Deutschland

Kriminalitätsstatistik in Bayern zeigt: 23,7 Prozent mehr Sexualdelikte zu Corona-Zeit

Bayern ist eines der ersten Bundesländer, das mit seinen statistischen Kriminalitätsdaten im Folgejahr an die Öffentlichkeit geht. Insgesamt hat die bayerische Polizei 2020 rund 563.200 Anzeigen aufgenommen. Im Corona-Jahr 2020 zeigt sich: Es gab mehr sexuelle Gewalt und weniger Einbrüche.
Kriminalitätsstatistik in Bayern zeigt: 23,7 Prozent mehr Sexualdelikte zu Corona-ZeitQuelle: www.globallookpress.com © Alexander Pohl / www.AlexanderPo

Dabei machte sich auch die Corona-Pandemie bemerkbar: Die Polizei registrierte in Bayern deutlich weniger Einbrüche und Ladendiebstähle, aber mehr Betrugsdelikte im Internet. Innenminister Joachim Herrmann sagte:

"Die Sicherheitslage im Freistaat hat sich vergangenes Jahr weiter verbessert – die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 41 Jahren und die höchste Aufklärungsquote seit 26 Jahren. Damit verteidigen wir unseren langjährigen Spitzenplatz bei der Inneren Sicherheit!" 

Die größte Steigerung gab es in Bayern in der Deliktgruppe der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, wozu auch unter anderem Vergewaltigung und sexueller Missbrauch zählen. Diese haben in Bayern um 23,7 Prozent zugenommen auf 11.197 Delikte (2019: 9.050), die Aufklärungsquote stieg um 1,7 Prozentpunkte auf 85,9 Prozent. 

Diese Entwicklung sei insbesondere auf die starke Zunahme bei der Verbreitung von Pornografie zurückzuführen, beispielsweise über digitale Medien wie WhatsApp. Hier nahmen die Fallzahlen um 57,4 Prozent (2020: 4.093 Fälle, 2019: 2.600 Fälle) zu. Die Computerkriminalität, darunter auch die Verbreitung pornografischer Schriften, nahm ebenfalls um 17,2 Prozent zu.

Die Zahl der Straftaten im Internet insgesamt ist 2020 um 20 Prozent auf 35.652 Fälle angestiegen (2019: 29.717 Fälle). Aufgrund der corona-bedingten Verstärkung des Online-Bereichs zählt Herrmann die Bekämpfung der Cyberkriminalität in den kommenden Jahren zu den größten Herausforderungen der Polizei. Herrmann meint:

"Mit einem neuen Pilotprojekt beim Polizeipräsidium Oberfranken erproben wir als erstes Bundesland den vollmobilen Einsatz eines vollwertigen IT-Forensiklabors."

Mit diesem Spezialfahrzeug für rund 300.000 Euro seien alle Geräte zur digitalen Beweissicherung, entsprechende Software sowie Arbeitsplätze zum Sichern und Sichten digitaler Beweise unmittelbar vor Ort verfügbar.

Die Einbrüche sind durch die Ausgangsbegrenzungen in vielen Landkreisen corona-bedingt auf 4.200 Fälle gesunken. Auch die Zahl der Ladendiebstähle ging – verständlicherweise wegen der zahlreichen Ladenschließungen um 8,5 Prozent  auf 28.800 Fälle zurück. Diebstahlsdelikte insgesamt gab es 132.300, darunter 7.700 Fälle von Tankbetrug. Das waren 19,8 Prozent weniger als im Vorjahr ohne Corona-Beschränkungen.

Bei den Körperverletzungsdelikten sank die Rate um 8,2 Prozent. Besonders bemerkenswert in Bayern ist der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen im Gesamtbild der Kriminalität. Bei einem Ausländeranteil bei 13,6 Prozent der Bevölkerung lag deren Quote überproportional hoch bei 34,7 Prozent.

600 Straftaten gegen das Leben wurden verzeichnet, darunter Mord, versuchter Mord, Totschlag. 113.300 Vermögens- und Fälschungsdelikte wurden registriert. Die Bayerische Polizei konnte die Aufklärungsquote (ohne ausländerrechtliche Delikte) auf 66,4 Prozent steigern (+1,4 Prozentpunkte).

Zu den sichersten Bayerischen Städten zählen auf Platz 1. Fürth, auf Platz 2. Erlangen und auf Platz 3 München. Bamberg ist nach den statistischen Daten die unsicherste Stadt in Bayern.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) wollte gegenüber RT DE diese Zahlen nicht kommentieren. Der BDK sei keine Behörde, sondern ein gewerkschaftlicher Berufsverband in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins und deshalb nicht zur Auskunft verpflichtet. Der Bundesvorsitzende Sebastian Fiedler, selbst ein Kriminalhauptkommissar, schrieb auf eine schriftliche Anfrage: "Ich bitte um Verständnis dafür, dass wir uns entschlossen haben, RT DE keine Interviews zu geben. Mit freundlichen Grüßen."

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