Deutschland

"Not-Schutzschalter": Führende Wissenschaftler fordern Lockdown statt "Weiter so"

Eine Gruppe medial bekannter Forscher um die Virologin Sandra Ciesek, den Intensivmediziner Christian Karagiannidis und die Physikerin Viola Priesemann macht sich für ein kurzes, aber intensives Herunterfahren vieler Bereiche des öffentlichen Lebens stark. Ansonsten drohe eine Überlastung des Gesundheitssystems.
"Not-Schutzschalter": Führende Wissenschaftler fordern Lockdown statt "Weiter so"© Frank Rumpenhorst

Droht ein erneuter Lockdown? Für den Fall einer akuten Überlastung des Gesundheitssystems und besonders der Intensivstationen in der Corona-Krise erwägt eine sogenannte Expertengruppe die Planung eines kurzen, aber intensiven Lockdowns, wie der Tagesspiegel berichtet.  

Auch die Schließung von Schulen steht zur Debatte – allerdings nur als letztes Mittel. "Es sei denn, sie wären für eine Entlastung des pädiatrischen Gesundheitssystems notwendig", wie es in einem am Donnerstag veröffentlichten Strategiepapier mit dem Titel "Nachhaltige Strategien gegen die COVID-19-Pandemie in Deutschland im Winter 2021/2022" heißt.

Die aktuelle Situation wird mit drastischen Worten beschrieben:

"Seit Juli 2021 ist auch in Deutschland die Delta-Variante des SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2) dominant. Sie ist deutlich ansteckender als die bisher bekannten Varianten. Das bedeutet ein hohes Risiko für Ungeimpfte, sich anzustecken. Dazu kommt, dass der Impfschutz ohne Dritt-Impfung ('Booster') mit der Zeit kontinuierlich nachlässt. Nach fünf Monaten sinkt der Schutz gegen Ansteckung von einem Faktor von etwa 10 auf einen Faktor 2-3. Dadurch tragen aktuell nicht nur die ungeimpften Personen zur Ausbreitung des Virus bei, sondern auch jener Teil der Bevölkerung, bei dem die Impfung schon länger zurückliegt."

Ein möglicher Lockdown wird als "Not-Schutzschalter" bezeichnet: "Es ist wichtig, ihn frühzeitig zu planen und so stark wie möglich durchzuführen, damit sich der Aufwand überproportional auszahlt", steht in dem Papier.

"Ein halbherziger Not-Schutzschalter verfehlt seine Wirkung", mahnen die Wissenschaftler, zu der unter anderem die Virologin Sandra Ciesek, der Intensivmediziner Christian Karagiannidis, die Physikerin Viola Priesemann, die Virologin Ulrike Protzer und die Epidemiologin Eva Grill gehören. 

Als Teile des "Maßnahmen-Bündels" werden in dem 19-seitigen Dossier genannt: Homeoffice und engmaschige Testpflicht am Arbeitsplatz, Reduktion der Gruppengröße in Kindergärten, Schulen und am Arbeitsplatz gleichermaßen, Schließung/Reduktion von Geschäften, Restaurants, Dienstleistungen und Veranstaltungen sowie eine deutliche Reduktion von Kontakten auf der Arbeit, in der Öffentlichkeit und im privaten Bereich.
Die Wissenschaftler machen deutlich:

"Es ist unklar, ob ein Not-Schutzschalter notwendig wird. Aber es wäre trotzdem hilfreich, schon jetzt einen klaren Plan zu entwickeln, ihn frühzeitig anzukündigen und mögliche Kollateralschäden präventiv abzufangen."

Kritisch sehen die Wissenschaftler die vergangene "Pandemiebekämpfung": "Der Lockdown-light im Winter 2020/2021 war im Gegensatz zu einem Not-Schutzschalter weder effektiv noch zielführend." Sie raten aber generell, neue Maßnahmen vorab verfassungsrechtlich und ethisch prüfen zu lassen. Unabhängig davon setzen die Wissenschaftler in erster Linie auf das Impfen, eine generelle Impfpflicht lehnen sie jedoch ab:

"Langfristig ist eine generelle Impfpflicht nicht notwendigerweise zielführend. Angesichts der Sorge um überfüllte Krankenhäuser ist es verständlich, dass Rufe nach einer Impfpflicht lauter werden. Damit eine generelle Impfpflicht ihre Wirkung entfaltet, darf man kaum Ausnahmen erlauben, müssen empfindliche Strafen verhängt werden, und die Durchsetzung muss flächendeckend funktionieren. Ist dies nicht der Fall, dann läuft man in der aktuellen polarisierten Situation Gefahr, dass eine generelle Impfpflicht zögerliche Menschen eher abschreckt und überzeugte Impfgegner auch nicht erreicht – weil diese dann lieber die Strafe bezahlen als sich impfen zu lassen. Es ist also unklar, welche Wirkung eine generelle Impfpflicht hätte."

Das Papier schließt damit, dass "eine vollständige Beendigung von nicht-freiwilligen Maßnahmen" derzeit "nicht abzusehen" ist. Denn "dies in den Winter hinein überhaupt zu diskutieren, ist völlig unrealistisch, muss aber das Ziel für die Zeit nach dem Winter sein. Wie sehr dies von einer erfolgreichen Erhöhung der Impfbereitschaft und der logistischen Planung weiterer Impfwellen abhängig sein wird, sollte deutlich geworden sein".

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