Deutschland

Tesla ruft – doch es kommen weniger als gedacht

Im Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin sollen in wenigen Monaten die ersten Modelle vom Band laufen. Hierfür müssen noch viele Stellen besetzt werden. Doch mit der Rekrutierung von Top-Stellen tut sich der Autobauer schwer. Das hat auch mit VW zu tun.
Tesla ruft – doch es kommen weniger als gedachtQuelle: Reuters © Hannibal Hanschke

Die Gigafactory in Grünheide ist das Prestigeprojekt von Tesla in Europa. Im Juli soll mit der Produktion begonnen und etwa 7.000 Mitarbeiter eingestellt werden. Doch der Einstellungsprozess ist ins Stocken geraten.

Auf der Webseite von Tesla finden sich über 350 Stellenprofile für das Werk Grünheide, gut die Hälfte ist noch aus dem Jahr 2020. Offene Stellen in der Fertigung werden wohl nicht das Problem sein. Die deutsche Automobilbranche versucht, mit Stellenstreichungen durch die Krise zu kommen. Ob in Wolfsburg, Stuttgart oder Rüsselsheim, überall müssen Mitarbeiter gehen. Auch Zulieferer wie Bosch und ZF entlassen. Hier kann Tesla auf erfahrene Kräfte zugreifen. Sogar im Ausland hört man den Ruf. In Polen etwa gilt Tesla als Top-Arbeitgeber. Für Pendler nahe der Grenze wäre die Gigafactory ein Katzensprung. Doch die hochrangigen Stellen scheinen dem E-Autobauer noch Sorgen zu bereiten.

Aktien statt Boni

Das Problem: Tesla zahlt zu wenig. Die Kalifornier bieten deutlich weniger als die deutschen Konkurrenten, vertrauen auf den Nimbus der Marke und ihres Chefs Elon Musk. Doch der scheint auf dem deutschen Markt noch nicht so zu ziehen. Statt Boni biete Tesla zudem ein Aktienpaket. Das hatte in der Vergangenheit eine anziehende Wirkung. Im vergangenen Jahr schoss der Kurs in die Höhe. Ob dies aber weiterhin so bleiben wird, ist fraglich. Zudem ist das Paket zeitlich gekoppelt. Arbeitgeber müssen vier Jahre im Konzern bleiben, um in den Genuss der Wertpapiere zu kommen.

VW wappnet sich gegen eine Abwanderung von Mitarbeitern auf seine eigene Weise. Mitarbeiter, die von VW zu Tesla wechseln, können nicht mehr nach Wolfsburg zurückkehren. Mit dieser als Lex Tesla benannten Vereinbarung will der Autobauer verhindern, dass sich vermehrt Arbeitskräfte nach Berlin wenden.

Ein weiteres Problem: In der aktuellen Krise scheuen viele Fach- und Führungskräfte einen Wechsel. In der deutschen Autobrache zählen zudem Sicherheit und Verlässlichkeit mehr als die Chance auf den schnellen Aufstieg. Wer sich auf den Wechsel einlässt, muss sich das gut überlegen. Anders als in deutschen Betrieben pflegt Tesla eine schnelle Entscheidungskultur, die Macher anziehen könnte, aber auch mit hohem Druck verbunden ist. Wer diesen nicht aushält, kann schnell wieder gehen.

IG Metall gegen Tesla

Klar ist: In Deutschland muss sich Tesla auf andere Arbeitsbedingungen einstellen. Eine Kultur des "hire and fire", unbezahlte Überstunden, Lohndumping und die "Produktionshölle", wie Musk sie selbst genannt hat, wird hier auf Widerstand stoßen. Die IG Metall hat der Firma schon den Kampf angesagt. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann meinte in der Wirtschaftswoche:

"Ich hoffe, dass wir bei Tesla in Grünheide bezüglich Entgelt, Arbeitszeit, -bedingungen und Mitbestimmung zu den Standards kommen, wie in anderen Unternehmen auch. Konkurrenz sollte über das Produkt und die Qualität stattfinden. Wenn nicht, werden wir uns Antworten überlegen."

Das als nicht gewerkschaftsfreundlich bekannte Unternehmen hat bisher nicht auf Gesprächsangebote reagiert.

Musk hat den Status als Mann der Tat, der das Unmögliche schafft. Eine Verschiebung der Eröffnung könnte nicht nur wirtschaftliche Folgen haben, sondern auch sein Image ankratzen.

Mehr zum Thema - Rechtliche Bedenken: Produktionsstart der Tesla Gigafactory in Grünheide könnte sich verzögern

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