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"Langlebig, leicht, lebensfreundlich": Ausstellung des Designers von Wartburg, Simson und Diamant

Er entwickelte das Design des Mopeds S50, des Motorrades ETZ 150 und später noch von E-Bikes für Diamant. Karl Clauss Dietel zählt zu den bekanntesten Formgestaltern der DDR. Eine Ausstellung in Chemnitz würdigt das Lebenswerk des Künstlers, der aus dem Kraftfahrzeugbau kam.
"Langlebig, leicht, lebensfreundlich": Ausstellung des Designers von Wartburg, Simson und DiamantQuelle: www.globallookpress.com © Hendrik Schmidt/ZB

Eine Ausstellung von Entwürfen für Mopeds, Schreibmaschinen, ein Auto und E-Bikes wird am Sonnabend in der Kunstsammlung Chemnitz eröffnet. Sie ehrt den Designer Karl Clauss Dietel, der zu den bekanntesten Formgestaltern in der DDR zählt und auch nach 1990 sein Wirken erfolgreich fortsetzen konnte. 

Gezeigt werden Skizzen und Zeichnungen, Modelle aus Gips, Holz oder Schaumstoff, Fotografien von Produkten und Exponate aus Serienproduktionen. Auf diese Weise werden verschiedene Etappen im Gestaltungsprozess nachvollziehbar. Viele Projekte verwirklichte Dietel in Zusammenarbeit mit Lutz Rudolph (1936-2011). Beide seien "kongeniale Partner" gewesen, betonte die Kuratorin der Ausstellung Antje Neumann-Golle in Chemnitz, dem früheren Karl-Marx-Stadt.

Der Designer vertrat ein offenes Prinzip bei der Gestaltung, was bereits in seiner Diplomarbeit an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst der DDR, der heutigen Kunsthochschule Berlin-Weißensee, deutlich wurde, wie die Kuratorin darlegte. Damals fertigte er einen Entwurf für einen Mittelklassewagen mit steilem Heck an, der allerdings nicht realisiert werden konnte. Dietel fasste seine Leitlinien in seinen "fünf L" zusammen: langlebig, leicht, lütt, lebensfreundlich, leise.

Seine bekanntesten Gestaltungen realisierte er für den Fahrzeugbau. So entwarf er den Wartburg 353, der modifiziert gebaut wurde, sowie ein Nachfolgemodell für den Trabant 601, das nicht gebaut wurde. Durchschlagenden Erfolg erzielte er auch mit Zweirädern. Die Formgestaltungen für das Moped Simson S50 und das Motorrad ETZ 150 sind sein Werk. Für die Fahrrad-Marke Diamant entwarf er zuletzt Elektromodelle.

Auch das Design weiterer bekannter Produkte in der DDR stammte von Karl Clauss Dietel, beispielsweise für die Schreibmaschine Erika, für einen beliebten Rundfunkempfänger mit Kugellautsprechern oder einen Strickautomaten. Dietel wurde nach seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser in Glauchau mit einem Studium von 1953 bis 1956 an der Ingenieurschule für Kraftfahrzeugbau Zwickau Ingenieur für Kraftfahrzeugbau, bevor er an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee bis 1961 Formgestaltung studierte.

Danach arbeitete er zunächst in der Zentralen Entwicklung und Konstruktion für den Fahrzeugbau in Karl-Marx-Stadt und wirkte schließlich ab 1963 freischaffend in der DDR. Im Jahr 2014 wurde er mit dem Designpreis der BRD ausgezeichnet. In 2019 übergab der mittlerweile 86-Jährige etwa 8.000 Exponate aus seinem Schaffen an die Kunstsammlungen Chemnitz.

Die Ausstellung ist vom 26. Juni bis zum 3. Oktober 2021 zu sehen. Am 4. August und am 22. September gibt es spezielle Führungen. Am 1. und 2. Oktober veranstaltet die Stadthalle Chemnitz ein Symposium zum Thema Ostmoderne.

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(rt/dpa) 

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