Deutschland

"Von der Macht verführt" – Stellte sich Leopoldina in den Dienst der Corona-"Propaganda"?

Wiederholt wurde die Bundesregierung in den letzten Monaten dafür kritisiert, sich mutmaßlich einseitig beraten zu lassen. Nun machte ein Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina scharfe Kritik an Regierung und am wissenschaftlichen Beratungsgremium öffentlich.
"Von der Macht verführt" – Stellte sich Leopoldina in den Dienst der Corona-"Propaganda"?Quelle: www.globallookpress.com

Während der Dauer-Lockdown ein weiteres Mal in seine entscheidende Phase tritt, häuft sich nicht nur die Kritik am Umgang der Bundesregierung mit der ausgerufenen Pandemie, sondern auch der Unmut über die Art und Weise, wie die sogenannten Corona-Maßnahmen zustande kommen.

Was die Entscheidungsfindung anbelangt, bewege sich die Bundesregierung laut den Kritikern in einer Art selbstreferenzieller Echokammer. Bereits im November beklagte der Medizinprofessor Matthias Schrappe eine Beratungsresistenz der Bundesregierung in Sachen Maßnahmen zur Eindämmung der ausgerufenen COVID-19-Pandemie.

Zu den Institutionen, die innerhalb des Beratungszirkels der Bundesregierung angesiedelt sind, zählt die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften. Am 8. Dezember veröffentlichte die renommierte wissenschaftliche Einrichtung ein "wissenschaftliches Gutachten"(von viereinhalb Seiten), das als Begründung dafür diente, warum aus dem "Wellenbrecher-Lockdown" ein harter Lockdown werden musste.

Dem Tübinger Professor Thomas Aigner wurde es anschließend zu bunt, worauf er seinen Austritt aus der "Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz" erklärte. Derlei Gutachten wie von der Leopoldina verfasst, seien "einer ehrlichen Wissenschaft nicht würdig". Seinen Austritt begründete Aigner mit der Untätigkeit der Akademie gegenüber dem "Ad-hoc-Gutachten" der Leopoldina.

Nun meldete sich ein weiterer Wissenschaftler zu Wort: das Akademie-Mitglied Michael Esfeld. Gegenüber der Leopoldina und der Bundesregierung fuhr der Professor für Wirtschaftsphilosophie schwere Geschütze auf. Wie Esfeld der Bild erklärte, ziehe die Regierung "derzeit vor allem jene Wissenschaftler zu Rate, die bereit sind zu sagen, was die Regierung auch hören will".

Dieses Vorgehen untergrabe die "Reputation der Wissenschaft" massiv. Dies führe zwangsläufig "zu einer populistischen Gegenreaktion gegen die Wissenschaft als ganze". Esfeld bezieht sich in seiner Kritik auch auf die Stellungnahme der Leopoldina vom 8. Dezember.

"Die Stellungnahme der Leopoldina vom 8. Dezember war ein ganz eindeutiges Beispiel von politischem Missbrauch von Wissenschaft".

Die an dem Schreiben beteiligten Wissenschaftler hätten sich "von der Macht verführen lassen". Dabei hätten sie "alle wissenschaftlichen Standards und jegliche Verantwortung über Bord" geworfen.

Zudem existiere innerhalb der Leopoldina keine konstruktive Fehlerkultur. Die Institution sei nie in der Lage gewesen, eigene Fehler einzuräumen und "falsche Prognosen und Begründungen" zu revidieren.

Nicht ohne zusätzliche Brisanz ist die Mutmaßung des Philosophieprofessors, wonach die Regierung die Wissenschaftler des wissenschaftlichen Beratergremiums bewusst für ihre vermeintlich undemokratischen Zwecke eingespannt habe.

"Das Kanzleramt entschied sich gleich zu Beginn der Pandemie für eine Politik, die sie in einem transparenten, öffentlichen und kritischen Diskurs nie hätte durchsetzen können."

Dies sei nur dank Wissenschaftlern möglich gewesen, "die mit großer Autorität in der Öffentlichkeit den Regierungskurs verteidigten", fährt Esfeld fort.

"Diese Wissenschaftler haben sich von der Regierung für Propaganda einspannen lassen."

Ein verhängnisvolles System der Abhängigkeit zum beiderseitigen Vorteil bewahre die Beteiligten davor, Verantwortung zu übernehmen.

"Die Politiker können sagen, dass sie nur der Wissenschaft gefolgt sind. Und die entsprechenden Wissenschaftler können sagen, dass sie die Politik nur beraten haben. So trägt am Ende niemand die Verantwortung."

Bereits am 8. Dezember verfasste Esfeld eine Protestnote an den Präsidenten der Leopoldina Prof. Gerald Haug:

"Mit Bestürzung habe ich die heute veröffentlichte Stellungnahme der Leopoldina zur Kenntnis genommen, in der es heißt: 'Trotz Aussicht auf einen baldigen Beginn der Impfkampagne ist es aus wissenschaftlicher Sicht unbedingt notwendig, die weiterhin deutlich zu hohe Anzahl an Neuinfektionen durch einen harten Lockdown schnell und drastisch zu verringern'".

Nach Veröffentlichung der Leopoldina-Stellungnahme unterstützte auch Angela Merkel den harten Lockdown. Es gebe wissenschaftliche Erkenntnisse, die real seien und an die man sich besser halten solle, argumentierte die Kanzlerin.

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