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"Aktive Arbeit mit Opposition": FSB-Video zeigt Nawalny-Mitstreiter mit britischem Diplomaten

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat ein Video eines Treffens eines Mitarbeiters Alexei Nawalnys mit einem britischen Botschaftsmitarbeiter veröffentlicht. Die darin fallenden Aussagen legen einen beidseitigen Willen zur Zusammenarbeit nahe.
"Aktive Arbeit mit Opposition": FSB-Video zeigt Nawalny-Mitstreiter mit britischem DiplomatenQuelle: RT © Föderaler Sicherheitsdienst (FSB) der Russischen Föderation

Reportage von Murad Gasdijew

15 Jahre sind seit dem Skandal um den britischen "Spionagestein" in Moskau vergangen. Trotz der Tatsache, dass Tony Blairs ehemaliger Stabschef später die Verwendung des Geräts durch die Geheimdienste des Vereinigten Königreichs zugab, scheinen die Fertigkeiten sowohl der britischen Geheimdienstoperateure und -agenten als auch ihrer potenziellen Rekrutierungsobjekte in puncto konspirative Arbeit nicht viel besser geworden zu sein.

RT hat Filmmaterial von einem Treffen zwischen einem Mitarbeiter des russischen Oppositionellen Alexei Nawalny erhalten – dem Exekutivdirektor von Nawalnys Stiftung zur Korruptionsbekämpfung (FBK) Wladimir Aschurkow – und einem britischen Botschaftsbeamten, den der russische Inlandsnachrichtendienst FSB für einen MI6-Agenten hält. Das Treffen fand 2012 statt. "Der MI6 ist weiterhin aktiv an der Zusammenarbeit mit der russischen Opposition beteiligt und unterstützt verschiedene Nichtregierungsorganisationen [in Russland] durch Zuschüsse." – so die von einem FSB-Offizier abgegebene Lagebewertung. Der RT-Korrespondent Murad Gasdijew wartet in seiner Reportage mit mehr Details auf.

Schon das Wort "Spionage" ist ein schmutziges Wort. Doch alle betreiben sie. Sie ist kein einfaches Handwerk, doch das große Risiko bedeutet auch eine große Belohnung. Wer es schafft, hat den sprichwörtlichen Jackpot geknackt, und niemand findet es je heraus. Doch bei Reinfällen ... nun ja, dann drohten eine Menge Peinlichkeiten.

Fußballübungen mit einem Stein, oder: Exzentrische Ausflugsrouten respektabler Gentlemen in Moskau

Nehmen wir zum Beispiel einen Fall von vor 15 Jahren: Ein hochrangiger britischer Diplomat entwickelte ganz plötzlich und gar unverhofft die exzentrische Angewohnheit, seltsame Spaziergänge an gänzlich befremdliche Orte zu unternehmen. Seine Route war immer dieselbe. Man schlug deshalb zwar nicht sofort Alarm, doch die russische Spionageabwehr beschloss, dass solch ungewöhnliches Verhalten beobachtet werden sollte – zumal es für Christopher Peart, seines Zeichens Sekretär und Archivar der britischen Botschaft in Moskau, verdächtiger nicht sein könnte.

Dann fand plötzlich ein weiterer britischer Diplomat an derselben Route für seine Spaziergänge Gefallen. Und eines Tages, beim Spazierengehen, verließ also einer dieser Diplomaten den Gehweg, verpasste einem Stein am Wegesrand einen Tritt – und ging dann weiter seines Weges. Das löste allerdings schon Alarmglocken aus ...

Beim FSB wurde man stutzig, setzte die Beobachtung fort – und welch Anblick bot sich? Noch zwei britische Diplomaten begannen, zu diesem Stein zu pilgern.

Irgendwann nahm schließlich Marc Doe, damals Zweiter Sekretär der britischen Botschaft, der von der russischen Spionageabwehr als MI6-Agent identifiziert wurde, den Stein des Antritts an sich, und trug ihn mit sich fort – vielleicht ja zum Aufpolieren.

Es stellte sich heraus, dass es sich um ein WLAN-Gerät handelte, das zur Kommunikation mit einem russischen Beamten – einem Verräter – verwendet wurde. Ein Spionageabwehr-Offizier des russischen FSB erinnert sich:

"Zu dieser Zeit stellte dieses Gerät die neueste Möglichkeit für das SIS-Botschaftsbüro dar, die Kommunikation mit seinen Agenten in Russland zu organisieren. Die Briten gaben den Reinfall erst im Jahr 2012 zu. Ein ehemaliger Berater des britischen Premierministers Tony Blair erklärte offiziell, dass dies wirklich stattfand."

Jonathan Powell, ehemaliger Stabsleiter des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair, erklärte im Jahr 2012:

"Der Spionagestein – das war beschämend. Wir wurden auf frischer Tat ertappt. Sie wussten offensichtlich schon länger davon und sparten sich die Sache für politische Zwecke auf."

Hier ist der Stein, dessen augenscheinliche Funktionsstörung die Briten mit ihren beherzten Fußtritten wohl zu beheben versuchten – oder vielmehr eine im Nachhinein angefertigte Attrappe.

Das Original wurde in die kleinsten Einzelteile, Chips und Drähtchen zerlegt. Jedenfalls konnte dieser Stein den britischen Geheimdienst und britische Diplomaten in eine sehr unangenehme Lage bringen. Seitdem wurden solche Geräte erst miniaturisiert – und dann durch das Internet, Chats und Messenger-Apps ersetzt. Doch während sich die Methoden und Taktiken geändert haben mögen, bleiben die Ziele und Strategien dieselben: Geheimdienst, Überwachung, Täuschung, Verrat.

Erschütternd, nicht rührend

Man würde eigentlich denken, dass britische Agenten und potenzielle Ziele ihrer Rekrutierung nach einem derartigen Reinfall strengere Vorschriften an die Geheimhaltung haben (oder sich strenger daran halten) würden ... Doch nein.

Russlands Föderaler Sicherheitsdienst FSB hat neues Videomaterial veröffentlicht, das zeigt, wie Does Nachfolger ebenso ungeschickt in seine Fußstapfen tritt:

James William Thomas Ford betritt ein Restaurant in Moskau – ehemaliger Zweiter Sekretär für politische Angelegenheiten an der britischen Botschaft in Russland, identifiziert als ein verdeckter MI6-Agent, verheiratet mit Elisabeth Grönberg, ihrerseits als Agentin des schwedischen Geheimdienstes identifiziert.

Ihm folgt ein Vertreter der russischen Opposition – Wladimir Aschurkow, Nawalnys rechte Hand und Geschäftsführer seiner Stiftung zur Korruptionsbekämpfung*, wohnhaft in Großbritannien.

Das Treffen wurde von der russischen Spionageabwehr aufgenommen, die den Special Agent Ford bereits überwacht hatte.

Aschurkow legt seinem Geschäftspartner einen einfach gestrickten Businessplan dar:

"Wenn wir mehr Geld hätten, würden wir unser Team sicherlich erweitern. Wer hier ... ich weiß nicht, zehn Millionen, 20 Millionen Dollar jährlich an Unterstützung ausgäbe, würde ein ganz anderes Bild sehen. Und für Menschen, für die Milliarden auf dem Spiel stehen, ist das nicht so viel Geld. Und diese Botschaft versuche ich in meiner Fundraising-Kampagne den Führungskräften der Wirtschaft zu vermitteln."

Achtung, Wink mit dem Zaunpfahl

Sponsert uns an die Macht, und wir werden Ihnen Milliarden zurückzahlen, deutet der Anti-Korruptions-Kreuzritter an.

Die Opposition hat sogar einen Plan – dieser sieht gerade dem, was sie der Regierung vorwirft, inhaltlich verblüffend ähnlich. Vom Propaganda-Trommelfeuer auf die Wähler bis hin zu Camarilla-Deals mit den Eliten. Aschurkow fährt fort:

"Wir müssen auf diversen Schachfeldern spielen. Massenproteste, Bürgerinitiativen, Propaganda. Wir müssen Kontakte zu den Eliten herstellen und ihnen vermitteln, dass wir vernünftige Leute sind, dass wir nicht alles ruinieren und ihr Vermögen wegnehmen werden."

Dass Wladimir Aschurkow sich hier allem Anschein nach Hilfe suchend an Großbritannien wendet, kann die Gerüchte, dass die Opposition von ausländischen Geheimdiensten unterstützt wird, nur anfachen. Er will von Regierungsbehörden und Geheimdiensten Informationen, um sie bei Ermittlungen zu verwenden:

"In einigen Fällen haben wir keine direkten Beweise, sondern nur Indizien, aber ich bin sicher, dass die SFO, die britische Strafverfolgungsbehörde für schwere Betrugsdelikte, Zugang zu einer Menge Informationen hat, die uns nicht zur Verfügung stehen. Und wenn ... Ich bin sicher, dass die britischen Dienste Daten haben, die bestätigen, dass Abramowitsch, Usmanow, Leute in der russischen Regierung miteinander verbunden sind ... Ich denke, dass Großbritannien ein europäisches Land von Schlüsselwichtigkeit ist, das Russland beeinflussen kann und seine Haltung diesem gegenüber jetzt schon verschärft."

Und schließlich winken auch Großbritannien große Vorteile. Nawalnys Rechte Hand beschließt, hier nicht um den heißen Brei herumzureden; die Botschaft ist klar – gebt uns Informationen, und wir schaffen den britischen Banken die russische Konkurrenz vom Hals, torpedieren sie:

"In Zusammenarbeit mit der Henry Jackson Society of London werden wir einen Bericht über die VTB Bank veröffentlichen, es geht darum, dass die VTB ..."

Es folgt eine kurze Pause wegen der Kellnerin: Man weiß ja nie, vielleicht ist sie Spionin und versucht, das Gespräch zu belauschen. Dann fährt Aschurkow fort:

"Es geht darum, dass die VTB in Korruption verwickelt ist, dass ihr Risikomanagementsystem nicht funktioniert, und wir gehen darauf hinaus, dass sie eine Bedrohung für die Finanzmärkte Europas und deren Integrität darstellt, weil sie dort ein bedeutender Akteur ist. Und sie erschwert britischen Unternehmen wie Lloyds, RBS und Barclay's den Wettbewerb."

Trotz Aschurkows Andeutungen macht Herr Ford keine Versprechungen bezüglich einer direkten finanziellen Unterstützung.

Stattdessen schlägt er Aschurkow als Aushilfslösung vor, mit Transparency International** zusammenzuarbeiten – einer Organisation, die bereits von Großbritannien finanziert wird:

"Die Gesetzgebung zu ausländischen Agenten wird sicherlich ein wichtiger Punkt in diesem Herbst sein. Wir unterstützen verschiedene NGOs. Ich denke, wenn die neue Gesetzgebung in Kraft tritt, wird sie große Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie [die NGOs] werden wahrscheinlich beweisen müssen, dass sie nicht politisch und insbesondere keine ausländischen Agenten sind. Wir finanzieren momentan ein Projekt, das sie durchführen ... hauptsächlich in der Ukraine, aber auch in anderen Ländern ... Es geht um 'Open Government', um eine 'Open Government Partnership'. Ein Aktionsplan für Russland wird gerade erstellt."

Wladimir Aschurkows Begeisterung hält sich in Grenzen:

"Wir sind bereit zur Zusammenarbeit mit ihnen. Wir glauben bloß nicht, dass sie effektiv sein wird."

Man stelle sich vor: Wenn ein britischer Politiker sich mit russischen Geheimdienstagenten träfe und sie um finanzielle Unterstützung bäte – sowie darum, Schmiermaterial über Rivalen auszugraben: Das wäre ein Skandal von nationalem Ausmaß.

Neben ethischen Bedenken ist anzumerken, dass solche Aktionen als Sicherheitsrisiko betrachtet werden würden – mit Sicherheit.

Und genau das stellen sie aus Sicht des FSB dar. Ein Spionageabwehr-Offizier des FSB umreißt für RT die Lage so:

"Neben dem Erfüllen ihrer Hauptaufgabe, geheime Informationen über das militärische und wirtschaftliche Potenzial Russlands zu sammeln, beteiligt sich die MI6-Botschaftsresidentur weiterhin aktiv an der Arbeit der Botschaft mit der russischen Opposition und unterstützt verschiedene Nichtregierungsorganisationen, indem sie ihnen Zuschüsse gewährt. Neben Unterstützung der Opposition und der NGOs mit Information und Finanzen sind britische Botschaftsmitarbeiter direkt in den Aufbau oppositioneller Kräfte involviert."

Dass die Opposition in Russland Verbindungen zu ausländischen Regierungen hat und manchmal sogar in deren Interesse arbeitet, war nie ein Geheimnis.

"Schauen wir, was dabei herauskommt. So weit zu meinen Vorhaben", kommentiert Aschurkow.

"Das ist keine leichte Aufgabe", antwortet Ford lachend.

Allerdings wirft ein solcher Grad an Zusammenarbeit nicht nur bei Sicherheitsdiensten, sondern auch bei den Wählern zweifellos sehr ernste Fragen auf.

RT bat das britische Foreign Office, die Botschaft Großbritanniens in Moskau und James William Thomas Ford um eine Stellungnahme. Zum Erscheinen dieses Artikels lagen jedoch keine Antworten vor. 

* Der Anti-Korruptions-Fonds FBK ist laut Beschluss des Justizministeriums der Russischen Föderation vom 09.10.2019 in das Register der NGOs aufgenommen, die Funktionen eines ausländischen Agenten ausüben. 

** Transparency International-R wurde durch den Beschluss des Justizministeriums der Russischen Föderation vom 07.04.2015 in das Register der NGOs aufgenommen, die Funktionen eines ausländischen Agenten ausüben.

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