Deutschland

100 Mrd Euro mehr: Deutsche sparen im Corona-Jahr 2021 ein Viertel mehr als letztes Jahr

Im ersten Quartal haben die Deutschen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 23,2 Prozent mehr gespart als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Deutschen haben damit ein Sparrekord erzielt. Und das trotz Inflation und Negativzins.
100 Mrd Euro mehr: Deutsche sparen im Corona-Jahr 2021 ein Viertel mehr als letztes JahrQuelle: www.globallookpress.com © Sascha Steinach via www.imago-im/www.imago-images.de

Die Deutschen haben im Durchschnitt in den ersten drei Monaten dieses Jahres so viel von ihrem Einkommen gespart wie nie zuvor. Die Sparquote der privaten Haushalte im ersten Quartal stieg auf rekordverdächtige 23,2 Prozent. Die Sparquote wird definiert als das Verhältnis von Ersparnissen zum Einkommen. Dabei teilt man das Ersparte durch das gesamte zur Verfügung stehende Einkommen. Hauptgründe für die Geldanhäufung auf den Konten: Corona-Schließungen und Reisewarnungen. Selbst im zweiten Quartal des Vorjahres im Lockdown sparten die Deutschen nur 20,5 Prozent. 

Bei einer deutlich anziehenden Inflation von erwarteten fast drei Prozent, Strafzinsen und erhöhten Gebühren für zahlreiche Konten stellen die zig Milliarden, die auf der hohen Kante liegen, auch ein Risiko dar. Dann zum Beispiel, wenn Abermilliarden von Sparkapital auf eine anziehende Inflation treffen. Dann wird der Wohlstand eher in Gefahr gebracht als durch Sparen gesichert. 

Vor allem ältere Menschen und Menschen mit höherem Einkommen sparen in Corona-Zeiten auf die herkömmliche Art und ließen ihr Geld auf dem Konto. Allerdings rechnen die Experten damit, dass nach der Pandemie die Wirtschaft angekurbelt und das Geld wieder ausgegeben wird. Das allerdings nicht unbedingt in Deutschland. Der Deka-Bank-Ökonom Andreas Scheuerle sagt der Frankfurter Allgemeinen:

"Allerdings könnte ein Teil davon infolge des ferienbedingten Reiseverkehrs ins Ausland getragen werden."

Nach Angaben des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) haben deutsche Privathaushalte allein im vergangenen Jahr rund 100 Milliarden Euro mehr gespart als ohne Pandemie. In der zweiten Jahreshälfte rechnen die Experten mit einem deutlichen Anstieg des Konsums. DZ-Bank-Ökonom Michael Stappel sagte:

"Angetrieben von der Corona-Krise schoss die Sparquote bereits im zweiten Quartal des Vorjahres auf 20 Prozent und damit auf den mit Abstand höchsten Wert seit der Wiedervereinigung."

Im Rest des Jahres sei der Anteil des gesparten Einkommens immer noch weit über dem Durchschnitt vergangener Jahre geblieben. Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes erreichte die Sparquote einen historischen Rekord. Hohe Sparquoten habe es in Deutschland zuletzt zu Zeiten der Ölkrise 1973 gegeben.

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