Deutschland

Nach erfolgreichem Fälschungsexperiment: Ausstellung von Impfzertifikaten in Apotheken gestoppt

Eine Schwachstelle bei den digitalen COVID-19-Impfnachweisen ermöglicht es Unbefugten, Zertifikate für Ungeimpfte auszustellen. Nach einem Experiment mit einer gelungenen falschen Anmeldung musste der Apothekerverband reagieren.
Nach erfolgreichem Fälschungsexperiment: Ausstellung von Impfzertifikaten in Apotheken gestopptQuelle: www.globallookpress.com

Seit mehreren Wochen stellen die Apotheken in ganz Deutschland Corona-Impfzertifikate aus. Seit Mittwoch ist das nun nicht mehr möglich. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) teilte am Donnerstag mit, dass die Ausstellung von Zertifikaten in Rücksprache mit dem Bundesgesundheitsministerium gestoppt worden sei.

Dem Handelsblatt war es demnach gelungen, "mithilfe von professionell gefälschten Dokumenten" auf dem DAV-Server einen Gastzugang für einen nicht existierenden Apothekeninhaber zu erzeugen, mit dem dann zwei Impfzertifikate ausgestellt worden seien. Aktuell würden deshalb die angemeldeten Betriebsstätten einer Überprüfung unterzogen. Doch gebe es bislang keine Hinweise auf andere unberechtigte Zugänge.

Das Handelsblatt teilte auf Anfrage mit, es sei richtig, dass das Blatt eine gravierende Sicherheitslücke bei der Erstellung digitaler Impfnachweise aufgedeckt habe. "Jedoch hat nicht das Handelsblatt selbst sich einen Zugang zum System verschafft; zwei IT-Sicherheitsspezialisten haben die Schwachstelle offengelegt und damit demonstriert, dass es bei dem Portal deutliche Mängel gibt", erklärte eine Verlagssprecherin.

"Wie sie (die IT-Spezialisten) dem Handelsblatt demonstrierten, mussten sie sich lediglich eine Apotheke ausdenken und mit einfachen Mitteln deren Existenz (gegenüber dem DAV) glaubhaft machen. So schufen sie die 'Sonnen-Apotheke' – auf dem Papier", schreibt das Handelsblatt in einem Artikel dazu.

"Keine der fiktiven Angaben auf dem Anmeldeformular für das Online-Portal des DAV, über das Pharmazeuten die Impfnachweise ausstellen, kamen dem Verband verdächtig vor – nicht einmal die angebliche Lage der Sonnen-Apotheke in einem Mehrfamilienhaus", so die Zeitung weiter. Da viele Apotheken ihre Betriebserlaubnis und sonstige Dokumente auf ihre Internetseite stellen, konnte auch diese mit einer einfachen Bildbearbeitung gefälscht werden.

Wann die Apotheken wieder Impfzertifikate ausstellen können, steht nach Angaben des DAV noch nicht fest. Es sei aber davon auszugehen, dass die über 25 Millionen Impfzertifikate, die bisher ausgestellt worden seien, alle von rechtmäßig registrierten Apotheken stammen.

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(rt/dpa)