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US-Admiral warnt vor realer Möglichkeit eines Atomkriegs mit Russland und China

Es bestehe die reale Möglichkeit, dass eine regionale Krise mit Russland oder China schnell zu einem Konflikt mit Atomwaffen eskaliere, sagte der Leiter der STRATCOM. Er forderte die US-Regierung auf, dafür zu sorgen, dass die USA ihren "militärischen Vorsprung beibehalten".
US-Admiral warnt vor realer Möglichkeit eines Atomkriegs mit Russland und ChinaQuelle: Reuters © Reuters Pictures Archive

Der Leiter des US Strategic Command (STRATCOM), Charles Richard, warnte davor, dass ein Atomkrieg mit Russland oder China eine "reale Möglichkeit" sei, da Moskau und Peking den "Weltfrieden" auf eine so "aggressive Weise herausfordern", wie man es seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges nicht mehr gesehen habe. 

"Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion musste das Verteidigungsministerium nicht mehr die Möglichkeit eines Großmachtwettbewerbs, einer Krise oder eines direkten bewaffneten Konflikts mit einem atomwaffenfähigen Kollegen in Betracht ziehen. Leider bietet uns das gegenwärtige Umfeld diesen Luxus nicht mehr."

Der STRATCOM-Chef zeigte sich alarmiert über die "russischen und chinesischen Cyberangriffe und Bedrohungen der beiden Großmächte im Weltraum". Richard beschuldigte Moskau und Peking, "die globale Pandemie dazu genutzt zu haben, um ihre nationalen Agenden voranzutreiben".

Er fügte hinzu, dass das US-Verteidigungsministerium die Wahrscheinlichkeit des Einsatzes von Atomwaffen bei STRATCOM als "gering einschätzt". Dennoch müsse das Pentagon sich auf ein Worst-Case-Szenario vorbereiten, hieß es bei Proceedings, einer vom US Naval Institute herausgegebenen Zeitschrift:

"Passiv zu bleiben, kann uns die Möglichkeit verweigern, uns auf eine Weise zu positionieren, die eine unserer größten Stärken untermauert: die strategische Machtprojektion."

Laut Richard hätten die Russen "ihre Nuklearstreitkräfte aggressiv modernisiert", einschließlich ihres Arsenals an Interkontinentalraketen, ihrer Warnsysteme und der von U-Booten gestützten ballistischen Raketen. Darüber hinaus baue Russland neuartige Systeme wie unter anderem Hyperschallwaffen, nuklearbewaffnete und nuklearbetriebene Torpedos und Marschflugkörper. 

"Diese Modernisierung ist zu etwa 70 Prozent abgeschlossen und auf dem richtigen Weg, um in wenigen Jahren vollständig umgesetzt zu werden", erklärte Richard. Der russische Präsident Wladimir Putin habe seinerzeit die Welt an die Atomwaffenfähigkeit seines Landes erinnert, als Moskau 2014 die Krim "annektiert" habe. Richard wies zudem auf angebliche russische Cyberattacken in der jüngsten Zeit hin und behauptete, Russland stelle ständig Normen im Cyberspace infrage. Als Beispiel nannte er die "Cyberattacke auf Georgiens Regierung" im vergangenen Jahr und  jüngste Durchdringungen in US-Regierungssysteme. 

Ende Dezember wurden die wichtigsten US-Sicherheitsbehörden von einem beispiellosen Hackerangriff erschüttert. Zu den Abteilungen der US-Regierung, die mutmaßlich gehackt wurden, gehören das Pentagon, das Finanz- und das Handelsministerium sowie weitere Behörden der USA. US-Geheimdienstbeamte hatten seinerzeit Russland öffentlich für den Angriff verantwortlich gemacht.  

China mache weiterhin technologische Leistungssprünge in allen Bereichen. Über seine konventionellen Waffensysteme hinweg investiere das Land weiterhin erhebliche Ressourcen in Hyperschall- und fortschrittliche Raketensysteme sowie in die Erweiterung seiner Raumfahrtfähigkeiten. Der Admiral behauptete, dass sich Chinas Atomwaffenvorrat in den nächsten zehn Jahren "verdoppeln, wenn nicht gar verdreifachen oder vervierfachen" werde.

China habe künstliche Inseln im Südchinesischen Meer aufgeschüttet und dort mehrere Waffensysteme stationiert. Wie die Russen, so Richard, behinderten die Luftwaffen- und Marinestreitkräfte der Volksbefreiungsarmee (PLA) die US-amerikanischen und alliierten Flugzeuge sowie Streitkräfte, die im internationalen Luftraum und in Gewässern operieren. 

Es bestehe die reale Möglichkeit, dass eine regionale Krise mit Russland oder China schnell zu einem Konflikt mit Atomwaffen eskaliere, wenn sie einen konventionellen Verlust als "Bedrohung für das Regime oder den Staat" empfänden, so der STRATCOM-Chef. 

Richard fordert die US-Regierung auf, dafür zu sorgen, dass die USA ihren "qualitativen militärischen Vorsprung gegenüber beiden Rivalen beibehalten".

"Wir müssen sicherstellen, dass alle unsere Fähigkeiten einer übergreifenden Strategie zugeordnet werden. Wir müssen die Grundlage der strategischen Atomstreitkräfte unserer Nation anerkennen, da sie den Manöverraum für uns schaffen, um konventionelle militärische Macht strategisch zu projizieren."

Das United States Strategic Command ist eines der elf Unified Combatant Commands des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums und ist verantwortlich für die Führung, Ausbildung, Ausrüstung, Verwaltung und Planung sämtlicher Atomstreitkräfte aller Teilstreitkräfte der Vereinigten Staaten.

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