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12 Jahre nach Absturz von Flug AF 447: Strafprozess gegen Air France und Airbus angeordnet

Am 1. Juni 2009 stürzte ein Airbus A330 der Air France mit 228 Menschen an Bord in den Atlantischen Ozean. Jetzt wird ein Strafprozess gegen Fluggesellschaft und Hersteller geführt. Die Hinterbliebenen hatten die Erklärung "Verkettung von menschlichen und technischen Fehlern" nie akzeptiert.
12 Jahre nach Absturz von Flug AF 447: Strafprozess gegen Air France und Airbus  angeordnetQuelle: Reuters © REUTERS/JC Imagem/Renato Spencer

Ein Berufungsgericht in Paris hat am Mittwoch einen Strafprozess gegen die Fluggesellschaft Air France und den Hersteller Airbus angeordnet. Das im Jahre 2019 eingestellte Verfahren muss nun 12 Jahre nach dem Absturz des Air France-Fluges AF 447 neu aufgenommen werden. In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 2009 war ein A330 mit 216 Passagieren und 12 Crew-Mitgliedern auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris in den Atlantik gestürzt.

Der Verband der Hinterbliebenen "Gegenseitige Hilfe und Solidarität AF 447" begrüßte die Entscheidung: "Wir haben das Gefühl, endlich von der Justiz gehört zu werden", sagte der Vorsitzende Danièle Lamy. Dagegen bestreitet Air France, "einen strafrechtlich relevanten Fehler gemacht zu haben, der zu diesem furchtbaren Unglück geführt hat". Das erklärte einer der Anwälte der Fluggesellschaft, François Saint-Pierre. Die Anwälte von Airbus nannten die Anordnung "ungerechtfertigt". Davon berichtet das Onlinemagazin airliners.de am Mittwoch.

Der Absturz muss sich gegen zwei Uhr am Morgen des 1. Juni ereignet haben. Der Abschlussbericht der Untersuchungskommission wurde im Juli 2012 veröffentlicht. Im April 2011 war in 4.000 Meter Tiefe ein großes Trümmerfeld entdeckt worden – offensichtlich das Hauptwrack. Der Flugschreiber wurde gefunden, war jedoch nicht intakt.

Lange Zeit galt das Vereisen der Sensoren in einer Höhe von 11.000 Metern als wahrscheinlichste Ursache. Die Piloten hätten somit keine genauen Angaben über die Fluggeschwindigkeit haben können. Das Flugzeug stürzte mit hoher Geschwindigkeit aufs Wasser, jedoch in horizontaler Lage. Es befand sich in Reiseflugkonfiguration. In der Kabine war kein Druckabfall zu verzeichnen, Vorbereitungen auf eine Wasserung wurden offenbar nicht ergriffen.

Die Suchaktion war mit einem Budget von zehn Millionen Euro die teuerste, die je von der französischen Aufsichtsbehörde geführt wurde. Zugleich war sie eine der aufwendigsten Unterwassersuchaktionen. Fast alle Leichname konnten geborgen und identifiziert werden.

Der neue Prozess wird wegen "fahrlässiger Tötung" geführt. Die französische Generalstaatsanwaltschaft hält es für erwiesen, dass Air France die Piloten nicht ausreichend auf technische Mängel des Airbus A330 hingewiesen hatte.

Die Aufsichtsbehörde BEA in Frankreich hatte im Jahr 2012 eine unglückliche Verkettung von menschlichen und technischen Fehlern konstatiert, die zu dem Unglück geführt hätte. Die Hinterbliebenen kritisierten damals eine unzureichende Ermittlung von Mängeln am Flugzeug A330.

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