Deutschland

Zweiklassengesellschaft im Europapark Rust: Armbänder zeigen an, wer geimpft ist und wer nicht

Im badischen Europapark Rust gibt es Corona-Maßnahmen der ungewöhnlichen Art – die Kritiker an dunkle Zeiten erinnern. Besucher müssen fortan Armbändchen mit verschiedenen Farben tragen. Geimpfte erhalten weiße, Getestete bunte Bändchen.
Zweiklassengesellschaft im Europapark Rust: Armbänder zeigen an, wer geimpft ist und wer nichtQuelle: www.globallookpress.com © Daniel Schoenen

In Baden-Württemberg gilt seit Montag eine neue Corona-Verordnung. Wegen dieser haben Geimpfte und Genesene im Bundesland nahezu alle Grundrechte wieder zurückerhalten – für jene ohne Impfnachweis wird es dagegen immer komplizierter, ein normales Leben zu führen. 

Im Europapark Rust – unweit der Grenze zu Frankreich – gelten aufgrund der neuen Corona-Verordnung ebenfalls diese neuen Regeln. Geimpfte müssen dort ihren Impfausweis vorlegen, Genesene einen Labortest, der ihnen im besten Fall Antikörper bescheinigt. Nichtgeimpfte Besucher werden verpflichtet, einen maximal 24 Stunden alten Schnelltest oder einen PCR-Test vorzulegen. Noch wird dieser kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch Kinder ab sechs Jahren müssen sich in Baden testen lassen.

Seit Montag verteilt der Park verschiedenfarbige Bändchen an die Besucher des Parks, wie BW24 berichtet. Geimpfte und genesene Besucher bekommen ein weißes Armbändchen, Getestete erhalten bunte Bänder, deren Farbe täglich geändert wird. Das gab der Europapark auf Anfrage von BW24 bekannt.

Protest bleibt nicht aus, auf Facebook etwa kommentiert das eine Nutzerin so:

"Das kann doch nur ein Witz sein? Wer macht denn da mit?"

Ein anderer findet, ob jemand geimpft ist oder nicht, sollte nicht für jedermann auf den ersten Blick erkennbar sein: "Eine Impfung ist immer noch eine persönliche Angelegenheit, obliegt dem zugeordneten Datenschutz", schreibt er unter dem Facebook-Post von BW24.

Ein Twitter-Nutzer beschwert sich ebenfalls und meldet sich direkt auf der Twitter-Seite des Europaparks zu Wort: Man könne am Armbändchen den Impfstatus von anderen Besuchern erkennen. Er schrieb:

"Ich würde einen Eintritt wählen, ohne öffentlich medizinische Details von mir preisgeben zu müssen."

Andere Nutzer zogen einen Vergleich des "Europaparks" mit einer unrühmlichen Geschichtsepoche:

"Der #Europapark kennzeichnet Menschen: #Ungeimpfte natürlich – mit farbigem Bändchen. Der letzte Europapark, in dem es eine Kennzeichnungspflicht für bestimmte Gruppen gab, lag nicht in #Rust, sondern ging von Vichy-Frankreich über Holland & Polen weit in den Osten hinein."

Begründet werden die Bändchen mit der "Einfachheit" und Übersichtlichkeit. Der Europapark findet, die farbigen Bändchen erleichtern den Besuch der Gäste. Vor allem die Kontrollen seien damit schneller möglich.

Dass Geimpfte und Genesene dauerhaft ein weißes Bändchen bekommen, liegt daran, dass ihr Status sich nicht ändert. Wer jedoch lediglich einen Test vorweist, muss diesen alle 24 Stunden aktualisieren. Also gibt es täglich eine neue Farbe beim Armband, um schneller auszumachen, wer mit einem aktuellen Test unterwegs ist – und wer nicht. Für Hotelgäste oder Restaurantbesucher sei das relevant. Sie sollen damit nicht weiteren aufwändigen Tests und Kontrollen ausgesetzt werden. 

Nachtrag: Seit Donnerstag gibt es bei den Armbändern keine farbliche Unterscheidung mehr zwischen genesen, geimpft und getestet. Laut einer Sprecherin des Europa-Park sei es nie um die Stigmatisierung einer Gruppe gegangen. "Es ging lediglich darum, eine möglichst praktische und überschaubare Lösung zu finden."

Mehr zum Thema - Zutritt künftig nur für Geimpfte? – Österreich debattiert über die "1-G-Regel"

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