Deutschland

Staatlicher Zuspruch, Homophobie und Gewalt im Umfeld des CSD in Berlin

Während die zum Teil ohne Maske und Abstände feiernden 65.000 CSD-Anhänger am Sonnabend in Berlin ihre regenbogenfarbenen Botschaften unters Volks brachten, kam es an am Rande vereinzelt zu homophoben Aktionen. Bei einer anderen "queeren" Demo kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Staatlicher Zuspruch, Homophobie und Gewalt im Umfeld des CSD in Berlin© stefan zeitz via www.imago-image

Während der Christopher Street Day (CSD) selbst am Sonnabend in Berlin weitgehend friedlich ablief, kam es im Vor- und Umfeld zu zahlreichen gewaltsamen Vorfällen. Bei einer Demonstration in Kreuzberg und Neukölln ist es laut Berliner Polizei am Samstagabend zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Teilnehmern und Einsatzkräften gekommen, wie der RBB berichtet

Demo gegen Mainstream-CSD eskaliert

Die Demonstration richtete sich unter anderem gegen die Kommerzialisierung des CSD. Auf Facebook schrieben die Veranstalter:

"Mit der Internationalistischen Queer Pride Demo wollen wir Pride vom Mainstream-CSD zurückfordern und die radikalen queeren, antikolonialen und antirassistischen Communities Berlins zusammenbringen."

Ein Ordner habe im Bereich Reichenberger Straße/Mariannenstraße Journalisten in ihrer Arbeit eingeschränkt. Der 52-Jährige soll sie mehrfach mit einem Lautsprecher angebrüllt haben. Daraufhin nahmen ihn Polizisten vorläufig fest und brachten ihn in ein Polizeifahrzeug. Kurze Zeit später versammelten sich 50 bis 80 Menschen um den Wagen, um zu verhindern, dass dieser zur Wache fahren könne. Weiterhin wurden "polizeifeindliche Sprechchöre skandiert", mehrere hundert Menschen versammelten sich um das Gefährt.

Dann eskalierte die Situation: So hätten einerseits Demonstranten Polizisten geschlagen und getreten, während andererseits die Beamten "gezielt körperliche Gewalt in Form von Schlägen gegen die Aggressoren unter den Teilnehmenden" eingesetzt hätten, wie die Einsatzkräfte mitteilten. Final konnte der Polizeiwagen zur Wiener Straße in Kreuzberg weiterfahren, wo der Ordner "nach Abschluss polizeilicher Maßnahmen" wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.

Grundsätzlich verlief die Hauptdemonstration am Samstag ohne weitere Vorkommnisse, auch wenn die Polizei hin und wieder wegen mangelnder Abstände und fehlender Masken einschreiten musste. Einige Beamte solidarisierten sich im Vorfeld mit den Teilnehmern.

Auch Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller wünschte den Feiernden "Happy Pride, Berlin":

Homophobe Aktionen am Freitag

Bereits am Freitag soll ein 18-Jähriger in Kreuzberg in der U-Bahn-Linie 1 ein schwules Paar beleidigt und tätlich angegriffen haben. Der Jugendliche hatte die beiden Männer zuerst verbal beleidigt und bedroht, wie Polizei bekannt gab. Im Anschluss hatte er einen der beiden mehrfach mit der Faust geschlagen.

Andere U-Bahn-Gäste schafften es, den Attackierenden von dem 51-Jährigen zu trennen – dennoch erlitt dieser leichte Verletzungen. Der Täter verließ die Bahn laut Polizei am Bahnhof Schlesisches Tor, wo er von Beamten verhaftet wurde. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung eingeleitet.

Etwa zur gleichen kam es im Vorfeld des CSD in Berlin-Moabit zur Schändung einer Gedenktafel für die homosexuelle Emanzipationsbewegung. Wie die Polizei bekannt gab, wurden Teile der dort abgebildeten Gesichter von Unbekannten ausgebrannt. In der Folge nahm der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes Ermittlungen wegen Sachbeschädigung auf. 

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