Deutschland

Diesmal wegen "Booster-Impfung" unter Druck: STIKO will zeitnahe Empfehlung vorlegen

Nach Monaten des politischen Drucks schwenkte die STIKO letzten Endes um und sprach auf Grundlage neuer Daten eine Empfehlung für die Corona-Impfung von 12- bis 17-Jährigen aus. Nun fordern die Kassenärzte eine STIKO-Empfehlung für Drittimpfungen gegen SARS-CoV-2. STIKO-Chef Mertens will bald ein entsprechendes Papier vorlegen.
Diesmal wegen "Booster-Impfung" unter Druck: STIKO will zeitnahe Empfehlung vorlegenQuelle: www.globallookpress.com © Kay Nietfeld/dpa

Über Monate weigerte sich die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI), dem politischen Druck nachzugeben. Es ging um die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren. Ein ums andere Mal verwahrte sich der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens gegen eine entsprechende "Erwartungshaltung" seitens der Politik. Bei ihren Entscheidungen dürfte diese keine Relevanz haben. Man arbeite "unabhängig von Politiker-Meinungen und der Pharmaindustrie".

Kinder erkrankten nur äußerst selten schwerwiegend an COVID-19, so die grundlegende Argumentation. Da bei einer Impfung von Kindern vor allem deren eigener Schutz im Vordergrund steht, sprach man sich auf Grundlage einer negativen Nutzen-Risiko-Analyse gegen eine generelle Impfempfehlung bei der entsprechenden Altersgruppe aus. Ausnahmen bildeten Kinder mit schwerwiegenden Grunderkrankungen. Derweil wuchs vor allem der politische Druck weiter.

Mitte August dann der Schwenk. Nach sorgfältiger Bewertung neuer wissenschaftlicher Beobachtungen und Daten kam das Gremium zu der Einschätzung, "dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen". Die STIKO argumentierte, dass die aktualisierte Empfehlung "in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor COVID-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen" abziele.

Nun fordern die Kassenärzte eine STIKO-Empfehlung für Auffrischimpfungen, die sogenannten "Booster-Impfungen" gegen das Coronavirus. Dazu erklärte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen:

"Die STIKO hat die Daten, um für bestimmte Gruppen eine Empfehlung für eine Drittimpfung auszugeben. Die STIKO wäre für solche Vorgaben die richtige Institution."

Dort, ergänzte Gassen, säßen "die Fachleute, die tatsächlich Ahnung vom Impfen haben". Jetzt gehe es darum, diejenigen zuerst durch eine dritte Dosis zu schützen, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben.

"Die STIKO trifft rationale, faktenbasierte Entscheidungen – anders als mitunter die Politik."

Gassen gilt keineswegs als uneingeschränkter Befürworter der Maßnahmenpolitik der Bundesregierung. Angesichts der Delta-Variante und der Angst vor einer "vierten Welle" forderte der Humanmediziner eine sachliche und seriöse Debatte und kritisierte eine "fast schon hysterische" Diskussion. Es sei "unverantwortlich, immer wieder mit Endzeitszenarien zu operieren, so Gassen im Juli.

"Delta ist ansteckender, aber nach heutigen Erkenntnissen wohl nicht wesentlich gefährlicher als die bisherigen Varianten."

Was nun die Booster-Impfungen anbelangt, forderte der SPD-Politiker und Gesundheitsökonom Karl Lauterbach indes, die Politik müsse jetzt eine klare Ansage machen, welche Gruppen bei den Auffrischimpfungen zuerst an der Reihe seien. Es müsse klargestellt werden, "um welche Jahrgänge es sich handelt und bei welchen Risikofaktoren eine dritte Impfung angezeigt ist".

Aktuellen Berichten nach plant die STIKO, eine zeitnahe Empfehlung zu Auffrischungsimpfungen für Senioren und Immungeschwächte auszusprechen. Die Aufarbeitung der vorliegenden Daten sei in vollem Gange, erklärte STIKO-Chef Mertens am Mittwoch gegenüber der dpa. Lange werde es nicht mehr dauern, auf ein genaues Datum für die Empfehlung könne er sich aber noch nicht festlegen.

Geplant sei auch eine Aktualisierung der Empfehlung für Schwangere, wenn die Datenaufarbeitung bei der STIKO in diesem Bereich voranschreite. Bisher ist die Empfehlung für Schwangere stark eingeschränkt: Sie gilt nur für Frauen mit Vorerkrankungen und einem hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung bzw. für Frauen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände. Nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher ärztlicher Aufklärung kann diesen Gruppen seit Mai eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel angeboten werden.

Für Kinder unter 12 Jahren gibt es in Europa bisher keine zugelassenen Impfstoffe. Bis zum Herbst wollen die Pharmaunternehmen jedoch entsprechende Daten vorlegen.

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