Deutschland

Potemkinsche Dörfer? – Verkehrsminister Scheuer eröffnet Geister-Zentrum

Am Montag hat der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in München das Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft (DMZ) mit einem Finanzaufwand von 400 Millionen Euro eröffnet. Das Zentrum hat allerdings bisher weder Gebäude noch Forscher und folglich auch keine Projekte.
Potemkinsche Dörfer? – Verkehrsminister Scheuer eröffnet Geister-ZentrumQuelle: www.globallookpress.com © Matthias Balk dpa

400 Millionen Euro soll das neue Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft (DMZ) den deutschen Steuerzahler kosten. Am vergangenen Montag eröffnete der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) das Zentrum in München offiziell. Einziges Problem: Es existiert noch gar nicht. Die neue Einrichtung hat bisher weder Gebäude noch Forscher noch wissenschaftliche Projekte, die es angehen oder gar lösen könnte.

Das Bundesverkehrsministerium teilte am Vormittag des 23. August auf Twitter mit, dass dieses DMZ im Rahmen einer Auftaktveranstaltung ab 11.30 Uhr durch den Bundesminister Andreas Scheuer, den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und den Münchener Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eröffnet werden solle: "Heute LIVE um 11.30 Uhr: Startschuss für das Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft! Mit BM @andreas scheuer, dem bayerischen MP @Markus_Söder & Münchens OB Dieter Reiter. Das @DZM soll ein international herausragender Ort der Mobilitätsforschung werden."

"Seid heute LIVE um 11.30 Uhr dabei, wenn das Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft seine Arbeit aufnimmt", heißt es in der Beschreibung des in dem Tweet verlinkten Videos:

In Wirklichkeit existiert aber bisher gerade eine erste Geschäftsstelle des DMZ in München, vermutlich angemietete Räume. Denn es gibt noch keine Gebäude, keine Wissenschaftler und keine Forschungsprojekte.

Christian Storch, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, kritisiert sodann auch Andreas Scheuer persönlich auf Twitter: "Er hat bisher nur Konzepte für das #DMZ, die ihm seine Berater für über 1 Mio. € aufgeschrieben haben". Storch erklärt: "Heute hat @andreasscheuer so getan, als ob er in München für 400 Mio. € das "Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft" (DMZ) eröffnet. Tatsächlich hat er nur eine Geschäftsstelle (!) für das DMZ eröffnet. Es gibt kein Gebäude, keine Forscher & keine Projekte".

Andreas Scheuer erläutert auf der Auftaktveranstaltung selbst diese gewisse Problematik so: "Wir müssen jetzt noch (...) die Verfasstheit dieses Deutschen Zentrums machen, also das auf den Weg bringen. Aber mit dieser Geschäftsstelle ist der erste, große Schritt schon gemacht." Diese Äußerung des Bundesverkehrsministers kann den Eindruck einer Schein-Eröffnung, einer virtuellen DMZ-Projektion jedenfalls nicht entkräften – ganz im Gegenteil.

Das Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft ist bisher nur ein Potemkinsches Dorf des CSU-Ministers. Es könnte also noch wesentlich teurer werden.

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