Deutschland

Wohl noch Monate mit Maske und Tests: "Freedom Day" an Schulen laut Lehrerverband nicht vor Frühjahr

Die Sommerferien sind abgehakt. In allen Bundesländern ist wieder Schule. Wird es das dritte Corona-Schuljahr in Folge? Mit einer Normalisierung des Schulalltags, mit einem Ende von Maßnahmen wie Maske-Tragen oder regelmäßigen Schnelltests ist wohl bald nicht zu rechnen.
Wohl noch Monate mit Maske und Tests: "Freedom Day" an Schulen laut Lehrerverband nicht vor FrühjahrQuelle: www.globallookpress.com © Matthias Balk / dpa

Während die Corona-Maßnahmen in vielen Lebensbereichen immer mehr gelockert werden, müssen Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbands wohl noch Monate mit Einschränkungen wie Masken, Tests und Abstandsregeln zurechtkommen. Den sogenannten "Freedom Day" für Schulen sehe man frühestens ab etwa Februar 2022 als wahrscheinlich und möglich an, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, der Nachrichtenagentur dpa

Auch die Bildungsgewerkschaften GEW und VBE, die hunderttausende Lehrkräfte in Deutschland vertreten, sehen die Schulen im neuen Schuljahr, das nun überall in Deutschland läuft, noch weit von einer Normalität wie vor Corona entfernt. Die Bundesschülerkonferenz befürchtet erneut einen Herbst und Winter, in dem die Kinder wegen der Lüftungsvorgaben frierend mit Mütze, Schal und Winterjacke im Klassenzimmer sitzen.

GEW-Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze sagte der dpa:

"So lange in der Schule Masken getragen, Tests stattfinden und immer wieder Schülergruppen oder ganze Klassen in Quarantäne geschickt werden müssen, sind wir von einer Normalisierung des Schulalltags weit entfernt."

Es bleibe schwierig, einerseits eine gute Beziehungsarbeit aufzubauen, "die für das soziale Miteinander unerlässlich und Grundlage des gemeinsamen Lernens ist, wenn andererseits aus guten Gründen Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen einzuhalten sind", so Bensinger-Stolze weiter. Eine seriöse Prognose über ein mögliches Ende von Corona-Maßnahmen wie Masken an Schulen könne man nicht abgeben.

An einen Schulalltag wie vor Corona sei weiter nicht zu denken, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. "Dafür nimmt das Testen, Abstandhalten und die Unterbrechung durch das ständige Lüften weiter zu viel Platz ein. Vielerorts kann zudem das, was kindgerechte Schule ausmacht, das Lernen in wechselnden Gruppen und an Projekten, nicht umgesetzt werden." Auch alle organisatorischen Abläufe seien weiterhin im "Corona-Modus". "Sei es die ständige Bereitschaft der Schulleitungen für Anfragen der Gesundheitsämter oder das Einhalten von Abstandsregeln auf dem Pausenhof."

Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, sieht zwar inzwischen deutlich mehr Normalität an den Schulen als noch vor den Sommerferien:

"Es ist trotzdem ein Corona-Schuljahr bis jetzt."

Schramm wies etwa auf Quarantäne-Anordnungen bei Schülern hin. Außerdem werde es nun zunehmend kälter. Der Schülervertreter kritisierte, es gebe immer noch zu wenig Luftfilter. Er betonte:

"In den Klassen wird wieder gelüftet. Wir erleben jetzt wieder immer mehr die Situation mit Winterjacke im Unterricht."

Mit den Luftfiltern könnte man das Lüften besser regulieren und "ein wenig dieses Frieren der Schülerinnen und Schüler abwenden", so Schramm weiter. 

Daten aus dem Bundeswirtschaftsministerium hatten gezeigt, dass inzwischen zwar 546 Millionen Euro der vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel für den Ein- und Umbau von Lüftungsanlagen in öffentlichen Gebäuden, Schulen und Kitas beantragt sind – abgeflossen sind aber erst 460.000 Euro. Luftfilter und Luftreiniger würden anscheinend eher in Parlamenten und Ministerien aufgebaut und nicht in Schulen, kritisierte der VBE-Vorsitzende Beckmann.

Zur Frage einer gänzlichen Aufhebung von Corona-Maßnahmen an Schulen sagte Lehrerverbands-Chef Meidinger, er hoffe auf eine baldige Möglichkeit zur Impfung für Kinder unter zwölf Jahren. Er ergänzte:

"In dem Augenblick, wo alle Schülerinnen und Schüler ein Impfangebot erhalten haben und wahrnehmen konnten, ist an den Schulen die weitgehende Aufhebung von Gesundheitsschutzmaßnahmen wie etwa der Maskenpflicht möglich und auch verantwortbar."

Ab diesem Zeitpunkt falle die Verantwortung für eine Erkrankung von Nichtgeimpften in den privaten persönlichen Verantwortungsbereich jedes Einzelnen. Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Coronavirus. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet mit einer Zulassung in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres.

Experten für Infektionskrankheiten bei Kindern und Krankenhaushygiene-Fachleute riefen dazu auf, Schulen für Kinder unter zwölf Jahren sowie auch die Kitas "uneingeschränkt und unabhängig von der regionalen Inzidenz im Regelbetrieb" offen zu halten. Das gelte auch für alle anderen Bereiche des sozialen Lebens, wie Jugendarbeit, Sportvereine, Musikschulen oder Schwimmkurse, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI).

"Gemeinschaftseinrichtungen tragen in der jetzigen Situation (keine Lockdown-Maßnahmen mehr im öffentlichen und privaten Bereich) nicht wesentlich zur Gesamtausbreitung des Erregers in der Gruppe der nicht geimpften Kinder und Jugendlichen bei", heißt es in dem Papier. Die weit überwiegende Zahl infizierter Kinder sei asymptomatisch oder erkranke mild.

Die Fachgesellschaften sprechen sich auch dafür aus, Einrichtungen für Kinder und Jugendliche über zwölf Jahren im Regelbetrieb offen zu halten und lehnen regelmäßige Tests asymptomatischer Kinder und Jugendlicher ab. Kinder, die sich solchen Tests unterziehen müssten, würden dadurch auch psychologisch grundsätzlich als "potenzielle Gefährder" eingestuft, heißt es zur Begründung. "Falsch positive Antigen-Testergebnisse lösten eine Kaskade schwerwiegender Interventionen aus, die sich im Nachhinein als nutzlos erweisen."

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(rt/dpa)

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