Deutschland

Wie der Testzwang für Ungeimpfte Statistiken verzerrt – Zahlenspielereien in der ARD

Der Druck auf impfunwillige Personen wird immer größer. Um die Akzeptanz der Bevölkerung für härtere Maßnahmen zu erhöhen, greifen Medien auch schon mal zu vereinfachten Darstellungen – die einer genaueren Überprüfung nicht stand halten.
Wie der Testzwang für Ungeimpfte Statistiken verzerrt – Zahlenspielereien in der ARD

von Bernd Murawski

" Nur ja keinen Zwang: Ist unsere Politik beim Impfen zu feige?" lautete der Titel der Sendung Hart aber fair vom 15. November. Die Auswahl der Teilnehmer wurde nicht gerade dem Fairness-Anspruch der Sendung gerecht: Bis auf die Philosophin Svenja Flaßpöhler offenbarten sich alle Teilnehmer als Befürworter einer COVID-19-Impfpflicht. Dies mag als Widerspiegelung der Stimmung der Bürger noch durchgehen. Zuvor ist es ja durch wochenlanges mediales Trommeln gelungen, deren Frustration über die pandemiebedingten Restriktionen auf die Impfverweigerer zu lenken und zugleich die politisch Verantwortlichen aus der Schusslinie zu nehmen.

Doch offenbar empfanden die Organisatoren eine Schaffung überklarer Mehrheitsverhältnisse als nicht ausreichend. Zu Beginn der Sendung wurden darüber hinaus dramatische Zahlen geliefert, die der Moderator Frank Plasberg als "knallige Fakten" präsentierte:

Bei Betrachtung der Grafik dürfte kaum jemand daran zweifeln, dass es mittels der COVID-19-Impfungen gelungen war, die Infektionsrate bedeutend zu senken. Die Differenz zwischen Geimpften und Ungeimpften erscheint trotz mancher Vorbehalte derart groß, dass es abwegig anmutet, an der Zweckmäßigkeit der Impfungen zu zweifeln. Dies war offenbar die Absicht. Allerdings bestehen die Zahlenangaben keinen Faktenscheck.

Dazu schauen wir uns den wöchentlichen Lagebericht zu COVID-19 des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 18. November an. Es werden Zahlen der 45. Woche zugrunde gelegt, weil sie den Zeitraum der obigen Grafik abdecken. Unter der Rubrik "Impfdurchbrüche" werden symptomatische Fälle von Geimpften und Ungeimpften aus dem gesamten Bundesgebiet verglichen, aufgeschlüsselt nach drei Altersgruppen: 12- bis 17-Jährige (A), 18- bis 59-Jährige (B) und über 59-Jährige (C). Als Geimpfte gelten Personen, die eine vollständige Impfdosis erhalten haben, wobei nach der letzten Impfung zwei Wochen vergangen sein müssen. Als ungeimpft werden Personen ohne jede Impfung betrachtet.

Die Inzidenz (Abbildung 17) beträgt in der Altersgruppe A für Ungeimpfte 360 und für Geimpfte 40. Die entsprechenden Werte für die Altersgruppe B sind 241 und 89 sowie für die Gruppe C 142 und 52. Um den Mittelwert zu errechnen, benötigen wir die Anteile der Altersgruppen an der Gesamtzahl der Personen. Diese gehen aus einer Erhebung hervor, die sich auf den Zeitraum zwischen der 43. und 46. Woche bezieht (Tabelle 3). Danach wurden 289.953 symptomatische COVID-19-Fälle erfasst, von denen 10,8 Prozent auf die Altersgruppe A, 71,5 Prozent auf B und 17,7 Prozent auf C entfallen.

Als Ergebnis erhalten wir eine Inzidenz für Ungeimpfte von 236 und für Geimpfte von 77. Die Relation zwischen beiden beträgt 3,06. Demnach erkranken Ungeimpfte an COVID-19 etwa dreimal häufiger als Geimpfte. Aus der Grafik in Hart aber fair errechnet sich aber eine weitaus größere Diskrepanz: Die Zahlen für Sachsen-Anhalt ergeben einen Faktor 9,8, für Baden-Württemberg 24,8 und für Sachsen sogar 27,7.  

Worauf beruht der gewaltige Unterschied zwischen den Angaben des RKI und der ARD?

Zu konstatieren ist, dass bei der Darstellung der Impfdurchbrüche durch das RKI nur symptomatische Fälle berücksichtigt werden, während die ARD-Grafik das gesamte Infektionsgeschehen umfasst. Betrachten wir also zu Letzterem die Meldeeingänge der Corona-Infektionen beim RKI während der Wochen 45 und 46 (Tabelle 1). Es fällt auf, dass deren addierter Wert von 614.656 mehr als doppelt so groß ist wie jener, der dem Vergleich von Geimpften und Ungeimpften zugrunde liegt. Da dessen Zahlen einen Zeitraum von vier Wochen umfassen, lässt sich schlussfolgern, dass etwa drei Viertel der gemeldeten Infektionen asymptomatisch waren.

Die Inzidenz der symptomatischen Geimpften rangiert mit 77 oberhalb der Zahlen der in der ARD-Grafik aufgeführten Bundesländer, die im Durchschnitt bei 60 liegen. Solch niedrige Werte sind wenig glaubhaft, weil die betrachteten Regionen bekanntermaßen eine vergleichsweise höhere Infektionsrate aufweisen. Darüber hinaus sind die asymptomatisch Infizierten nicht einmal in der Inzidenz von 77 enthalten. Werden diese hinzu addiert, wächst die Differenz zwischen den Angaben von RKI und ARD nochmals beträchtlich.

Es könnte nun behauptet werden, dass die asymptomatischen Meldefälle fast ausschließlich die Gruppe der Ungeimpften betreffen würden. Ihr Anteil dürfte tatsächlich überproportional sein, da sie sich angesichts der vielerorts gültigen 3G-Regel testen lassen müssen. Macht sich jemand aber dieses Argument zu eigen, dann muss er zugleich akzeptieren, dass sich unter den Geimpften ein großer Anteil asymptomatisch Infizierter befindet, dessen Zahl mangels Tests nicht bekannt ist.

Die in Hart aber fair vorgestellten Inzidenzwerte lassen sich somit weder mit den Erhebungen des RKI erklären, noch sind sie durch die Realität gedeckt. Wenn die Absicht bestand, mittels nachweisbar falscher Zahlenangeben Stimmung für einen Impfzwang zu machen, dann dürfte das Ziel erreicht worden sein. Aufmerksame Bürger werden sich dagegen in ihrer oppositionellen Haltung bestärkt fühlen.

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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Information:

Sicherheit und Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe sind umstrittene Themen. Zahlreiche Experten in Wissenschaft, Politik und Medien schätzen diese als sicher und effektiv ein, da sie das Risiko einer schweren COVID-19-Erkrankung weitgehend verhindern und die Vorteile einer Corona-Impfung die Risiken und Nebenwirkungen überwiegen. Langzeitnebenwirkungen der Impfungen sind generell nicht bekannt. Auch Risiken wie der ADE-Effekt (antibody-dependent enhancement, auf English: infektionsverstärkende Antikörper) wurden bisher bei weltweit Milliarden verabreichter Impfstoff-Dosen nicht beobachtet. Auch, dass Gensequenzen von beispielsweise mRNA-Vakzinen in die menschliche DNA eingebaut werden, gilt in Fachkreisen als ausgeschlossen. Stellungnahmen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der bundesdeutschen Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) lassen sich hier und hier nachlesen.

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