Deutschland

Rückgang der "Infektionszahlen": Bundesregierung sieht Corona-Notbremse am Werk

Seit Tagen gehen die Infektionszahlen hierzulande auffällig deutlich zurück. Für die Bundesregierung stellt dies ein klares Indiz für die Wirksamkeit der Bundes-Notbremse dar. Doch es schleichen sich Zweifel an der Interpretation des Geschehens durch die Regierung ein.
Rückgang der "Infektionszahlen": Bundesregierung sieht Corona-Notbremse am WerkQuelle: www.globallookpress.com

Die bundesweit verbindlichen Regeln für schärfere Corona-Maßnahmen bei hohem Infektionsgeschehen zeigen aus Sicht der Bundesregierung Wirkung. Kanzleramtschef Helge Braun wusste am Mittwoch in der Regierungsbefragung im Bundestag zu berichten:

"Seitdem wir die Notbremse in Kraft gesetzt haben, sehen wir jetzt eine deutliche Umkehr."

Es zeige sich, ergänzte Braun, "momentan wirklich eine extrem schnelle Entlastung von den Infektionszahlen, was uns auch die Hoffnung gibt, dass das Gesundheitswesen seine Überlastung reduziert".

Die von Bundestag und Bundesrat beschlossene einheitliche "Notbremse" greift seit dem 24. April in vielen Teilen Deutschlands. Sie muss gezogen werden, wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 100 überschritten wurde. Der Wert gibt an, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner es binnen einer Woche gab.

Bundesweit ging die Sieben-Tage-Inzidenz nun weiter auf 132,8 zurück, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch bekannt gab. Am Vortag lag sie bei 141,4 und vor einer Woche bei 160,6.

Was die fallenden Zahlen anbelangt, zeigte sich der SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach zuletzt davon überzeugt, dass zunächst "schon die Diskussion um die Osterruhe geholfen" habe, denn durch diese sei "die Bevölkerung (...) über Ostern vorsichtiger geworden".

"Dann half der klare Appell der Wissenschaftler vor der Notbremse und die Notbremse selbst."

Zudem hätte es ohne die sogenannte Notbremse "Öffnungen in steigende Fallzahlen hinein gegeben". Das sei jedoch ausgeblieben.

"Auch Ausgangsbeschränkungen haben die Kontakte reduziert. Zusätzlich wirkt die Testung durch Antigentests, Infektionsketten werden früh erkannt und durchbrochen."

Zuvor war von verschiedener Stelle berichtet worden, dass laut Intensivmedizinern Tausende Menschenleben durch die Notbremse gerettet worden seien. Das überzeugt jedoch bei Weitem nicht alle Fachleute. So erklärte etwa die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie Eva Grill:

"Die 'Notbremse' kann diese Zahlen noch nicht direkt beeinflusst haben, dafür ist sie noch nicht lang genug in Kraft."

Auch sie mag jedoch nicht ausschließen, dass allein die Diskussion um die Bundes-Notbremse die Menschen habe vorsichtiger werden und die Infektionszahlen zurückgehen lassen. Auch die Verabreichung der Corona-Vakzine könnte sich bereits niedergeschlagen haben.

Kritische Beobachter verweisen derweil auf die "Saisonalität" als ursächlich für den Rückgang der sogenannten "Infektionszahlen". Auch das neuartige Coronavirus sei diesem Zyklus unterworfen. In etlichen Staaten Europas seien die Zahlen rückläufig, auch ohne eine Notbremse.

Auch der als mutmaßlicher Gegenspieler von Lauterbach gehandelte Chef der Virologie am Universitätsklinikum in Bonn, Hendrik Streeck, argumentierte zuletzt am Mittwoch mit der Saisonalität.

Streeck betonte gegenüber RTL:

"SARS2 ist ein Coronavirus, das sich wie alle anderen Coronaviren saisonal verhält. Die Trendwende kommt dieses Jahr etwas verspätet, was wahrscheinlich daran liegt, dass Deutschland seit 40 Jahren den kältesten April hatte. Der Rückgang der Infektionen sinkt in allen Altersgruppen ähnlich."

Auch Streeck macht zudem einen "Impfeffekt" aus. Bereits seit geraumer Zeit weist der Virologe darauf hin, dass es in der Natur der Sache liege, dass sich "Coronaviren saisonal verhalten".

Zuletzt stützten sich auch dänische Wissenschaftler in einer Studie vom 17. März auf jahreszeitbedingte Effekte.

"Der saisonale Effekt hat einen entscheidenden Einfluss auf die Prognosen für die Entwicklung der Infektionsraten, der Neuaufnahmen und der stationären Einweisungen."

Die Erkenntnisse stützen sich unter anderem auf Modellierungen des Infektionsgeschehens in Schweden im Frühjahr und Sommer 2020.

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