter lügen, leugnen und diejenigen angreifen, die den Mut haben, sich gegen ihren Betrug sowie ihre eklatante Missachtung der Regeln und der Wahrheit zu wehren", empörte sich Tygart.

"Das ist gut so, denn wir alle wissen, dass man, wenn man betrügt, kein Problem damit hat, über seinen Betrug zu lügen." Neben Russland nahm Tygart auch die WADA und das Internationale Olympische Komitee (IOC) ins Visier – wegen der nach Ansicht der USADA laschen Reaktion auf die Dopingskandale. Hierbei ist anzumerken, dass Tygart auch früher bereits entschiedener Gegner der Teilnahme von russischen Sportlern bei Spielen in Tokio war.

Die IOC-Strafe, wonach Russland nicht unter seiner Flagge antreten darf, bezeichnete er als Witz. "Leider haben wir diesen Horrorfilm schon gesehen – wo das russische staatlich geförderte Dopingprogramm wieder zurück ist und Russland gewinnt, während die Verantwortlichen des IOC und der WADA versuchen, die Welt zu täuschen, indem sie behaupten, Russland sei 'gesperrt'", so Tygart.

"Alle können jetzt sehen, dass dieses 'Verbot' wieder einmal eine Farce ist."

Das System, das einer Nation erlaubt, die Spiele durch ihren "Medaillendurst" zum Gespött zu machen, sei zum Scheitern verurteilt. Tygart forderte das ROC auf, die Testergebnisse zu veröffentlichen, wenn es wolle, dass die Welt aufhört, Dopingfragen zu stellen.

"Sie sollten ihren Worten Taten folgen lassen, indem sie die einzelnen Tests nach Namen der Athleten veröffentlichen und eine transparente internationale Kontrolle darüber ermöglichen, ob sich die Dinge in Russland geändert haben. Denn die Beweise der letzten Jahre zeigen, dass sich leider nichts geändert hat", sagte Tygart. 

Das russische Pendant der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur, RUSADA, hat die Vorwürfe am Sonntag zurückgewiesen. Alle Athleten seien gleichberechtigt, wenn sie den Nachweis ihrer "Reinheit" Kontrollorganen erbracht haben, sagte Michail Buchanow, stellvertretender Generaldirektor der RUSADA, gegenüber RIA Nowosti.

Buchanow erinnerte daran, dass die Vorschriften in diesem Bereich auf einer Schuldvermutung beruhen. "Jeder Athlet kann jederzeit zu einem Test angemeldet werden, und das Verfahren selbst basiert auf dem "Prinzip der Wahrscheinlichkeitsstichprobe, das die Risikokriterien für den Gebrauch verbotener Drogen berücksichtigt", so der Beamte weiter.

"Die weltweite Anti-Doping-Verordnung basiert auf der Schuldvermutung, und jede Anti-Doping-Agentur führt Tests durch, bei denen sie bereits von den Risiken der Einnahme verbotener Medikamente ausgeht und das Gegenteil beweist, wenn ein negatives Ergebnis aus dem Labor kommt", sagte Buchanow.

Er betonte, dass die Analysen zu einem erheblichen Teil in nordamerikanischen Laboren durchgeführt würden. "Die RUSADA schickt Dopingproben zur Analyse an die führenden europäischen Labore sowie an Labore auf dem nordamerikanischen Kontinent."

"Ist es so, dass der Herr ausländische Kollege das Funktionieren des weltweiten Antidopingsystems in Bezug auf die Laboranalyse in Frage stellen will?", merkte Buchanow an. Seiner Meinung nach bedient sich Tygart in seiner Argumentation "der populistischen Technik, das Nichtvorhandene zu behaupten und das Offensichtliche zu ignorieren".

Zuvor hat auch IOC-Präsident Thomas Bach den Start einer großen Auswahl russischer Athleten bei Olympia in Tokio verteidigt.

"Sie haben sich allen Qualifikationen und den entsprechenden Tests unterworfen, wie auch alle anderen Athleten, die hier teilnehmen. Deswegen haben sie auch den Anspruch, entsprechend behandelt zu werden."

Mehr zum Thema - IOC-Chef Bach: Russische Athleten haben das gleiche Recht wie andere auf Olympia-Teilnahme

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