Deutschland

Allensbach-Umfrage: Freiheitsgefühl in Deutschland stark gesunken

Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Juni 2021 zeigt auf, dass sich nur noch 36 Prozent der Deutschen in ihrem Leben frei fühlen. Damit sinkt der Wert auf den tiefsten Stand seit 2005.
Allensbach-Umfrage: Freiheitsgefühl in Deutschland stark gesunkenQuelle: AFP © FADEL SENNA / AFP

Freiheit ist eines der wichtigsten Grundbedürfnisse des Menschen. Sich frei zu fühlen, bestimmt in großem Maße die gesamte Lebensqualität. Hierzulande ist Letztere im Vergleich zu vielen anderen Ländern in der Regel recht hoch, doch das Freiheitsgefühl der Bürger hat einen Tiefstand erreicht, der zuletzt im Jahr 2005 gemessen worden war.

Nach Umfrageergebnissen des Instituts für Demoskopie Allensbach, das seit dem Jahr 2011 oft in Zusammenarbeit mit dem John Stuart Mill Institut für Freiheitsforschung und dem Institut für Publizistik der Universität Mainz jährlich den Freiheitsindex Deutschland erstellt, fühlen sich die deutschen Bundesbürger so unfrei wie schon lange nicht mehr. Nur noch 36 Prozent der Befragten empfinden ein Gefühl von Freiheit, während es 2017 noch über die Hälfte war – 51 Prozent. Somit erreicht der Wert den Tiefstand von vor 16 Jahren, der beispielsweise mit den damaligen Reiseeinschränkungen aufgrund von Terrorangriffen in Verbindung gebracht werden konnte.

In den vergangenen 16 Monaten haben die Bewohner Deutschlands dagegen die harten Einschnitte der COVID-19-Pandemie zu spüren bekommen, die unter anderem für die stark gesunkenen Zahlen verantwortlich sein dürften. Ausgangssperren und Lockdowns, die Frage nach Sonderrechten für Personen, die einen vermeintlichen Impfschutz besitzen, und die Einschränkungen der Reisefreiheit haben wohl insgesamt für eine stärkere Beschäftigung mit dem Thema gesorgt, sodass die kritische Betrachtung der eigenen Umstände zunahm.

Wie die Bundesregierung in den Alltag von Privatpersonen eingegriffen habe, sei in den vergangenen 16 Monaten nicht unbemerkt geblieben, so der Leiter der Studie. Es sei leicht nachvollziehbar, dass viele Menschen der Meinung seien, dass etwas nicht stimme.

Die RTL/ntv exklusiv vorliegende Studie untersuchte neben dem subjektiven Freiheitsgefühl auch die Einstellung der Bundesbürger gegenüber dem Staat sowie deren Wahrnehmung betreffend der Möglichkeiten zur freien Meinungsäußerung und den Pflichten bezüglich gesellschaftlichen Engagements. Auf die Frage, ob man in Deutschland seine politische Meinung noch frei äußern könne, sagten nur 45 Prozent, dass dem so sei – der Tiefststand seit der ersten Durchführung der Studie vor 31 Jahren.

Vor vier Jahren waren noch 63 Prozent der Teilnehmer davon überzeugt. Dieser Wert sinke aber seit drei Jahrzehnten stetig, betont Studienleiter Roland Schatz des Allensbach-Instituts. Auch erkenne er hier einen Zusammenhang zur COVID-19-Pandemie, da allein schon die Frage nach der persönlichen Impfbereitschaft politischer Natur sei. Er vermute, dass die Impfdebatte das Vertrauen in die Bundesregierung geschmälert habe.

Dafür hat sich laut der Umfrage jedoch das Gefühl verändert, wie die Bevölkerung den Staat wahrnimmt. 47 Prozent stimmten der Aussage zu, dass der Staat wir alle seien und es an den Bürgern liege, wie sich Deutschland entwickle. 2012 waren es zehn Prozentpunkte weniger. Die gegenteilige Aussage, dass der Staat und die Bürger verschiedene Dinge seien und Bürger wenig Einfluss auf die Entwicklung Deutschlands besäßen, wurde hingegen nur noch von 42 Prozent der Teilnehmer unterstützt, was einen Rückgang von zwölf Prozent ausmacht.

Ob man als Einzelner einen Einfluss darauf habe, was am eigenen Aufenthaltsort geschehe, oder man machtlos sei, wurde von 47 Prozent positiv bewertet, was eine Steigerung von 25 Prozent im Vergleich zu 1992 darstellt. Auch die Bereitschaft zum gesellschaftlichen Engagement hat mit 74 Prozent nochmals eine Steigerung erfahren. Egoistische Positionen befinden sich somit auf dem Rückzug.

Es sei kein Widerspruch, dass sich das Gefühl der potenziellen Einflussnahme auf das Staatsgeschehen zeitgleich verstärkt habe, während das Freiheitsgefühl der Bevölkerung so stark sank, behauptet Studienleiter Schatz. Er erkenne, dass Menschen als Individuen verfasst seien und sich als diejenigen begriffen, die für ihr eigenes Leben verantwortlich sind, was keine Bundesregierung zerstören könne.

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