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Wasser predigen und Wein trinken? Der "Bund" kauft nur sehr zögerlich Elektroautos

Überall wird der Vorteil von Elektroautos gepriesen. Angesichts des Klimawandels gebe es gar keine Alternativen. Dabei liegt der Anteil von angeblich umweltfreundlichen Autos in der Flotte des Bundes erstaunlich niedrig, selbst im für Elektromobilität zuständigen Verkehrsressort.
Wasser predigen und Wein trinken? Der "Bund" kauft nur sehr zögerlich ElektroautosQuelle: www.globallookpress.com © Christian Spicker via www.imago-images.de

Nur ein Bruchteil der fast 25.000 Autos zählenden Fahrzeugflotte des Bundes, also der Ministerien, der Obersten Bundesbehörden und der ihnen nachgeordneten Bundesoberbehörden, sind heute schon Elektroautos. Das brachte eine Kleine Anfrage der Grünen zutage, wie die Süddeutsche Zeitung jetzt berichtet. Demnach verfüge der Bund nur über 582 Autos, die vollständig elektrisch angetrieben sind. Als Anteil ausgedrückt sind das 2,4 Prozent. Rechnet man die Anzahl der Plug-in-Hybride sowie Wasserstoff- und Biogas-Autos hinzu, ergeben auch die alle zusammengenommen nur einen Anteil von 5,6 Prozent. 

Die Anfrage ergab, der Prozentsatz der Fahrzeuge mit umweltfreundlichem Antrieb sei im Entwicklungsministerium mit genau 100 Prozent am höchsten. Im Auswärtigen Amt liegt er Anteil bei über 82 Prozent. Im Umweltministerium dagegen verfügen mehr als 40 Prozent der Fahrzeuge noch über einen konventionelle Verbrennungsmotoren. Im Verkehrsministerium, das eigentlich für die Elektromobilität zuständig ist, liegt der Anteil der "sauberen" Autos bei nur 6,3 Prozent. Nur ein Ministerium weist eine noch geringere Quote aus, nämlich das Bundesverteidigungsministerium mit 1,6 Prozent.

Der niedrige Satz des Bundesverkehrsministeriums ergibt sich daraus, dass die Behörden, die diesem Ministerium nachgeordnet sind, fast ausschließlich über Autos mit konventionellen Motoren verfügen. Die eigene, 31 Autos umfassende Flotte des Verkehrsministeriums weist einen Öko-Anteil von 100 Prozent auf. Ein Ministeriumssprecher erklärte, dass die eigenen Behörden aufgefordert seien, die Quote von "sauberen" Autos zu erhöhen, wenn dies wirtschaftlich zu vertreten sei.

Der immer noch hohe Anteil an konventionellen Motoren ist aber nicht allein durch Altbestand zu erklären. Auch im zurückliegenden Jahr 2020 verfügten gerade einmal 12,7 Prozent der mehr als 7.500 neu angeschafften Autos über einen ökologisch vertretbaren Antrieb. Dabei hatte sich die Bundesregierung selbst im Klimaschutzprogramm 2030, das sie im Jahr 2019 beschlossen hatte, das Ziel gesetzt, den Anteil umweltfreundlicher Autos bis zum Jahr 2025 auf 40 Prozent und bis zum Jahr 2030 sogar auf 100 Prozent zu steigern.

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