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Medienbericht: Desinformation zu Trump und Russland beruhen auf Aussagen einer "betrunkenen" Russin

Eine US-amerikanische Zeitung hat eine wichtige Quelle des sogenannten Steele-Dossiers enthüllt. Die angeblichen Informationen aus diesem Dossier dienten als Grundlage für die Behauptung, dass es eine Verstrickung zwischen Trump und Russland gebe.
Medienbericht: Desinformation zu Trump und Russland beruhen auf Aussagen einer "betrunkenen" RussinQuelle: www.globallookpress.com © Erik Mcgregor/ZUMAPRESS.com

von Nebojsa Malic

Mindestens drei wichtige Behauptungen in dem berüchtigten "Russiagate"-Dossier stammen Berichten zufolge von einer führenden Mitarbeiterin einer russischen PR-Firma in Zypern, die über ihren Arbeitgeber verärgert war. Sie soll eine Kindheitsfreundin der primären Subquelle des britischen Spions Christopher Stelle sein.

Das "Steele-Dossier" spielte eine Schlüsselrolle bei den Behauptungen, dass Präsident Donald Trump 2016 irgendwie mit Russland "konspiriert" habe, angeblich, weil der Kreml im Besitz eines Sexvideos von Trump sei, das im Moskauer Ritz-Carlton aufgenommen worden sein soll. Es diente dem FBI als Vorwand, Trumps Wahlkampfhelfer Carter Page ein Jahr lang auszuspionieren, beginnend im Oktober 2016. Es wurde schließlich auch enthüllt, dass die Firma Fusion GPS, die Steele für das Dossier bezahlte, selbst von Hillary Clintons Präsidentschaftskampagne über den Vorstand der Demokratischen Partei finanziert wurde.

Doch einige der "bombastischsten" Behauptungen des Dossiers – etwa, dass Trumps persönlicher Anwalt Michael Cohen sich in Prag mit "Russen" getroffen habe, dass eine russische Firma namens Webzilla hinter dem E-Mail-Hack des Vorstandes der Demokratischen Partei stecke und dass Webzilla-Chef Alexei Gubarew ein Hacker sei, der für den russischen Geheimdienst arbeite – stammen offenbar von Olga Galkina, einer Freundin von Steeles russischem Hauptinformanten.

Das Wall Street Journal enthüllte am Mittwoch auf der Grundlage von "Interviews, Strafverfolgungsunterlagen, freigegebene Dokumenten" und der Identifizierung durch "einen ehemaligen Spitzenbeamten der nationalen Sicherheit der USA", der anonym blieb, dass Galkina die sogenannte "Quelle 3" sei. 

Der Zeitung zufolge arbeitetet Galkina bei einer zypriotischen Tochtergesellschaft der XBT Holding SA, einem Unternehmen, das Gubarew und der Muttergesellschaft von Webzilla gehört. Sie wurde im November 2016 entlassen, nachdem einer ihrer Manager in Limassol eine Anzeige bei der Polizei erstatte. Er beschwerte sich, dass sie "chronisch zu spät zur Arbeit und manchmal betrunken erschien". Kurz darauf soll Galkina Gubarew und Webzilla in den DNC-Hack verwickelt haben.

Dazu war sie in der Lage, weil sie eine Schulfreundin Igor Dantschenkos war, der diesen Sommer als Steeles primäre Subquelle (PSS) identifiziert wurde. Dantschenko und Galkina wuchsen zusammen in Perm auf, einer russischen Stadt im Uralgebirge. In seinem Gespräch mit dem FBI im Januar 2017 nannte Dantschenko Galkina – damals noch als "Quelle 3" bekannt – eine "enge, persönliche Freundin", der er über die Jahre finanziell geholfen habe.

Zu diesem Zeitpunkt war dem FBI bewusst, dass es Dantschenko zuvor verdächtigt hatte, ein russischer Agent zu sein, aber es ließ die Bemühungen um seine Überwachung fallen, als er 2009 die USA verließ – um sie aus unbekannten Gründen nie wieder aufzunehmen.

Dantschenko gab inzwischen öffentlich zu, Steeles Quelle zu sein, und besteht darauf, dass die Informationen, die er dem Spion gab, wahr und korrekt waren.

Ich habe eine langjährige Beziehung zu den meisten meiner Quellen (...) und keinen Grund zu glauben, dass einer von ihnen Informationen gefälscht hat, die mir gegeben wurden", sagte er dem Journal in einer Erklärung über seine Anwälte.

Gubarew verklagte Steele jedoch vor britischen Gerichten wegen Verleumdung, und zwar wegen der offenbar von Galkina stammenden Behauptung, dass er ein Hacking-Experte sei, der vom russischen Geheimdienst unter Zwang angeworben wurde, und dass seine Firma den E-Mail-Hack des Vorstandes der Demokratischen Partei erleichtert habe.

Eine weitere große "Bombe" im Steele-Dossier war die Behauptung, dass Trumps persönlicher Anwalt Cohen ein geheimes Treffen mit russischen Spionen in Prag gehabt habe, bei dem es angeblich um die Bezahlung der Hacker und die Vertuschung ihrer Spuren ging. Die Behauptung kam von Galkina, berichtete die Zeitung. Cohen, der inzwischen ein erklärter Feind Trumps ist, erklärte wiederholt, er sei nie in Prag gewesen und die Anschuldigung sei erfunden.

Galkina nannte auch einen gewissen Sewa Kapzugowitsch als angeblichen Beteiligten am "Hacking" des Vorstandes der Demokratischen Partei. Ein Mann mit diesem Namen ist ein berüchtigter Sträfling in Perm und erhielt laut dem Wall Street Journal im Jahr 2013 eine lange Gefängnisstrafe wegen Sexualverbrechen.

Sie scheint jedoch nicht die Quelle für die brisanteste Behauptung des Dossiers zu sein: dass Trump, während er sich für einen Schönheitswettbewerb in Moskau aufhielt, vom russischen Geheimdienst gefilmt worden sei, während Prostituierte im selben Bett, in dem Präsident Barack Obama einst schlief, auf ihn uriniert haben sollen.

Dantschenko behauptete, dies in Interviews mit den Angestellten des Ritz-Carlton "verifiziert" zu haben, obwohl das FBI-Gespräch ergab, dass sie nichts dergleichen sagten, sondern nur, dass sie alles für möglich hielten. Das ursprüngliche Gerücht stammte von der sogenannten "Quelle 2".

All dies kommt vier Jahre nach den Ereignissen ans Licht, ebenso wie unzählige Untersuchungen, Anhörungen, Anklagen und Mainstream-Medienberichte, die der "Trump-Russland-Kollusion" und der "russischen Einmischung" in die US-Wahlen gewidmet waren – deren Kernstück das Steele-Dossier war.

Während einige Kritiker auf Dantschenko verwiesen und behaupteten, das Dossier sei in Wirklichkeit "russische Desinformation", ist es letztendlich eine vernichtende Anklage gegen das FBI, die US-Geheimdienste und die Mainstream-Journalisten – die alle auf die Lügengeschichten eines britischen Söldnerspions hereinfielen, der sich auf russische Saufkumpane verließ, die ihm sagten, was er hören wollte.

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